Man muß wissen, wie die Idee der antiautoritären Erziehung entstand und wie sie sich entwickelt hat.
Wir wurden damals mit Prügelstrafen u. Backpfeifen erzogen. In unserer Generation durfte der Vater den Arbeitsplatz der Mutter kündigen. Bei der Scheidung ging es um das Schuldprinzip, wer Schuld an der Zerrüttung hatte, verlor die Kinder und bekam keinen Unterhalt.
usw usf.
Damals kaam der Wunsch u. Idee auf, daß Kinder mehr Selbstbestimmungsrechte bekommen & gewaltfrei erzogen werden sollten. Man nannte es provokativ "antiautoritäre Erziehung", weil man dabei war, Autoritäten in Frage zu stellen und/oder abzulehnen.
Es ist richtig, man hatte damals, genauso ist es auch noch heute, bei der Provokation weit überzogen, aber nur so kann man tragfähige, neue Kompromisse schließen. s. Tarifverhandlungen der Gewerkschaften.
Das hatte damals zur Veränderung der Situation der Kinder beigetragen. Kinder mußten danach nicht mehr im KTH als Kolonne zum Pinkeln, nicht mehr zwangsweise Mittagsschlaf halten, sondern ruhen, durften auch mal ein Buch betrachten oder mit einem Stofftier kuscheln, wurden nicht mehr zur Sauberkeit dressiert, sondern zu Sauberkeit erzogen usw.
Wer als Eltern den Bogen überspannte, hatte seine Kinder seelisch überfordert, weil das Kind zu früh gezwungen wurde, für sich Entscheidungen zu treffen, für dem ihm die Lebenserfahrung fehlte, aber wer die Entscheidungsfreiheit seines Kindes mit altersgerechten Metoden gefördert hatte, hatte selbstbewußte Kinder, die sich nicht die Wurst vom Brot nehmen ließen, anderen aber auch nicht die Wurst stahlen.
Die Eltern, die ihr Kind schalten und walten ließen, hatten verwahrloste Kinder, weil das eine Form der Gleichgültigkeit war, die den Kindern keine Liebe und Zuwendung bot und ihnen falsche Machtgefühle vermittelte.
Ich bin dafür, daß man den seelisch-geistigen Freiraum eines Kindes, genauso wie den tatsächlichen Freiraum mit zunehmenden Alter erweitern sollte.
Grenzenlose Freiheit schafft grenzenlose Verunsicherung und nimmt jegliche Orientierung.
Udu