Schon wieder hat ein neues Jahr begonnen – schon wieder gab es in den letzten Wochen musikalische Jahresbestenlisten auf die Ohren, so weit das Auge reicht. Ob generell Musik oder "nur" Rap, ob Alben oder Tracks – alles wurde rauf und runter bewertet, als gäb's kein Morgen mehr. Da machen wir natürlich mit! … kleiner Scherz. Aber: Über manche Songs und Alben möchten wir doch noch ein paar Worte verlieren. Musikalische Werke, die uns im vergangenen Jahr im Bereich Rap, vornehmlich deutschem Rap, begeistert und beeindruckt haben. Die in uns etwas ausgelöst und uns bewegt haben. Oder die wir aus irgendeinem weiteren Grund, den wir Euch gerne verraten, noch einmal besonders hervorheben möchten. In diesem Sinne: Vorhang auf für unseren Jahresrückblick, verpackt in die schöne Hülle des musikalischen MZEE Recaps 2025.
Und von diesen zehn Jahren hatte ich die letzten fünf kein' Spaß.
Denn Leben ist nicht immer funny, manchmal ist es einfach Leben.
New LGoony, who dis? Dass sich der Kölner Rapper musikalisch von seiner G.U.D.G.-Zeit wegentwickelt hat, war wirklich allerspätestens auf seinem Breakup-Album "sad sad story" von 2023 hörbar. Seitdem ist es wieder ruhiger um ihn geworden – bis zu diesem Sommer, in dem LGoony mit der Mini-EP "hot summer" die erste Musik einer neuen Ära releast hat.
Die zwei Singles "hot summer" und "sad sad delulu" sind nicht nur richtige Sommerhits, sondern aufgedreht, verspielt, einfach unbeschwert und Fun. Aus einer "sad sad story" wurde "sad sad delulu", aus Musik, die er sich von der Seele schreiben musste, wurde Musik, die er einfach macht, weil sie ihm Spaß macht. Das hört und spürt man. Musikalisch geht es einen großen Schritt in Richtung (Hyper-)Pop, die elektronischen Beats gehen ordentlich nach vorne. Dabei spiegeln Adlibs wie der ikonische "Hex Hex"-Sound von Bibi Blocksberg die Verspieltheit der Songs wider. Produziert wurden die Tracks wie so oft vom vielseitigen Producer Mary, der LGoony ungefähr seit "Frost Forever" von 2020 begleitet und meiner Meinung nach maßgeblich zu seiner musikalischen Entwicklung beigetragen hat. Aber wo Künstler:innen neue Wege gehen, sind unzufriedene Fans nicht weit: "Unangenehm", heißt es etwa in Deutschrap-Reddit-Foren. Man will den alten LGoony zurück. Genau diese Fans adressiert er in seinem unreleasten Track "nie wieder rap", der in seinem Twitch-Stream zu hören war. Hier schaut der Rapper auf fast ein halbes Leben Musikschaffen zurück und hält fest: "Ich bin nicht mehr derselbe wie früher." Der Track hat deswegen eine besonders starke Wirkung, weil er ohne Interpretationsspielraum einen direkten, ungeschönten Einblick in die Struggles des Kunstschaffenden gewährt – wer LGoony-Fan ist, weiß, wie besonders das ist.
Blickt man auf 2025 zurück, war das nicht das Jahr mit der meisten LGoony-Musik, aber vielleicht eines der wichtigsten für den Künstler. Ob das aufgedrehter Hyperpop, gut geflowter Realtalk oder Indie mit Countrygitarre ist – ich bin hyped für alles, was in dieser neuen LGoony-Ära veröffentlicht wird. Denn alles, was kommt, kommt aus dem richtigen Grund: Spaß am Musikmachen.
(Jakob Zimmermann)