Schon wieder hat ein neues Jahr begonnen – schon wieder gab es in den letzten Wochen musikalische Jahresbestenlisten auf die Ohren, so weit das Auge reicht. Ob generell Musik oder "nur" Rap, ob Alben oder Tracks – alles wurde rauf und runter bewertet, als gäb's kein Morgen mehr. Da machen wir natürlich mit! … kleiner Scherz. Aber: Über manche Songs und Alben möchten wir doch noch ein paar Worte verlieren. Musikalische Werke, die uns im vergangenen Jahr im Bereich Rap, vornehmlich deutschem Rap, begeistert und beeindruckt haben. Die in uns etwas ausgelöst und uns bewegt haben. Oder die wir aus irgendeinem weiteren Grund, den wir Euch gerne verraten, noch einmal besonders hervorheben möchten. In diesem Sinne: Vorhang auf für unseren Jahresrückblick, verpackt in die schöne Hülle des musikalischen MZEE Recaps 2025.
Ich nehm' das Mic, der Rest ist automatisch entbehrlich.
Ehrlicherweise muss ich gestehen, dass ich Megaloh über die letzten Jahre ein wenig aus den Augen verloren habe. "Monster" hatte mich zum Fan werden lassen, aber spätestens nach der Trettmann-Kollabo "Herb & Mango" wurde es deutlich weniger mit der Begeisterung für den Berliner. "Schwarzer Lotus" aber lässt mich da zurückrudern und die eher langweiligen Konzeptalben und Phrasendrescherei der vergangenen Jahre vergessen.
Denn das Album ist wirklich unglaublich gut. Der Berliner hat einfach Wu-Tang Clan und einen Schuss Roc Marciano mit einer ordentlichen Prise Moabit und altersgemäßer Selbstreflexion zusammengeworfen. Und das Ergebnis funktioniert besser als alles, was man irgendwie in der Richtung bisher auf Deutsch hören konnte. Die größtenteils in Eigenregie produzierten Beats sind alle minimalistisch und im besten Sinne einfach, aber nie langweilig gehalten. Da gibt's dann halt auch mal gar keine Drums und trotzdem wird mit dem Kopf genickt. Den Löwenpart für die Sogwirkung beim Hören übernimmt aber der Rap. Dass Megaloh zu den besten Rapper:innen Deutschlands zählt, dürfte längst allgemeiner Konsens sein. Nicht immer kommen seine Skills aber so zur Geltung wie auf diesem Projekt, wo er sich den benötigten Raum auf den Songs einfach nehmen kann. Bei jedem wiederholten Hören entdeckt man so viele neue Reime und Wortspiele, dass im Auto leider niemand reden darf, wenn das Album läuft. Und auch wenn mal nicht ganz so versiert getextet und lediglich "Fuchs, du hast die Gans gestohlen" rezitiert wird: Stimme und Flow machen so viel wieder wett, dass auch das einfach gut klingt.
Insgesamt ist "Schwarzer Lotus" natürlich sehr nischig und "HipHop-Hände"-Rap, aber wer so was mag, der wird das Album lieben. Und davon ist auszugehen, immerhin seid Ihr hier bei MZEE.com.
(Simon Back)