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MZEE Recap 2025: #10 "Let God Sort Em Out" von Clipse

2025 ist vor­bei, aber man­che Tracks und Alben blei­ben uns im Gedächt­nis – und in unse­ren Play­lists. Im MZEE Recap 2025 stel­len wir Euch noch mal musi­ka­li­sche Wer­ke vor, die uns beson­ders beein­druckt haben. Heu­te: "Let God Sort Em Out" von Clipse.

Schon wie­der hat ein neu­es Jahr begon­nen – schon wie­der gab es in den letz­ten Wochen musi­ka­li­sche Jah­res­bes­ten­lis­ten auf die Ohren, so weit das Auge reicht. Ob gene­rell Musik oder "nur" Rap, ob Alben oder Tracks – alles wur­de rauf und run­ter bewer­tet, als gäb's kein Mor­gen mehr. Da machen wir natür­lich mit! … klei­ner Scherz. Aber: Über man­che Songs und Alben möch­ten wir doch noch ein paar Wor­te ver­lie­ren. Musi­ka­li­sche Wer­ke, die uns im ver­gan­ge­nen Jahr im Bereich Rap, vor­nehm­lich deut­schem Rap, begeis­tert und beein­druckt haben. Die in uns etwas aus­ge­löst und uns bewegt haben. Oder die wir aus irgend­ei­nem wei­te­ren Grund, den wir Euch ger­ne ver­ra­ten, noch ein­mal beson­ders her­vor­he­ben möch­ten. In die­sem Sin­ne: Vor­hang auf für unse­ren Jah­res­rück­blick, ver­packt in die schö­ne Hül­le des musi­ka­li­schen MZEE Recaps 2025.

 

The birds don't sing, they screech in pain, pain.

Wäh­rend ich stets mein Ohr am Puls der Zeit habe und wirk­lich die nischigs­ten EPs aus der Releas­e­flut her­vor­ho­le, bin ich auf der ande­ren Sei­te manch­mal echt nicht ganz im Bil­de, was die wirk­li­chen Klas­si­ker angeht. Klar ver­su­che ich ste­tig, wich­ti­ge Releases der HipHop-​Geschichte auf­zu­ho­len. Aber manch­mal braucht es eben etwas Aktu­el­les, um mich auf den Trich­ter zu brin­gen. So wie letz­tes Jahr etwa Clip­se mit ihrem gro­ßen Come­back "Let God Sort Em Out". Denn, ja: "Hell Hath No Fury" steht – lei­der – nicht in mei­ner Plat­ten­samm­lung. Da ich es bis 2025 noch nie gehört hatte.

Das jüngs­te Album der Crew beginnt direkt mit einem Song, der mich nach ein­ge­hen­der Beschäf­ti­gung mit dem Inhalt immer noch regel­mä­ßig zu Trä­nen rührt. Wie die bei­den Brü­der auf "The Birds Don't Sing" den Tod ihrer Eltern schil­dern sowie ihre letz­ten Momen­te mit ihnen, ist nicht nur sehr emo­tio­nal erzählt, son­dern auch thea­tra­lisch pas­send in Musik ver­packt. Die orches­tra­le Instru­men­ta­ti­on in Ver­bin­dung mit der Hook von John Legend, wel­che am Ende noch durch den Chor Voices of Fire inten­si­viert wird, dürf­ten nie­man­den so leicht kalt las­sen. Klar, die­ser emo­tio­na­le Start weicht dann schnell den klas­si­schen Clip­se-Inhal­ten von Koks-​Referenzen und Lines gegen die unter­le­ge­ne Kon­kur­renz. Doch auch das wird kein Stück lang­wei­lig. Äußerst abwechs­lungs­rei­che, monu­men­ta­le Beats, auf denen Pro­du­zent Phar­rell Wil­liams stets noch einen mehr drauf­packt, als nötig wäre, und Fea­ture­gäs­te der frü­he­ren Zeit und der heu­ti­gen Eli­te tra­gen hier enorm zur Abwechs­lung bei. Das Album ist so facet­ten­reich und detail­ver­liebt, ich könn­te eine gan­ze Repor­ta­ge dar­über schreiben.

Und so hat mich die­ser abso­lu­te Ban­ger von einem Come­back end­lich dazu gebracht, die kom­plet­te Dis­ko­gra­fie der Thorn­ton-Brü­der – solo wie gemein­sam als Clip­se – end­lich nach­zu­ho­len. Denn ver­dammt, wie kann man nach 15 Jah­ren Aus­zeit zurück­kom­men und mit über 50 ein­fach das Album des Jah­res drop­pen? Wäh­rend ande­re Rapper:innen in dem Alter ihrer frü­he­ren Form hin­ter­her­ren­nen, klingt "Let God Sort Em Out" frisch wie am ers­ten Tag. Und macht noch mas­siv Lust auf mehr bei so viel Hun­ger, wie die bei­den ausstrahlen.

(Lukas Päck­ert)