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MZEE Recap 2025: #12 "Böse Wörter" von Audio88

2025 ist vor­bei, aber man­che Tracks und Alben blei­ben uns im Gedächt­nis – und in unse­ren Play­lists. Im MZEE Recap 2025 stel­len wir Euch noch mal musi­ka­li­sche Wer­ke vor, die uns beson­ders beein­druckt haben. Heu­te: "Böse Wör­ter" von Audio88.

Schon wie­der hat ein neu­es Jahr begon­nen – schon wie­der gab es in den letz­ten Wochen musi­ka­li­sche Jah­res­bes­ten­lis­ten auf die Ohren, so weit das Auge reicht. Ob gene­rell Musik oder "nur" Rap, ob Alben oder Tracks – alles wur­de rauf und run­ter bewer­tet, als gäb's kein Mor­gen mehr. Da machen wir natür­lich mit! … klei­ner Scherz. Aber: Über man­che Songs und Alben möch­ten wir doch noch ein paar Wor­te ver­lie­ren. Musi­ka­li­sche Wer­ke, die uns im ver­gan­ge­nen Jahr im Bereich Rap, vor­nehm­lich deut­schem Rap, begeis­tert und beein­druckt haben. Die in uns etwas aus­ge­löst und uns bewegt haben. Oder die wir aus irgend­ei­nem wei­te­ren Grund, den wir Euch ger­ne ver­ra­ten, noch ein­mal beson­ders her­vor­he­ben möch­ten. In die­sem Sin­ne: Vor­hang auf für unse­ren Jah­res­rück­blick, ver­packt in die schö­ne Hül­le des musi­ka­li­schen MZEE Recaps 2025.

 

Ich hab' kei­ne Wut im Bauch.
Ich hab' Wut im Kopf.

Als ich mich den 38 Minu­ten "Böse Wör­ter" von Audio88 zum ers­ten Mal wid­me, bin ich bereit, mich anschrei­en zu las­sen und den Kopf gewa­schen zu krie­gen. Dazu bege­be ich mich in die öffent­li­chen Ver­kehrs­mit­tel, der Sound auf den Kopf­hö­rern etwas zu laut ein­ge­stellt. In die­ser "nor­ma­len" Umge­bung kommt die zyni­sche Gesell­schafts­ana­ly­se, die ich erwar­te, für mich am besten.

Ent­täuscht wer­de ich nicht. Genau so habe ich mir das vor­ge­stellt: Es wird gespit­tet, aus­ge­teilt, gerich­tet. Das alles bei gleich­blei­bend exzel­len­ter Pro­duk­ti­ons­kunst von Tor­ky Tork, Audio selbst, Shel­ter Boy und Fid Mel­la. Gleich zu Anfang kommt Tarek K.I.Z als Alter Ego zu Hil­fe: "Ich bin Audio88." Das neh­me ich ihm sofort ab. Denn auch ich bin Audio88: dem Übel mal so rich­tig tief in die Augen gucken, mal absicht­lich durch den Regen­schau­er lau­fen. Dann irgend­wann grin­sen, denn ändern lässt sich das Wet­ter sowie­so nicht. Man selbst müss­te sich viel­leicht mal ändern – aber wo bleibt da der Trotz? Das Welt­ge­sche­hen als schlecht zu begrei­fen, ist Grund­la­ge des Has­ses dar­auf, davon ablen­ken­de Inhal­te zu kon­su­mie­ren. Ver­rat begeht der, der Pod­casts hört. Wer sich gar für True Crime begeis­tert, gibt sich der Lächer­lich­keit preis. Ich kann die­se Stim­mung nach­voll­zie­hen und bin dank­bar für Anre­gun­gen, mich mit Chris­toph Schlin­gen­sief zu beschäf­ti­gen oder wie­der mal Lau­ryn Hill zu hören. Rich­tig Spaß macht mir "Gar­ga­mel" mit sehr gelun­ge­nem Kara­te Andi-Fea­ture und Anlei­hen an des­sen "Will­kom­men im Kara­te­club" des mitt­ler­wei­le über elf Jah­re alten Albums "Pil­sa­tor Pla­tin". Eine Ver­bin­dung, die ich nicht unbe­dingt her­ge­stellt hät­te, die aber durch­aus Sinn ergibt.

Das Uner­war­te­te, das die gedank­li­che Kom­fort­zo­ne aus­trickst, ist für mich auf die­ser Qua­li­täts­stu­fe ein Allein­stel­lungs­merk­mal von Audio88. Immer wie­der kann ich mir sei­ne Musik, kann ich mir auch die­ses Album anhö­ren und mich auf Fra­gen nach unse­rem wider­sprüch­li­chen Agie­ren auf Erden ein­las­sen. Auf ernst­haf­te Fra­gen, die mich trotz­dem in den öffent­li­chen Ver­kehrs­mit­teln grin­sen lassen.

(Chris­ti­na Jeiter)