Kategorien
Special

MZEE Recap 2025: #09 "HAUSVERBOT" von $ONO$ CLIQ

2025 ist vor­bei, aber man­che Tracks und Alben blei­ben uns im Gedächt­nis – und in unse­ren Play­lists. Im MZEE Recap 2025 stel­len wir Euch noch mal musi­ka­li­sche Wer­ke vor, die uns beson­ders beein­druckt haben. Heu­te: "HAUSVERBOT" von $ONO$ CLIQ.

Schon wie­der hat ein neu­es Jahr begon­nen – schon wie­der gab es in den letz­ten Wochen musi­ka­li­sche Jah­res­bes­ten­lis­ten auf die Ohren, so weit das Auge reicht. Ob gene­rell Musik oder "nur" Rap, ob Alben oder Tracks – alles wur­de rauf und run­ter bewer­tet, als gäb's kein Mor­gen mehr. Da machen wir natür­lich mit! … klei­ner Scherz. Aber: Über man­che Songs und Alben möch­ten wir doch noch ein paar Wor­te ver­lie­ren. Musi­ka­li­sche Wer­ke, die uns im ver­gan­ge­nen Jahr im Bereich Rap, vor­nehm­lich deut­schem Rap, begeis­tert und beein­druckt haben. Die in uns etwas aus­ge­löst und uns bewegt haben. Oder die wir aus irgend­ei­nem wei­te­ren Grund, den wir Euch ger­ne ver­ra­ten, noch ein­mal beson­ders her­vor­he­ben möch­ten. In die­sem Sin­ne: Vor­hang auf für unse­ren Jah­res­rück­blick, ver­packt in die schö­ne Hül­le des musi­ka­li­schen MZEE Recaps 2025.

 

Haus­ver­bot, schmeiß die Nazis raus, schlag die Nazi-Sau.
Mach sie kaputt, das ist unser Haus, das ist unser Club.

Für mich ist "HAUSVERBOT" die Hym­ne des Jah­res: mit­grö­len und sich unter Gleich­ge­sinn­ten füh­len. Nach "Bauch­na­bel­pier­cing" lie­fer­te die $ONO$ CLIQ – pas­sen­der­wei­se kurz vor den Bun­des­tags­wah­len im Febru­ar – den nächs­ten Ban­ger. Wie­der han­del­te es sich um einen Par­ty­song. Die­ses Mal mit der ein­deu­ti­gen Absicht, Nazis aus­zu­schlie­ßen und ihnen ein Haus­ver­bot zu erteilen.

Reich­lich ver­kürzt und teil­wei­se sehr pla­ka­tiv wird im Text zwi­schen Freund:in und Feind:in unter­schie­den. Bei­spiels­wei­se heißt es da: "Meh­met ist auf Arbeit, Det­lef ist auf Crack." Das gän­gi­ge Ste­reo­typ vom Asy­lan­ten, der dem deut­schen Det­lef den Job weg­ge­nom­men hat, wird noch ein­mal zuge­spitzt. Det­lefs Dro­gen­sucht wird pas­sen­der­wei­se als Schluss­fol­ge­rung dar­aus dar­ge­stellt. So leicht ist es nicht? Na ja, ich wür­de mei­nen, wir sehen eine bis­wei­len ins Aggres­si­ve umschla­gen­de, iro­ni­sche Hal­tung gegen­über ras­sis­ti­schen Aus­sa­gen, die nicht nur von ganz rechts kom­men, son­dern ger­ne auch mal aus der gesell­schaft­li­chen Mit­te. Viel­leicht lege ich Radik Gee und Jonko2x zu viel mei­ner Inter­pre­ta­ti­on in den Mund, aber so ist das eben bei Hym­nen: Jede:r hat eine eige­ne Aus­le­gung der ein­gän­gi­gen Songzei­len. Womit ich nicht ganz ein­ver­stan­den bin, ist, das Pro­blem aus Aachen, der Hei­mat­stadt der Crew, mal eben 500 Kilo­me­ter Luft­li­nie in den Osten zu ver­schie­ben. Klar ist was dran, die AfD hat in mei­nem Wahl­kreis (Ost) bei besag­ter Wahl 29,9 Pro­zent für die Erst­stim­me bekom­men. Aber hey: Lasst uns doch bit­te zusam­men dage­gen­hal­ten. So wie im Video zu "HAUSVERBOT", in dem neben den "moti­vier­ten Atzen" selbst auch unzäh­li­ge pro­mi­nen­te Mitstreiter:innen des Kali­bers BHZOG LU oder Apsi­lon mit­mi­schen. Zunächst irri­tiert es zwar, dass die Welt hier, ent­ge­gen der im Song pro­kla­mier­ten Paro­le "Wer blau wählt, wählt dumm. Mei­ne Welt bleibt kun­ter­bunt", schwarz-​weiß ist – doch unter­streicht die gewähl­te Farb­äs­the­tik, gepaart mit den düs­te­ren Bli­cken und den obli­ga­to­ri­schen Mit­tel­fin­gern, den Ernst der Lage.

So streit­bar poli­ti­sche Par­ty­songs auch sein mögen – in der Ver­kür­zung steckt oft die Gefahr –, so ger­ne habe auch ich in die­sem Jahr mehr­fach zu "HAUSVERBOT" mit­ge­grölt und mich dabei ziem­lich wohl gefühlt.

(Chris­ti­na Jeiter)