Schon wieder hat ein neues Jahr begonnen – schon wieder gab es in den letzten Wochen musikalische Jahresbestenlisten auf die Ohren, so weit das Auge reicht. Ob generell Musik oder "nur" Rap, ob Alben oder Tracks – alles wurde rauf und runter bewertet, als gäb's kein Morgen mehr. Da machen wir natürlich mit! … kleiner Scherz. Aber: Über manche Songs und Alben möchten wir doch noch ein paar Worte verlieren. Musikalische Werke, die uns im vergangenen Jahr im Bereich Rap, vornehmlich deutschem Rap, begeistert und beeindruckt haben. Die in uns etwas ausgelöst und uns bewegt haben. Oder die wir aus irgendeinem weiteren Grund, den wir Euch gerne verraten, noch einmal besonders hervorheben möchten. In diesem Sinne: Vorhang auf für unseren Jahresrückblick, verpackt in die schöne Hülle des musikalischen MZEE Recaps 2025.
Randale vor Boutiquen, ich kann gar nichts finanzieren;
Kann die Fahne nicht kaschieren, deshalb Arbeitsplatz verlieren.
Ihr wollt mit Mieten abkassieren und mit Nazis diskutieren.
Niemals wahren wir den Frieden – Randale vor Boutiquen.
Teuterekordz gehört für mich aus verschiedenen Gründen zu den spannendsten Rap-Crews des Landes. Die Berliner haben einen hohen musikalischen Output, touren regelmäßig durch die Republik und erfinden sich soundmäßig immer wieder neu. Auch 2025 hatten Fans allen Grund zur Freude. Neben diversen EPs, Soloprojekten und Features erschien ein weiteres gemeinsames Album von Dispo, Eddy-T, Lucky, Modus, Sechser und ihrem Produzenten Arkona: "Club28".
Die Platte wurde am 26. September releast und lieferte den perfekten Soundtrack für die letzten warmen Nächte des Jahres. Zwischen Partyatmosphäre und Randalestimmung finden sich darauf in typischer Teute-Manier auch melancholische Klänge, deepe Lines und politische Statements. "Club28" erzählt aus dem Leben einiger Jungs aus Prenzlauer Berg, die sich teils seit Kindheitstagen kennen und die Entwicklungen um sich herum mit kritischem Blick beobachten. So geht es etwa um die Schattenseiten exzessiven Drogenkonsums, die Gentrifizierung ihres geliebten Viertels rund um den Teutoburger Platz und den politischen Rechtsruck in Deutschland. Die Rapper greifen diese Themen pointiert auf und verpacken sie in lebendige, ehrliche Songs. Das Ergebnis ist ein Album, das nicht nur Spaß macht, sondern für mich das bisher stärkste Release der Gruppe markiert.
Auch für 2026 haben sich die Jungs von Teuterekordz scheinbar wieder einiges vorgenommen, denn die nächste – und laut eigener Aussage bisher größte – Tour steht bereits im Frühling an. Man darf gespannt sein, was die Berliner in Zukunft vorhaben.
(Enrico Gerharth)