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MZEE Recap 2025: #01 "assig aber cute" von OG LU

2025 ist vor­bei, aber man­che Tracks und Alben blei­ben uns im Gedächt­nis – und in unse­ren Play­lists. Im MZEE Recap 2025 stel­len wir Euch noch mal musi­ka­li­sche Wer­ke vor, die uns beson­ders beein­druckt haben. Heu­te: "assig aber cute" von OG LU.

Schon wie­der hat ein neu­es Jahr begon­nen – schon wie­der gab es in den letz­ten Wochen musi­ka­li­sche Jah­res­bes­ten­lis­ten auf die Ohren, so weit das Auge reicht. Ob gene­rell Musik oder "nur" Rap, ob Alben oder Tracks – alles wur­de rauf und run­ter bewer­tet, als gäb's kein Mor­gen mehr. Da machen wir natür­lich mit! … klei­ner Scherz. Aber: Über man­che Songs und Alben möch­ten wir doch noch ein paar Wor­te ver­lie­ren. Musi­ka­li­sche Wer­ke, die uns im ver­gan­ge­nen Jahr im Bereich Rap, vor­nehm­lich deut­schem Rap, begeis­tert und beein­druckt haben. Die in uns etwas aus­ge­löst und uns bewegt haben. Oder die wir aus irgend­ei­nem wei­te­ren Grund, den wir Euch ger­ne ver­ra­ten, noch ein­mal beson­ders her­vor­he­ben möch­ten. In die­sem Sin­ne: Vor­hang auf für unse­ren Jah­res­rück­blick, ver­packt in die schö­ne Hül­le des musi­ka­li­schen MZEE Recaps 2025.

 

Sie will nicht dein' Pul­li haben, weil sie trägt ein OG-Shirt.

Wenn man die Augen schließt, kann man sich die Sze­ne gut vor­stel­len: Regen pras­selt auf asphalt­graue Stra­ßen, im Hin­ter­grund die Wol­ken­krat­zer der Frank­fur­ter Sky­line. Die Stim­mung ist gedrückt, Zwei­fel und Ängs­te lie­gen in der Luft. OG LU rappt im "Intro" zu ihrem neu­en Album von ihrer Depres­si­on, aber auch von der Gemein­schaft im Gal­lus, ihrem Vier­tel. Doch die Frank­fur­ter Schnau­ze beweist immer wie­der, dass sie über ihren Tel­ler­rand hin­aus wahr­nimmt, was in Deutsch­land und welt­weit pas­siert: "Noch immer ficken sel­be Din­ge Kopf genau wie frü­her: Nazi-​Propaganda, Geno­zid in Paläs­ti­na". Sie posi­tio­niert sich nicht nur in den sozia­len Medi­en, son­dern auch in ihren Song­tex­ten klar pro­pa­läs­ti­nen­sisch und nimmt Cat­cal­ler und Nazis ordent­lich in die Man­gel. Dabei spürt man ihren Hass. Sie spuckt die Wor­te förm­lich aus, ihre Stim­me über­schlägt sich fast.

Und dann gibt es noch das "Boss Babe", die selbst­be­wuss­te LU, die stolz auf ihren kom­mer­zi­el­len Erfolg ist. Die sich von Män­nern gern mit "French Kis­ses" ver­wöh­nen lässt, aber dafür unan­ge­neh­men Mans­plai­nern ordent­lich die Mei­nung sagt: "Er guckt im Trai­ning auf mein' Arsch und frisst danach 'ne Kettle-​Bell". OG LU ist eine Femi­nis­tin ohne Kom­pro­mis­se und sagt deut­lich ihre Mei­nung. Des­we­gen will ich lie­ber nicht wis­sen, wie vie­le "Fascho­schwei­ne" in ihren DMs rum­schwir­ren. Viel­leicht ist es die gera­de ent­ste­hen­de Sis­ter­hood im Rap mit Künst­le­rin­nen wie bang­er­fa­bri­que, DONNA SAVAGE und Wa22ermann, die ihr Rück­halt gibt. "Ich sehe Frau­en als mei­ne Schwes­tern und nicht als mei­ne Kon­kur­ren­tin­nen an", sagt sie in der arte Tracks-​Folge "Sis­ter­hood – die neue Crewl­ove im Deutschrap". Wa22ermann ist auch als Fea­ture auf dem Album ver­tre­ten und laut LU "eine wah­re Schwes­ter, geh ma' weg mit Industry-​Shit".

OG LU ist längst kein Geheim­tipp mehr. Kras­se Ener­gie, gei­le Beats von Hägi und Co. und abwechs­lungs­rei­che Tex­te, die zum Nach­den­ken anre­gen oder beim Trai­ning schep­pern. Mein Lieb­lings­song vom Album ist übri­gens das ein­gangs zitier­te Lied "Komm". Damit wün­sche ich beim Hören einen guten Appe­tit, denn OG LUs "Drip zu lecker so wie ein Des­sert".

(Emi­ly Niklas)