Hier sind sie: unsere persönlichen Highlights aus 2025. Alle Jahre wieder gibt es so viel Spannendes im Rapgame. Musik, Videos, Filme, Bücher und, und, und … Wer soll da noch den Überblick behalten? Richtig: wir! Deshalb gibt's von uns dieses Jahr unseren Adventskalender mit redaktionsinternen Empfehlungen aus der Subkultur. Zeit für Reflexionen: Wen haben wir persönlich dieses Jahr neu entdeckt? Was wollen wir Euch wärmstens ans Herz legen? Und womit könnt Ihr Euch an den langen Tagen zwischen Weihnachten und Silvester noch die Zeit vertreiben?
Vielleicht kommen Euch die obigen Zeilen merkwürdig bekannt vor. Wir haben für den Kalender unser bewährtes Instagram-Format MZEE WEEKLY ausgeweitet. Hier liefern wir wöchentlich kurz und knapp eine Empfehlung und fragen Euch nach Euren eigenen Entdeckungen. Auf etwas mehr Raum präsentieren wir Euch also nun: MZEE YEARLY.
Wir freuen uns darauf, Euch damit wieder die Tage bis Weihnachten etwas versüßen zu können, und wünschen Euch eine entspannte, besinnliche Weihnachtszeit. Und auch wenn Ihr Weihnachten nicht feiert, könnt Ihr hier bestimmt die ein oder andere Inspiration für Eure freien Tage mitnehmen.
Tra ist für mich die Neuentdeckung des Jahres gewesen, obwohl der Berliner jetzt schon seit mehreren Jahren fleißig Releases produziert. Der Rapper hat bei mir die gleiche Faszination ausgelöst wie die ersten Kolja Goldstein-Songs oder wie die von Dietrich, die ich viel zu spät für mich entdeckt habe. Gerade zu dem Kölner gibt es sowohl inhaltliche als auch musikalische Parallelen.
Tras Lyrics oszillieren permanent zwischen teilweise unangenehm explizit gewalttätigen Straßenstorys und daraus entstehenden psychischen Problemen für alle Beteiligten. Es geht um Selbstzweifel und -hass, Reue, Paranoia, Vergebung auf der einen und um Abziehen, Einschüchtern, Zusammenschlagen und Dealen auf der anderen Seite. Die Grundstimmung ist hauptsächlich eklig und traurig, böse und verzweifelt. Was den Berliner dabei besonders auszeichnet, ist die Unmittelbarkeit und Realness in den Texten. Hier gibt es keine Glorifizierung oder Überhöhung, keine absurden Räuberpistolen oder überzogene Selbstdarstellung. Ich kaufe ihm jedes Wort als ernst gemeint ab. Nie kommt das Gefühl auf, dass jemals Reim über Inhalt gehen könnte, sondern immer wird einem das sprichwörtliche Herz ausgeschüttet, ohne Rücksicht auf vermeintlich stilistische Vorgaben. Bestärkt wird dieser Eindruck durch den sehr ignoranten Rapstil, der an den Berliner Untergrund der Nullerjahre angelehnt ist und hervorragend zur Attitüde passt, die Tra vermittelt.
Ein weiteres, aber negatives Alleinstellungsmerkmal ist der starke Bezug zur Religiosität in den Texten, der zusammen mit einem immer wieder durchscheinenden neoliberalen "Macher-Mindset" zu teilweise sehr unangenehmen Ergüssen führt. Bei ihm sind schnell mal die Satanisten die heimlichen Drahtzieher hinter Trump und Biden und in dieser bösen Welt durchsetzen muss sich jede:r allein. Wer sich davon und von den teilweise misanthropischen Texten nicht abschrecken lässt, der findet in Tra einen spannenden Künstler mit Potenzial, von dem hoffentlich noch viel kommen wird.
(Simon Back)
(Grafik von Anna Koptenko & Daniel Fersch)
