Feier ich so hart
Auf den 15. März datiert darüber noch einmal hinaus eine letzte längere Abschiedsrede auf dem Totenbettt, die damit endet, dass Seripando die Stimme versagt. Hubert Jedin, der große Historiker des Tridentinum, dessen Schilderung meiner zugrundeliegt, war der Ansicht, dass deren „ergreifende Wahrhaftigkeit durch eine Umschreibung nur abgeschwächt“
1 worden wäre und hat sie daher ungekürzt ins Deutsche übertragen. Die Übersetzung sei an dieser Stelle vollständig eingefügt:
Ich bin im Begriffe, von hier zu scheiden und fröhlich dem Ruf des Herrn zu folgen. Ich möchte Euch bei diesem Hinschied einiges sagen, von dem Ihr mir glauben werdet, daß es sich so verhält, wie ich es sagen werde. Denn in Kürze stehe ich vor dem Angesicht der untrüglichen Wahrheit, und dies sollen meine letzten Worte sein. Geliebteste Brüder! Durch die Gnade Gottes, dem immerdar für ein so hohes Geschenk gedankt sei, habe ich in Sachen des Glaubens immer geglaubt und für wahr gehalten, was die heilige Kirche für wahr hält und glaubt, und an keinem einzigen Glaubensartikel je gezweifelt noch auch die geringste Versuchung dazu empfunden. Insbesondere was das heilige Sakrament der Eucharistie angeht, habe ich so fest geglaubt, was die Kirche glaubt, daß ich niemals auch nur die geringste Unruhe oder Versuchung deswegen hatte, und kann mit Cyrill sagen: Jenes Wort ¸Wie kann er uns sein Fleisch zu essen geben?´ ist ein judaistisches Wort. Nein, ein solcher Zweifel ist nie in meine Seele gefallen. Das habe ich gesagt, damit Ihr alle wißt, mit welchem Glauben ich sterbe.
Nun will ich vom Vertrauen reden. In diesem Punkt habe ich viele heftige Versuchungen durchgemacht und wäre beinahe gefallen, denn viele Jahre hindurch habe ich auf die eigenen Werke vertraut, aber seit einiger Zeit habe ich meinen Irrtum eingesehe und bekenne meine Sünde. Auch in diesem Punkt glaube ich, wie die Kirche glaubt, daß wir uns in niemand anderem als in Jesus Christus und der Gnade Gottes rühmen dürfen, so daß ich in meinem Sterben in der Kirche, von der Kirche und durch die Kirche bin.
Noch vieles andere wollte ich sagen, aber, wie Ihr seht, fehlt mir der Atem. Ich gehe deshalb dazu über, Euch einige Worte über den Tod zu sagen, und zwar, was der Apostel Paulus [1 Thess. 4, 12ff] de dormientibus meint. Man darf trauern beim Tod der Verwandten und Freunde, jedoch mit Hoffnung und nicht wie die Heiden ohne Hoffnung. Und welches ist diese Hoffnung? Die Hoffnung auf Auferstehung. Denn wenn Christus auferstanden ist, werden auch wir auferstehen. Das Erscheinen des Engels, der Schall der Trompete, die Wolke, auf der der Sohn Gottes herabsteigen wird, sind keine Argumente der Auferstehung, sondern Werkzeuge, welche die göttliche Majestät gebraucht, um jene Wirkung hervorzurufen. Das Fundament der Auferstehung aber ist die Hoffnung, daß wir einst aufgeweckt werden. Aber auch darüber kann ich nicht alles sagen, was ich vorhatte.
Ich wollte noch vom Konzil und seinem Fortgang reden, aber Gott verbietet es mir. Der Herr selbst wird sprechen, wenn es nötig ist. Mir bleibt nur noch übrig, Euch, heiligste Väter, und Euch, meine geliebtesten Brüder, um Euer Gebet bei Gott zu bitten, daß er mir meine Sünden verzeiht.
1Jedin, Konzil von Trient, IV 2, S. 267; die Schilderung der Todesfälle erstreckt sich über die Seiten 264 bis 269.