Schon wieder hat ein neues Jahr begonnen – schon wieder gab es in den letzten Wochen musikalische Jahresbestenlisten auf die Ohren, so weit das Auge reicht. Ob generell Musik oder "nur" Rap, ob Alben oder Tracks – alles wurde rauf und runter bewertet, als gäb's kein Morgen mehr. Da machen wir natürlich mit! … kleiner Scherz. Aber: Über manche Songs und Alben möchten wir doch noch ein paar Worte verlieren. Musikalische Werke, die uns im vergangenen Jahr im Bereich Rap, vornehmlich deutschem Rap, begeistert und beeindruckt haben. Die in uns etwas ausgelöst und uns bewegt haben. Oder die wir aus irgendeinem weiteren Grund, den wir Euch gerne verraten, noch einmal besonders hervorheben möchten. In diesem Sinne: Vorhang auf für unseren Jahresrückblick, verpackt in die schöne Hülle des musikalischen MZEE Recaps 2025.
Death – to all abusers: Die, die, die!
Das sitzt – und ist ein krasser Einstieg für bangerfabriques Debüt-EP. Während es in den restlichen Songs um weibliche Sexualität, Girlhood und selbstbestimmtes Feiern geht, ist der erste Track "CRASH OUT" eine klare Ansage an diejenigen in der Musikbranche, die Frauen belästigen, vergewaltigen oder als Mitwissende wegschauen. An Männer, die trotz ihres sexistischen Verhaltens weiterhin erfolgreich sind und Profit machen. Und an Menschen, die Frauen der Lüge bezichtigen, statt ihnen zu glauben: "Was willst du, ein Video? Willst du's sehen persönlich? Willst du gerne dabei sein? Du dreckiger Bastard."
Was mich außerdem an bangerfabrique begeistert, ist, dass es endlich wieder eine Rapgruppe gibt. Dazu zählen nicht nur die Rapperinnen emmamaelo, nebou und melle, sondern auch die DJs Schwesta Sehra und Roof sowie die Managerin Celia. In einer individualistischen, männerdominierten Gesellschaft und Rapwelt machen die sechs erstens deutlich, dass persönliche Entwicklung kein Gegensatz zu Kollektivität ist, sondern dass sich Kreativität in der Gemeinschaft potenziert. Zweitens verkörpern sie alles, wogegen unsere Popkultur in den letzten Jahrzehnten angekämpft hat: Dass Frauen zusammenhalten können und müssen, anstatt sich gegeneinander auszuspielen. Und dass Artists einfach nicht ohne ihre Producer:innen und ihr Management funktionieren und dieses Umfeld deswegen mindestens genauso viel Anerkennung verdient.
Ach ja, bangerfabrique macht auch einfach gute Mukke mit fetten 808s und Flows, die die Zuhörer:innen auf die nächste Party einstimmen. Deswegen: "Scheiß' auf das Uber, weil der Track holt mich ab."
(Emily Niklas)