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MZEE Recap 2025: #03 "Live in der Staatsoper" von Tua

2025 ist vor­bei, aber man­che Tracks und Alben blei­ben uns im Gedächt­nis – und in unse­ren Play­lists. Im MZEE Recap 2025 stel­len wir Euch noch mal musi­ka­li­sche Wer­ke vor, die uns beson­ders beein­druckt haben. Heu­te: "Live in der Staats­oper" von Tua.

Schon wie­der hat ein neu­es Jahr begon­nen – schon wie­der gab es in den letz­ten Wochen musi­ka­li­sche Jah­res­bes­ten­lis­ten auf die Ohren, so weit das Auge reicht. Ob gene­rell Musik oder "nur" Rap, ob Alben oder Tracks – alles wur­de rauf und run­ter bewer­tet, als gäb's kein Mor­gen mehr. Da machen wir natür­lich mit! … klei­ner Scherz. Aber: Über man­che Songs und Alben möch­ten wir doch noch ein paar Wor­te ver­lie­ren. Musi­ka­li­sche Wer­ke, die uns im ver­gan­ge­nen Jahr im Bereich Rap, vor­nehm­lich deut­schem Rap, begeis­tert und beein­druckt haben. Die in uns etwas aus­ge­löst und uns bewegt haben. Oder die wir aus irgend­ei­nem wei­te­ren Grund, den wir Euch ger­ne ver­ra­ten, noch ein­mal beson­ders her­vor­he­ben möch­ten. In die­sem Sin­ne: Vor­hang auf für unse­ren Jah­res­rück­blick, ver­packt in die schö­ne Hül­le des musi­ka­li­schen MZEE Recaps 2025.

 

Lass mich ein­fach der sein, der ich sein will.

Ein lei­ser, wabern­der Syn­thie beglei­tet einen kraft­vol­len Bass­ton und lang­sam über­tönt die Musik das Jubeln der Men­schen an jenem Juni­abend in Stutt­gart. Indess eröff­net ein Mann sei­ne Show, der eher fremd­ar­tig auf der klassisch-​ehrwürdigen Büh­ne der Staats­oper wirkt. Fern­ab von Otel­lo, Don Gio­van­ni und der Zau­ber­flö­te erobert an die­sem Abend näm­lich ein Rap­per das Opernhaus.

Drei Mona­te spä­ter erscheint Tuas Album "Live in der Staats­oper", auf­ge­zeich­net an eben­je­nem Abend in sei­ner Hei­mat. Der Reut­lin­ger arran­gier­te für die­ses beson­de­re Kon­zert eini­ge sei­ner Songs kom­plett neu als "Operdub" – her­aus kamen dem­nach Adap­tio­nen sei­ner bekann­tes­ten Songs in klas­si­scher Opern­ma­nier. Die Ergeb­nis­se sind expe­ri­men­tel­le, neue Sound­kon­zep­te, die teils minu­ten­lang ohne die Stim­me des Musi­kers aus­kom­men oder völ­lig neue Wege ein­schla­gen. So wur­den bei­spiels­wei­se das Intro des Orsons-Songs "Lager­hal­le" und die Con­tem­po­ra­ry Dance-​Variante von "Wer­be­mäd­chen" neu insze­niert. Was alle Tracks gemein haben, ist ihr Mini­ma­lis­mus: Trotz der impo­san­ten Büh­ne arbei­tet der Pro­du­zent wei­ter­hin mit klei­nem Besteck, vie­len Syn­the­si­zern und nicht, wie man in einer Opern-​Aufnahme ver­mu­ten wür­de, mit Orchesterklängen.

"Live in der Staats­oper" star­tet mit einer opern­ar­ti­gen Adap­ti­on von "Wer ich sein will", in der Tua selbst for­dert, so sein zu dür­fen, wie er möch­te – und die­sem Wunsch an sich selbst kommt der Reut­lin­ger in jeder Sekun­de der Show nach. Tua ent­wi­ckelt sei­ne eige­nen, teils über 15 Jah­re alten Klas­si­ker wie "MDMA" strin­gent wei­ter, passt sie für die Opern-​Bühne an und schafft damit ein Werk, das so expe­ri­men­tier­freu­dig daher­kommt, dass es fast scha­de wäre, wür­de es in der Mas­se des Ein­heits­breis "ver­lo­ren gehen".

(Sven Aum­il­ler)