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MZEE Recap 2025: #15 "DeBÍ TiRAR MáS FOToS" von Bad Bunny

2025 ist vor­bei, aber man­che Tracks und Alben blei­ben uns im Gedächt­nis – und in unse­ren Play­lists. Im MZEE Recap 2025 stel­len wir Euch noch mal musi­ka­li­sche Wer­ke vor, die uns beson­ders beein­druckt haben. Heu­te: "DeBÍ TiRAR MáS FOToS" von Bad Bunny.

Schon wie­der hat ein neu­es Jahr begon­nen – schon wie­der gab es in den letz­ten Wochen musi­ka­li­sche Jah­res­bes­ten­lis­ten auf die Ohren, so weit das Auge reicht. Ob gene­rell Musik oder "nur" Rap, ob Alben oder Tracks – alles wur­de rauf und run­ter bewer­tet, als gäb's kein Mor­gen mehr. Da machen wir natür­lich mit! … klei­ner Scherz. Aber: Über man­che Songs und Alben möch­ten wir doch noch ein paar Wor­te ver­lie­ren. Musi­ka­li­sche Wer­ke, die uns im ver­gan­ge­nen Jahr im Bereich Rap, vor­nehm­lich deut­schem Rap, begeis­tert und beein­druckt haben. Die in uns etwas aus­ge­löst und uns bewegt haben. Oder die wir aus irgend­ei­nem wei­te­ren Grund, den wir Euch ger­ne ver­ra­ten, noch ein­mal beson­ders her­vor­he­ben möch­ten. In die­sem Sin­ne: Vor­hang auf für unse­ren Jah­res­rück­blick, ver­packt in die schö­ne Hül­le des musi­ka­li­schen MZEE Recaps 2025.

 

Los míos en el Bronx saben la que hay.Con la nota en high por Washing­ton Heights.

Nor­ma­ler­wei­se ent­schei­de ich mich bei Alben-​Empfehlungen eher für etwas aus dem Unter­grund, aber bei Bad Bun­nys "DeBÍ TiRAR MáS FOToS" konn­te ich ein­fach nicht anders. Ein Geheim­tipp war es nie spä­tes­tens seit den Grammy-​Auszeichnungen und sei­ner all­ge­gen­wär­ti­gen Prä­senz rund um den Super Bowl ist klar, wel­chen glo­ba­len Stel­len­wert die­ses Album besitzt. Trotz­dem habe ich das Gefühl, dass die­se Plat­te in Deutsch­land viel zu wenig Beach­tung fin­det. Wäh­rend das Album in Puer­to Rico, den USA und wei­ten Tei­len Latein­ame­ri­kas als gro­ßes State­ment gefei­ert wird, taucht es in deut­schen Rap­me­di­en und Play­lists nur am Ran­de auf – dabei gehört es für mich zu den wich­tigs­ten Releases 2025.

Mit "DeBÍ TiRAR MáS FOToS" zeigt Bad Bun­ny genau das, was ihn so ein­zig­ar­tig macht, denn er ver­bin­det sei­ne latein­ame­ri­ka­ni­sche Her­kunft mit moder­nem Sound und setzt damit ein State­ment für Iden­ti­tät und Hei­mat­lie­be. Das Album ist eine 17-​Tracks-​starke Ode an Puer­to Rico – tanz­bar, emo­tio­nal und vol­ler Nost­al­gie. Schon das Cover spricht Bän­de: zwei wei­ße Plas­tik­stüh­le vor einer Wand aus Bana­nen­stau­den. Ein Foto, das nach geleb­tem All­tag, Hit­ze und stil­len Nach­mit­ta­gen aus­sieht, weit weg von Hoch­glanz und Groß­stadt­stress. Was mich an die­sem Album beson­ders beein­druckt, ist Bad Bun­nys Mut zur Tra­di­ti­on. Er bleibt zwar Latin-​Trap und Reg­gae­ton treu, mischt aber auf Tracks wie "BAILE INoL­VI­DA­BLE" Salsa-​Elemente dazu oder lässt auf dem Titel­track "DtMF" den puer­to­ri­ca­ni­schen Plena-​Rhythmus auf Pop-​Vibes tref­fen. Tra­di­tio­nel­le Musik aus Puer­to Rico ver­schmilzt mit zeit­ge­nös­si­schem Mainstream-​Sound – eine Brü­cke zwi­schen Gene­ra­tio­nen und Kul­tu­ren. Inhalt­lich geht es Bad Bun­ny nicht nur um Par­ty und Lie­be, er the­ma­ti­siert auch die Schat­ten­sei­ten des Wan­dels sei­ner Hei­mat und rappt über Gen­tri­fi­zie­rung, den Ein­fluss der anglo­ame­ri­ka­ni­schen Kul­tur und den Ver­lust von Authen­ti­zi­tät im All­tag Puer­to Ricos. Die­se The­men zie­hen sich wie ein roter Faden durch das Album. Beson­ders in "EL CLúB" gelingt ihm der Spa­gat zwi­schen ver­träum­ter Nost­al­gie und club­taug­li­chen House-​Beats, wäh­rend er von ver­gan­ge­nen Näch­ten, Ex-​Freundinnen und kuba­ni­schen Sand­wi­ches aus bes­se­ren Zei­ten erzählt.

Das gesam­te Album hat Bad Bun­ny in Puer­to Rico aus­schließ­lich mit Artists aus der Regi­on auf­ge­nom­men. Das hört man zu jeder Sekun­de, denn die Plat­te fühlt sich ehr­lich, geer­det und gleich­zei­tig visio­när an. Für mich ist "DeBÍ TiRAR MáS FOToS" viel mehr als nur das nächs­te gro­ße Latin-​Album: Es ist eine musi­ka­li­sche Lie­bes­er­klä­rung an Puer­to Rico, ein State­ment gegen kul­tu­rel­le Aus­ver­kaufsten­den­zen und ein Beweis dafür, dass Pop­kul­tur auch poli­tisch und per­sön­lich sein kann. Wer die­se Plat­te nicht hört, ver­passt einen der wich­tigs­ten musi­ka­li­schen Momen­te des Jah­res 2025 – und soll­te es drin­gend nachholen!

(Lena Pin­to)