Als Frankreich vor fünf Jahren den islamischen Gesichtsschleier verbot, erhielten die Pariser Senatoren Beifall von ungewohnter Seite. "An Europa und Frankreich möchte ich als Botschaft schicken – der Nikab hat keine Grundlage im Islam, er schadet vielmehr dem Ansehen des Islam", schrieb Abdel Muti Al-Bayyumi, Mitglied des Hohen Geistlichen Rates der Azhar in Kairo, der höchsten Lehrautorität der sunnitischen Muslime.
In dieser heiklen Frage war sich Al-Bayyumi auch mit seinem Chef einig, Großscheich Ahmed al-Tayeb. Die Debatte hatte allerdings bereits im Oktober 2009 dessen verstorbener Vorgänger Mohammed Said Tantawi angestoßen, als er bei einem Schulbesuch ein verschleiertes zwölfjähriges Mädchen abkanzelte und aufforderte, ihr Gesicht zu zeigen. Ihre Kopfbedeckung habe nichts mit dem Islam zu tun, schimpfte der damalige Chefgelehrte. Anschließend ließ er Campus und Wohnheime der Azhar für voll verhüllte Studentinnen sperren.