HakaNsbraten
auf Eis gelegt
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- 3 April 2004
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- 1.773
Für diejenigen unter euch, die Lust haben was interessantes zu lesen.
Die antiamerikanischen Projektionen, welche den vermassenden Friedenstaumel massgeblich trugen, zeigen Ähnlichkeit zum regressiven (oft verkürzt genannten) Antikapitalismus. Dabei wird alles was am Kapitalismus als störend empfunden wird der USA zugeschrieben: Raffgier und Rücksichtslosigkeit («Kein Krieg für Profite»); Fremdherrschaft («USA raus aus Deutschland / Irak); Kulturlosigkeit und Widernatürlichkeit (Boykottiert McDonalds»).
Die täglich erfahrene abstrakte Herrschaft des Kapitalverhältnisses wird am moralisch attributierten «Weltpolizisten» festgemacht. Damit bekommt der Kapitalismus ein Gesicht in Form der Militärmacht USA. Es ist Wahlweise der «texanische Erdölfundi Bush», der «Gorilla aus dem weissen Haus» oder ein «ultrakonservativer Think-Tank», der das ganze Elend einer ruinierten Welt zu verantworten hat. Damit wird das «automatische Subjekt» zugunsten eines politisch handelnden Subjekts USA negiert bzw. gar nie wahrgenommen, was das eigene Elend nicht verringert, wenigstens aber an der Projektionsfläche entladbar macht.
«Das Individuum, das die feindlichen Gefühle gegen die Autoritäten der Bezugsgruppe, ursprünglich gegen die Eltern, unterdrücken musste, sieht die «schlechten» Seiten dieser Machtfiguren – ihre angebliche Unfairness, ihr Eigennutz und ihre Herrschsucht – in den Fremdgruppen» (Adorno; Studien zum autoritären Charakter, S. 50) Dem eigenen Kollektiv wird der Anschein gerechter Arbeit, Natürlichkeit und der solidarische Einsatz für das Gemeinwohl attestiert. «Wir sind das Volk» (Kein-Krieg-Zeitung) und mit diesem kann sich eins fühlen, wer sich zuhause über die dummen Amis empört, ebenso wie der, welcher sich auf der Strasse neben seiner Arbeitslosenbetreuerin die Lunge aus dem Leib brüllt.
Die so ideologisch bewaffnete Friedensbewegung war keine Protestbewegung, sondern in erster Linie ein Revival des folgenreichen Modells der konformistischen Rebellion. Eine Rebellion, die den Antikapitalismus auf dem Boden des Kapitalismus scheinbar möglich macht, indem gemeinsam mit den eigenen Mächtigen gegen die «Fremdherrschaft» aufbegehrt wird. Die Bedürfnisse nach Unterwerfung, dem Wunsch nach Angehörigkeit zu einer «In-Group» (Das Volk) und der vermeintlichen Ausübung von Macht gegen eine «Out-Group»(die USA) korrelieren stark. «Wir sind das Volk. Es ist Zeit, dass wir uns daran erinnern, was der Satz wirklich heisst. Er heisst: Wir sind der Staat, wir haben die Macht. Diese Macht gibt uns das Recht, unsere Politiker zu beauftragen, einen Krieg gegen den Irak in jeder Form abzulehnen und in keiner Form zu stützen.» (Kein-Krieg-Zeitung) «Oft arrangiert sich das Individuum, indem es sich Machtfiguren gleichstellt, so dass er beide Bedürfnisse zu befriedigen vermag, das nach Macht und das nach Unterwerfung.» (Adorno; Studien zum autoritären Charakter, S. 57)
Angesichts der offensichtlichen Affinitäten der Friedensbewegung zum sogenannt strukturellen Antisemitismus erstaunt auch die notorische Verurteilung Israels nicht. Dieses wird als mächtig aber im Hintergrund agierend, zumindest aber als grösster Kriegsgewinnler dargestellt. Die «Le monde Diplomatique» weiss den wichtigsten Grund für den Irakkrieg, nämlich «dass die USA und Israel weiterhin freie Hand für eine Intervention im gesamten Nahen Osten haben. Die Vorteile einer solchen freien Hand sind aus der Sicht Israels, der proisraelischen Lobby und von deren Vertretern in der Bush-Regierung unmittelbar einleuchtend.» Unmittelbar einleuchtend sind auch die «Thesen» des «Revolutionären Aufbaus». Dieser schreibt in seiner Zeitung, der sogenannte «Likud-Plan» sei ein mit der US-Regierung abgesprochenes Geheimprojekt: «PalästinenserInnen, derzeit arbeitslos, sollen zu Hungerlöhnen im Irak das wieder aufbauen, was derzeit zusammengebombt wird. Einmal dort, dürfte ihnen eine Rückreise in die besetzten Gebiete verwehrt sein.» In den «Marxistischen Blättern» (MB), beschwert sich Shraga Elam, dass «über die Rolle Israels und der pro-israelischen US-Lobby bei der Kriegshetze und Kriegstreiberei» viel zu wenig diskutiert werde. Vielleicht sollte er statt Jan Van Helsings «Geheimgesellschaften» mal die Publikationen der Friedensfreunde lesen.
Die antiamerikanischen Projektionen, welche den vermassenden Friedenstaumel massgeblich trugen, zeigen Ähnlichkeit zum regressiven (oft verkürzt genannten) Antikapitalismus. Dabei wird alles was am Kapitalismus als störend empfunden wird der USA zugeschrieben: Raffgier und Rücksichtslosigkeit («Kein Krieg für Profite»); Fremdherrschaft («USA raus aus Deutschland / Irak); Kulturlosigkeit und Widernatürlichkeit (Boykottiert McDonalds»).
Die täglich erfahrene abstrakte Herrschaft des Kapitalverhältnisses wird am moralisch attributierten «Weltpolizisten» festgemacht. Damit bekommt der Kapitalismus ein Gesicht in Form der Militärmacht USA. Es ist Wahlweise der «texanische Erdölfundi Bush», der «Gorilla aus dem weissen Haus» oder ein «ultrakonservativer Think-Tank», der das ganze Elend einer ruinierten Welt zu verantworten hat. Damit wird das «automatische Subjekt» zugunsten eines politisch handelnden Subjekts USA negiert bzw. gar nie wahrgenommen, was das eigene Elend nicht verringert, wenigstens aber an der Projektionsfläche entladbar macht.
«Das Individuum, das die feindlichen Gefühle gegen die Autoritäten der Bezugsgruppe, ursprünglich gegen die Eltern, unterdrücken musste, sieht die «schlechten» Seiten dieser Machtfiguren – ihre angebliche Unfairness, ihr Eigennutz und ihre Herrschsucht – in den Fremdgruppen» (Adorno; Studien zum autoritären Charakter, S. 50) Dem eigenen Kollektiv wird der Anschein gerechter Arbeit, Natürlichkeit und der solidarische Einsatz für das Gemeinwohl attestiert. «Wir sind das Volk» (Kein-Krieg-Zeitung) und mit diesem kann sich eins fühlen, wer sich zuhause über die dummen Amis empört, ebenso wie der, welcher sich auf der Strasse neben seiner Arbeitslosenbetreuerin die Lunge aus dem Leib brüllt.
Die so ideologisch bewaffnete Friedensbewegung war keine Protestbewegung, sondern in erster Linie ein Revival des folgenreichen Modells der konformistischen Rebellion. Eine Rebellion, die den Antikapitalismus auf dem Boden des Kapitalismus scheinbar möglich macht, indem gemeinsam mit den eigenen Mächtigen gegen die «Fremdherrschaft» aufbegehrt wird. Die Bedürfnisse nach Unterwerfung, dem Wunsch nach Angehörigkeit zu einer «In-Group» (Das Volk) und der vermeintlichen Ausübung von Macht gegen eine «Out-Group»(die USA) korrelieren stark. «Wir sind das Volk. Es ist Zeit, dass wir uns daran erinnern, was der Satz wirklich heisst. Er heisst: Wir sind der Staat, wir haben die Macht. Diese Macht gibt uns das Recht, unsere Politiker zu beauftragen, einen Krieg gegen den Irak in jeder Form abzulehnen und in keiner Form zu stützen.» (Kein-Krieg-Zeitung) «Oft arrangiert sich das Individuum, indem es sich Machtfiguren gleichstellt, so dass er beide Bedürfnisse zu befriedigen vermag, das nach Macht und das nach Unterwerfung.» (Adorno; Studien zum autoritären Charakter, S. 57)
Angesichts der offensichtlichen Affinitäten der Friedensbewegung zum sogenannt strukturellen Antisemitismus erstaunt auch die notorische Verurteilung Israels nicht. Dieses wird als mächtig aber im Hintergrund agierend, zumindest aber als grösster Kriegsgewinnler dargestellt. Die «Le monde Diplomatique» weiss den wichtigsten Grund für den Irakkrieg, nämlich «dass die USA und Israel weiterhin freie Hand für eine Intervention im gesamten Nahen Osten haben. Die Vorteile einer solchen freien Hand sind aus der Sicht Israels, der proisraelischen Lobby und von deren Vertretern in der Bush-Regierung unmittelbar einleuchtend.» Unmittelbar einleuchtend sind auch die «Thesen» des «Revolutionären Aufbaus». Dieser schreibt in seiner Zeitung, der sogenannte «Likud-Plan» sei ein mit der US-Regierung abgesprochenes Geheimprojekt: «PalästinenserInnen, derzeit arbeitslos, sollen zu Hungerlöhnen im Irak das wieder aufbauen, was derzeit zusammengebombt wird. Einmal dort, dürfte ihnen eine Rückreise in die besetzten Gebiete verwehrt sein.» In den «Marxistischen Blättern» (MB), beschwert sich Shraga Elam, dass «über die Rolle Israels und der pro-israelischen US-Lobby bei der Kriegshetze und Kriegstreiberei» viel zu wenig diskutiert werde. Vielleicht sollte er statt Jan Van Helsings «Geheimgesellschaften» mal die Publikationen der Friedensfreunde lesen.