Schon wieder hat ein neues Jahr begonnen – schon wieder gab es in den letzten Wochen musikalische Jahresbestenlisten auf die Ohren, so weit das Auge reicht. Ob generell Musik oder "nur" Rap, ob Alben oder Tracks – alles wurde rauf und runter bewertet, als gäb's kein Morgen mehr. Da machen wir natürlich mit! … kleiner Scherz. Aber: Über manche Songs und Alben möchten wir doch noch ein paar Worte verlieren. Musikalische Werke, die uns im vergangenen Jahr im Bereich Rap, vornehmlich deutschem Rap, begeistert und beeindruckt haben. Die in uns etwas ausgelöst und uns bewegt haben. Oder die wir aus irgendeinem weiteren Grund, den wir Euch gerne verraten, noch einmal besonders hervorheben möchten. In diesem Sinne: Vorhang auf für unseren Jahresrückblick, verpackt in die schöne Hülle des musikalischen MZEE Recaps 2025.
Hausverbot, schmeiß die Nazis raus, schlag die Nazi-Sau.
Mach sie kaputt, das ist unser Haus, das ist unser Club.
Für mich ist "HAUSVERBOT" die Hymne des Jahres: mitgrölen und sich unter Gleichgesinnten fühlen. Nach "Bauchnabelpiercing" lieferte die $ONO$ CLIQ – passenderweise kurz vor den Bundestagswahlen im Februar – den nächsten Banger. Wieder handelte es sich um einen Partysong. Dieses Mal mit der eindeutigen Absicht, Nazis auszuschließen und ihnen ein Hausverbot zu erteilen.
Reichlich verkürzt und teilweise sehr plakativ wird im Text zwischen Freund:in und Feind:in unterschieden. Beispielsweise heißt es da: "Mehmet ist auf Arbeit, Detlef ist auf Crack." Das gängige Stereotyp vom Asylanten, der dem deutschen Detlef den Job weggenommen hat, wird noch einmal zugespitzt. Detlefs Drogensucht wird passenderweise als Schlussfolgerung daraus dargestellt. So leicht ist es nicht? Na ja, ich würde meinen, wir sehen eine bisweilen ins Aggressive umschlagende, ironische Haltung gegenüber rassistischen Aussagen, die nicht nur von ganz rechts kommen, sondern gerne auch mal aus der gesellschaftlichen Mitte. Vielleicht lege ich Radik Gee und Jonko2x zu viel meiner Interpretation in den Mund, aber so ist das eben bei Hymnen: Jede:r hat eine eigene Auslegung der eingängigen Songzeilen. Womit ich nicht ganz einverstanden bin, ist, das Problem aus Aachen, der Heimatstadt der Crew, mal eben 500 Kilometer Luftlinie in den Osten zu verschieben. Klar ist was dran, die AfD hat in meinem Wahlkreis (Ost) bei besagter Wahl 29,9 Prozent für die Erststimme bekommen. Aber hey: Lasst uns doch bitte zusammen dagegenhalten. So wie im Video zu "HAUSVERBOT", in dem neben den "motivierten Atzen" selbst auch unzählige prominente Mitstreiter:innen des Kalibers BHZ, OG LU oder Apsilon mitmischen. Zunächst irritiert es zwar, dass die Welt hier, entgegen der im Song proklamierten Parole "Wer blau wählt, wählt dumm. Meine Welt bleibt kunterbunt", schwarz-weiß ist – doch unterstreicht die gewählte Farbästhetik, gepaart mit den düsteren Blicken und den obligatorischen Mittelfingern, den Ernst der Lage.
So streitbar politische Partysongs auch sein mögen – in der Verkürzung steckt oft die Gefahr –, so gerne habe auch ich in diesem Jahr mehrfach zu "HAUSVERBOT" mitgegrölt und mich dabei ziemlich wohl gefühlt.
(Christina Jeiter)