Das stand im stern- letter von heute früh. Diese Wahl, wie immer der Präsident auch sein wird, wird in die Geschichte eingehen. Das Wahlverfahren einer Weltmacht steht im Jahre 2000 dem einer Bananenrepublik in keiner Weise nach, nur das letztere sich nicht anmaßt, den Weltfrieden organisieren zu wollen.
Warten wir´s ab!
Udu
Der Sumpf von Florida
Wenn George W. Bush wirklich 43. Präsident der USA wird, dann dank gewaltiger Schlamperei, übler Tricks und der tatkräftigen Nachhilfe republikanischer Mitstreiter im Sonnenstaat, in dem Bruder Jeb Gouverneur ist
Juan Hidalgo versteht die Neue Welt nicht mehr. Der
Verkäufer in einer Mode-Boutique emigrierte neulich von
Medellín, Kolumbien, nach Miami, Florida, aber dort kommt ihm alles sehr bekannt vor: "Es geht genauso zu wie bei uns."
Die älteste Demokratie steckt in einem Sumpf aus Pfusch und Schiebung. Was vor fünf Wochen als Auszähl-Farce begann, ist zu einer bitteren Verfassungskrise geworden. Niemand weiß, wann und wie sie ausgeht. Die Unvereinigten Staaten sind in zwei feindliche Lager gespalten. Gegenseitig werfen sie sich
vor, das höchste Amt im Staat stehlen zu wollen. Auch die Justiz ist geteilt, parteiische Richter sprechen jeweils für die Klientel, der sie ihre Karriere verdanken.
Und all die Ungereimtheiten passieren in einem Staat, in dem zufällig der Bruder eines Kandidaten regiert? So etwas kennt man sonst nur aus Ländern, wo Bananen wachsen. Mit der tatkräftigen Hilfe seines Bruders wird George W. Bush wahrscheinlich die heiß umkämpften 25 Florida-Stimmen erobern, die ihm zum Sieg verhelfen.
Dabei hat Vizepräsident Al Gore höchstwahrscheinlich auch im Rentnerparadies die Mehrheit errungen. Eine Studie, von der Zeitung "Miami Herald" in Auftrag gegeben, kam zu dem Ergebnis: Wenn alles mit rechten Dingen zugegangen wäre, wenn die Wahlmaschinen ordentlich funktioniert und die rund
sechs Millionen Stimmzettel fehlerfrei ausgezählt worden wären, hätte Gore vermutlich 23000 Stimmen mehr als Bush.
Dass sie bis heute nicht genau ausgezählt worden sind, ist ein Skandal, der die Glaubwürdigkeit der USA noch lang erschüttern wird. Die Nation, die gern ihren Finger und manchmal sogar ihre Gewehre hebt, um dem Rest der Welt Lektionen in Sachen Demokratie zu erteilen, sollte in Zukunft wohl etwas bescheidener auftreten.
Denn was an Murks, Mogelei und Rassismus aus Florida bekannt wird, ist atemberaubend.
Harmlos war dabei noch, dass ein Packen Stimmzettel erst verschwand und dann im Sheraton Hotel von Miami wieder auftauchte. Andere Stimmzettel waren für immer futsch, wie in Highlands County. Harmlos war auch, dass manche Stimmbezirke das Ergebnis nicht an die Wahlzentrale übermitteln konnten, weil die Telefonleitungen nicht funktionierten. Amerikaner sind Ärger mit ihren miserablen Telefongesellschaften gewohnt.