My boy brought a sound system and some vinyl through.
So I was in the hospital making beats.
2026 jährt sich der Todestag von James Dewitt Yancey, besser bekannt unter seinem Künstlernamen J Dilla, bereits zum 20. Mal. An seinem Beispiel zeigt sich bis heute, dass die Musik und die Legacy von Künstler:innen eine unfassbare Langlebigkeit haben können. Immer wieder begegnen uns Referenzen und Huldigungen an den Produzenten und Fans sprechen nicht ohne Grund von einem sogenannten Dilla-Sound, den verschiedenste Artists bis heute nachempfinden und weiterführen.
Doch gehen wir erst mal einen Schritt zurück: Der 1974 geborene Producer stammte aus Detroit, dem Ort, in dem 1993 auch sein erster Release veröffentlicht wurde: "The '#1' (Remix)" von A Tribe Called Quest. Von hier startete eine musikalische Reise, die kaum vollständig in einem Artikel erzählt werden kann. Ich werde daher hier lediglich einige – aus meiner Perspektive – herausragende Arbeiten von Jay Dee erwähnen. Für eine möglichst umfassende Aufführung seiner Veröffentlichungen empfehle ich die Lektüre der Biographie "Dilla Time" von Dan Charnas.
Neben einigen Produktionen für A Tribe Called Quest und einer zwischenzeitlich engen Zusammenarbeit mit Q-Tip und Ali Shaheed Muhammad unter dem Pseudonym "The Ummah" produzierte Dilla einige Classics der 90er Jahre: "Runnin'" und "Drop" für The Pharcyde, "Stakes is High" für De La Soul oder "Still Shining" von Busta Rhymes. Im selben Zeitraum gründete er gemeinsam mit Baatin und T3 die Gruppe Slum Village, in der J Dilla sowohl Producer als auch Rapper war. Die Gruppe ist auch nach den Toden von Dilla und Baatin weiterhin aktiv und besteht aktuell aus T3, Young RJ und Illa J, dem jüngeren Bruder von Jay Dee.
Auch Anfang der 2000er war der Producer an vielen Projekten beteiligt, die zum Teil auch den typischen Rap-Rahmen sprengten: Gemeinsam mit Erykah Badu entstand der Song "Didn't Cha Know", viele Beats des Common-Klassikers "Like Water For Chocolate" stammen von ihm und für Guru und Bilal entstand das Instrumental für "Certified".
Jay Dilla hatte aber auch eine eigene künstlerische Vision und arbeitete an eigenen Projekten und Alben. Releases, die heute als Klassiker des Genres gelten: 2001 veröffentlichte er "Welcome 2 Detroit" noch als Jay Dee und 2006 "Donuts", welches kurz vor seinem Tod erschien. Im selben Jahr wurde dann posthum "The Shining" releast, welches allein durch das unverkennbare Cover der Rap-Welt im Gedächtnis bleibt. Mit "The Diary" veröffentlichte man zehn Jahre nach seinem Tod ein Werk, das heute als finales Studioalbum von J Dilla betrachtet wird und ursprünglich bereits 2002 hätte erscheinen sollen.
All diese Veröffentlichungen bilden nur einen kleinen Ausschnitt des Schaffens von James Dewitt Yancey, der sowohl in der Musikindustrie als auch abseits davon mit vielen Problemen zu kämpfen hatte. Egal ob auf beruflicher oder privater Ebene, J Dilla eckte oft an und war in zwischenmenschlichen Beziehungen sicherlich nicht fehlerfrei, zumindest wenn man den vielen Berichten aus seinem familiären Umfeld und Biografien Glauben schenken mag. Dies zeigen allein sein oftmals schwieriges Verhältnis zu Frauen – auch in seiner Familie –, sein zwischenzeitlich schlechter Umgang mit Alkohol sowie die häufigen Labelwechsel während seiner Karriere.
Trotz dieser Probleme ist Jay Dee bis heute einer der faszinierendsten Charaktere des HipHop-Kosmos. Nicht zuletzt, weil er auch noch nach seiner schweren Diagnose Lupus und zunehmenden Erkrankungen – unter anderem einer daraus resultierenden Blutkrankheit und Nierenversagen – weiterhin Musik produzierte und sogar im Rollstuhl auf Tour ging. J Dilla lebte für Musik und das bis zur letzten Sekunde.
Auch heute noch berichten unzählige Persönlichkeiten über ihre gemeinsamen Erfahrungen und was sie mit seiner Musik verbinden. So zum Beispiel Afrob und Samy Deluxe: Laut ASD ist die Studiosession mit J Dilla und die dabei entstandene Musik eines der größten Karrierehighlights. Unzählige internationale Künstler:innen produzierten zudem Tribute-Songs für Dilla. Die Mutter des Producers, Maureen Yancey-Smith, gründete kurz nach seinem Tod am 10. Februar 2006, die "James Dewitt Yancey Foundation". Diese setzt sich unter anderem für die kulturelle und musikalische Bildung von Kindern ein. Außerdem findet jedes Jahr am 07.02., dem Geburtstag des Künstlers, der "Dilla Day" statt – ein Fest, um das Werk und die Musik von ihm zu zelebrieren. Denn schließlich ist das genau das, was Jay Dee immer gewollt hat: "It's a blessing to be out here right now, bringing you this celebration."
(Alec Weber)
(Grafik von Anna Koptenko)