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Kommentar

J Dilla: ein Nachruf

An die­ser Stel­le möch­ten wir an den Pro­du­cer und Rap­per J Dil­la erin­nern, der am 10. Febru­ar 2006 von uns gegan­gen ist. Der Musi­ker prägt und inspi­riert bis heu­te mit sei­nem Sound die HipHop-Welt.

My boy brought a sound sys­tem and some vinyl through.
So I was in the hos­pi­tal making beats.

2026 jährt sich der Todes­tag von James Dewitt Yan­cey, bes­ser bekannt unter sei­nem Künst­ler­na­men J Dil­la, bereits zum 20. Mal. An sei­nem Bei­spiel zeigt sich bis heu­te, dass die Musik und die Lega­cy von Künstler:innen eine unfass­ba­re Lang­le­big­keit haben kön­nen. Immer wie­der begeg­nen uns Refe­ren­zen und Hul­di­gun­gen an den Pro­du­zen­ten und Fans spre­chen nicht ohne Grund von einem soge­nann­ten Dilla-​Sound, den ver­schie­dens­te Artists bis heu­te nach­emp­fin­den und weiterführen.

Doch gehen wir erst mal einen Schritt zurück: Der 1974 gebo­re­ne Pro­du­cer stamm­te aus Detroit, dem Ort, in dem 1993 auch sein ers­ter Release ver­öf­fent­licht wur­de: "The '#1' (Remix)" von A Tri­be Cal­led Quest. Von hier star­te­te eine musi­ka­li­sche Rei­se, die kaum voll­stän­dig in einem Arti­kel erzählt wer­den kann. Ich wer­de daher hier ledig­lich eini­ge – aus mei­ner Per­spek­ti­ve – her­aus­ra­gen­de Arbei­ten von Jay Dee erwäh­nen. Für eine mög­lichst umfas­sen­de Auf­füh­rung sei­ner Ver­öf­fent­li­chun­gen emp­feh­le ich die Lek­tü­re der Bio­gra­phie "Dil­la Time" von Dan Charnas.

Neben eini­gen Pro­duk­tio­nen für A Tri­be Cal­led Quest und einer zwi­schen­zeit­lich engen Zusam­men­ar­beit mit Q-​Tip und Ali Shaheed Muham­mad unter dem Pseud­onym "The Ummah" pro­du­zier­te Dil­la eini­ge Clas­sics der 90er Jah­re: "Run­nin'" und "Drop" für The Phar­cy­de, "Sta­kes is High" für De La Soul oder "Still Shi­ning" von Bus­ta Rhy­mes. Im sel­ben Zeit­raum grün­de­te er gemein­sam mit Baa­tin und T3 die Grup­pe Slum Vil­la­ge, in der J Dil­la sowohl Pro­du­cer als auch Rap­per war. Die Grup­pe ist auch nach den Toden von Dil­la und Baa­tin wei­ter­hin aktiv und besteht aktu­ell aus T3, Young RJ und Illa J, dem jün­ge­ren Bru­der von Jay Dee.

Auch Anfang der 2000er war der Pro­du­cer an vie­len Pro­jek­ten betei­ligt, die zum Teil auch den typi­schen Rap-​Rahmen spreng­ten: Gemein­sam mit Ery­kah Badu ent­stand der Song "Didn't Cha Know", vie­le Beats des Common-​Klassikers "Like Water For Cho­co­la­te" stam­men von ihm und für Guru und Bil­al ent­stand das Instru­men­tal für "Cer­ti­fied".

Jay Dil­la hat­te aber auch eine eige­ne künst­le­ri­sche Visi­on und arbei­te­te an eige­nen Pro­jek­ten und Alben. Releases, die heu­te als Klas­si­ker des Gen­res gel­ten: 2001 ver­öf­fent­lich­te er "Wel­co­me 2 Detroit" noch als Jay Dee und 2006 "Donuts", wel­ches kurz vor sei­nem Tod erschien. Im sel­ben Jahr wur­de dann post­hum "The Shi­ning" releast, wel­ches allein durch das unver­kenn­ba­re Cover der Rap-​Welt im Gedächt­nis bleibt. Mit "The Dia­ry" ver­öf­fent­lich­te man zehn Jah­re nach sei­nem Tod ein Werk, das heu­te als fina­les Stu­dio­al­bum von J Dil­la betrach­tet wird und ursprüng­lich bereits 2002 hät­te erschei­nen sollen.

All die­se Ver­öf­fent­li­chun­gen bil­den nur einen klei­nen Aus­schnitt des Schaf­fens von James Dewitt Yan­cey, der sowohl in der Musik­in­dus­trie als auch abseits davon mit vie­len Pro­ble­men zu kämp­fen hat­te. Egal ob auf beruf­li­cher oder pri­va­ter Ebe­ne, J Dil­la eck­te oft an und war in zwi­schen­mensch­li­chen Bezie­hun­gen sicher­lich nicht feh­ler­frei, zumin­dest wenn man den vie­len Berich­ten aus sei­nem fami­liä­ren Umfeld und Bio­gra­fien Glau­ben schen­ken mag. Dies zei­gen allein sein oft­mals schwie­ri­ges Ver­hält­nis zu Frau­en – auch in sei­ner Fami­lie –, sein zwi­schen­zeit­lich schlech­ter Umgang mit Alko­hol sowie die häu­fi­gen Label­wech­sel wäh­rend sei­ner Karriere.

Trotz die­ser Pro­ble­me ist Jay Dee bis heu­te einer der fas­zi­nie­rends­ten Cha­rak­te­re des HipHop-​Kosmos. Nicht zuletzt, weil er auch noch nach sei­ner schwe­ren Dia­gno­se Lupus und zuneh­men­den Erkran­kun­gen – unter ande­rem einer dar­aus resul­tie­ren­den Blut­krank­heit und Nie­ren­ver­sa­gen – wei­ter­hin Musik pro­du­zier­te und sogar im Roll­stuhl auf Tour ging. J Dil­la leb­te für Musik und das bis zur letz­ten Sekunde.

Auch heu­te noch berich­ten unzäh­li­ge Per­sön­lich­kei­ten über ihre gemein­sa­men Erfah­run­gen und was sie mit sei­ner Musik ver­bin­den. So zum Bei­spiel Afrob und Samy Delu­xe: Laut ASD ist die Stu­dio­ses­si­on mit J Dil­la und die dabei ent­stan­de­ne Musik eines der größ­ten Kar­rie­re­high­lights. Unzäh­li­ge inter­na­tio­na­le Künstler:innen pro­du­zier­ten zudem Tribute-​Songs für Dil­la. Die Mut­ter des Pro­du­cers, Mau­re­en Yancey-​Smith, grün­de­te kurz nach sei­nem Tod am 10. Febru­ar 2006, die "James Dewitt Yan­cey Foun­da­ti­on". Die­se setzt sich unter ande­rem für die kul­tu­rel­le und musi­ka­li­sche Bil­dung von Kin­dern ein. Außer­dem fin­det jedes Jahr am 07.02., dem Geburts­tag des Künst­lers, der "Dil­la Day" statt – ein Fest, um das Werk und die Musik von ihm zu zele­brie­ren. Denn schließ­lich ist das genau das, was Jay Dee immer gewollt hat: "It's a bles­sing to be out here right now, brin­ging you this cele­bra­ti­on."

(Alec Weber)
(Gra­fik von Anna Koptenko)