Schon wieder hat ein neues Jahr begonnen – schon wieder gab es in den letzten Wochen musikalische Jahresbestenlisten auf die Ohren, so weit das Auge reicht. Ob generell Musik oder "nur" Rap, ob Alben oder Tracks – alles wurde rauf und runter bewertet, als gäb's kein Morgen mehr. Da machen wir natürlich mit! … kleiner Scherz. Aber: Über manche Songs und Alben möchten wir doch noch ein paar Worte verlieren. Musikalische Werke, die uns im vergangenen Jahr im Bereich Rap, vornehmlich deutschem Rap, begeistert und beeindruckt haben. Die in uns etwas ausgelöst und uns bewegt haben. Oder die wir aus irgendeinem weiteren Grund, den wir Euch gerne verraten, noch einmal besonders hervorheben möchten. In diesem Sinne: Vorhang auf für unseren Jahresrückblick, verpackt in die schöne Hülle des musikalischen MZEE Recaps 2025.
Ich lass' mir nix sagen von 'nem Stefan, Oida, fix nicht.
Sitz' in teuren Autos, hier sind Fensterscheiben blickdicht.
Eli Preiss polarisiert auf den ersten Blick. Optisch könnte man sie nicht erst seit ihrem VOGUE-Editorial als neues Popsternchen einordnen, doch musikalisch setzt die Wienerin seit Jahren eigene Maßstäbe. Mit der "SIE!"-EP unterstreicht sie erneut, warum sie zu den vielseitigsten Musiker:innen in der deutschsprachigen Szene gehört: Sie singt und rappt, jeder Track der EP stammt von einem anderen Produzenten, doch ihr smoother, atmosphärischer Stil bleibt unverwechselbar.
Die EP startet mit "Weck mich", einem nachdenklichen Track, der die Erfolge und Zweifel der letzten Jahre verarbeitet. Auch "Wimpernschlag" zeigt ihre dunkle, introspektive Seite, indem sie Beziehungserfahrungen auf melancholischen Synthies und dunklen Bässen verpackt. Doch "SIE!" kann auch anders: "Bussi" ist eine Hymne auf Freundschaft und Sisterhood, ein Track, der klar macht, dass sie sich von äußeren Urteilen – besonders denen von Männern – nicht beeindrucken lässt. Der Beat von Endzone ist eingängig, fast euphorisch, und gibt gemeinsam mit ihrer Stimme Disney-Vibes. Auch auf "Sailor Moon" mit makko geht es um Party und die Freude am Dummgehen, bevor die EP mit "Glückssträhne" endet. Einem optimistischen Ausblick, in dem Eli Preiss ihre Zufriedenheit mit dem aktuellen Stand ihrer Kunst ausdrückt, aber auch kritisch reflektiert, was sie nervt: "Sie nennen Frau'n Industry-Plants, wenn es läuft. Ihr seid Girl's-Girls, außer bei ihr läuft mehr als bei euch. Ich bin independent, schreib' die Texte selbst. Mach' kein Feature für den Fame, feature nur, wenn's mir gefällt."
Die "SIE!"-EP ist für mich eine klare, runde Ansage: Eli Preiss bewegt sich weiterhin souverän zwischen Genres, ohne sich festzulegen – sie bleibt authentisch und technisch stark. Nachdem man in ihrem TikTok-Adventskalender Einblicke erhalten hat, welche Perlen an Songs noch auf ihrer Festplatte lagern, bin ich umso gespannter, was uns 2026 erwartet.
(Kerstin Klein)