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MZEE Recap 2025: #07 "CAN'T RUSH GREATNESS" von Central Cee

2025 ist vor­bei, aber man­che Tracks und Alben blei­ben uns im Gedächt­nis – und in unse­ren Play­lists. Im MZEE Recap 2025 stel­len wir Euch noch mal musi­ka­li­sche Wer­ke vor, die uns beson­ders beein­druckt haben. Heu­te: "CAN'T RUSH GREATNESS" von Cen­tral Cee.

Schon wie­der hat ein neu­es Jahr begon­nen – schon wie­der gab es in den letz­ten Wochen musi­ka­li­sche Jah­res­bes­ten­lis­ten auf die Ohren, so weit das Auge reicht. Ob gene­rell Musik oder "nur" Rap, ob Alben oder Tracks – alles wur­de rauf und run­ter bewer­tet, als gäb's kein Mor­gen mehr. Da machen wir natür­lich mit! … klei­ner Scherz. Aber: Über man­che Songs und Alben möch­ten wir doch noch ein paar Wor­te ver­lie­ren. Musi­ka­li­sche Wer­ke, die uns im ver­gan­ge­nen Jahr im Bereich Rap, vor­nehm­lich deut­schem Rap, begeis­tert und beein­druckt haben. Die in uns etwas aus­ge­löst und uns bewegt haben. Oder die wir aus irgend­ei­nem wei­te­ren Grund, den wir Euch ger­ne ver­ra­ten, noch ein­mal beson­ders her­vor­he­ben möch­ten. In die­sem Sin­ne: Vor­hang auf für unse­ren Jah­res­rück­blick, ver­packt in die schö­ne Hül­le des musi­ka­li­schen MZEE Recaps 2025.

 

I lived in the hood with the crackheads.
Now my neigh­bour is a Karen.

Cen­tral Cee fas­zi­niert mich. Und ich habe kei­ne Ahnung, war­um. Dicke Chains? Über­haupt nicht mein Geschmack, fin­de ich ziem­lich über­heb­lich. Hose unterm Arsch? So was von 2015 und gar nicht sexy. Sexis­ti­sche Text­pas­sa­gen? Schei­ße, kei­ne Fra­ge. Aber er scheint sich der Pro­ble­ma­tik sol­cher Zei­len bewusst zu sein – und macht das Gan­ze sehr elo­quent. Der Flow des Drill-​Künstlers ist unver­wech­sel­bar und oft schafft er es, dop­pel­te, drei­fa­che oder noch mehr Rei­me über einen gan­zen Ver­se hin­weg fort­zu­füh­ren, wie zum Bei­spiel auf dem Titel­song des Albums "CRG" fea­turing Dave, mit dem er 2023 bereits die sehr erfolg­rei­che EP "Split Decis­i­on" releast hat.

Viel­leicht ist es auch sei­ne Aus­strah­lung, die mich anzieht. Bei Promo-​Auftritten wirkt er oft mys­te­ri­ös und zurück­hal­tend, als lie­ße er lie­ber sei­ne Tex­te für sich spre­chen. Außer­dem zeigt er sich sowohl in Inter­views als auch in sei­nen Songs melan­cho­lisch und spricht mehr über Gefüh­le, als ich es von ande­ren Rapper:innen sei­ner Kate­go­rie – kras­ser Erfolg, ober­fläch­li­cher Klei­dungs­stil, har­te Beats und har­te Tex­te – ken­ne. In "Walk in Ward­ro­be" the­ma­ti­siert er sei­ne Ängs­te: "Got­ta lea­ve, I'm sor­ry I'm anxious". Und "Truth in the Lies", auf dem Ne-​Yos "So Sick" gesam­pelt wur­de, geht fast schon Rich­tung R 'n' B und ist ein sehr schö­ner Breakup-​Song (wenn da nicht das Lil Durk-​Feature wäre).

Trotz Cen­tral Cees enor­men kom­mer­zi­el­len Erfolgs ver­mit­telt er mir den Ein­druck, er sei boden­stän­dig geblie­ben: "I like regu­lar girls, we fucked in her par­ents' house. She's sur­pri­sed I remem­ber it well, 'cau­se I've been all over the world". Ob das nun Marketing-​Kalkül oder tat­säch­lich so ist, ist mir egal – bei mir funktioniert's.

(Emi­ly Niklas)