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Adventskalender

Adventskalender: Türchen #24 – "Evil-​E. – Eva Ries und der Wu-​Tang Clan" (Dokumentation)

In unse­rem dies­jäh­ri­gen Advents­ka­len­der befin­det sich hin­ter jedem Tür­chen ein Schatz aus dem Rap-​Kosmos, den unse­re Autor:innen die­ses Jahr neu für sich ent­deckt haben. Hin­ter die­sem Tür­chen ver­steckt sich die Doku "Evil-​E. – Eva Ries und der Wu-​Tang Clan".

Hier sind sie: unse­re per­sön­li­chen High­lights aus 2025. Alle Jah­re wie­der gibt es so viel Span­nen­des im Rap­ga­me. Musik, Vide­os, Fil­me, Bücher und, und, und … Wer soll da noch den Über­blick behal­ten? Rich­tig: wir! Des­halb gibt's von uns die­ses Jahr unse­ren Advents­ka­len­der mit redak­ti­ons­in­ter­nen Emp­feh­lun­gen aus der Sub­kul­tur. Zeit für Refle­xio­nen: Wen haben wir per­sön­lich die­ses Jahr neu ent­deckt? Was wol­len wir Euch wärms­tens ans Herz legen? Und womit könnt Ihr Euch an den lan­gen Tagen zwi­schen Weih­nach­ten und Sil­ves­ter noch die Zeit vertreiben?

Viel­leicht kom­men Euch die obi­gen Zei­len merk­wür­dig bekannt vor. Wir haben für den Kalen­der unser bewähr­tes Instagram-​Format MZEE WEEKLY aus­ge­wei­tet. Hier lie­fern wir wöchent­lich kurz und knapp eine Emp­feh­lung und fra­gen Euch nach Euren eige­nen Ent­de­ckun­gen. Auf etwas mehr Raum prä­sen­tie­ren wir Euch also nun: MZEE YEARLY.

Wir freu­en uns dar­auf, Euch damit wie­der die Tage bis Weih­nach­ten etwas ver­sü­ßen zu kön­nen, und wün­schen Euch eine ent­spann­te, besinn­li­che Weih­nachts­zeit. Und auch wenn Ihr Weih­nach­ten nicht fei­ert, könnt Ihr hier bestimmt die ein oder ande­re Inspi­ra­ti­on für Eure frei­en Tage mitnehmen.

 

Die Geschich­te von Eva Ries liest sich wie ein HipHop-​Märchen – nur ohne Mär­chen. In Laden­burg, einer klei­nen Stadt in der Kur­pfalz, wächst eine Frau auf, die Jah­re spä­ter im Inner Cir­cle des Wu-​Tang Clan lan­den soll: Eva Ries aka "Evil-​E the Kil­la Bee". In Ber­lin fin­det sie den Weg ins Musik­busi­ness, arbei­tet bei Geffen –, dem Kult­la­bel hin­ter Nir­va­na, Guns N' Roses und Sonic Youth – bis Loud Records, die Talent­schmie­de der größ­ten HipHop-​Acts der 90er, sie schließ­lich als Inter­na­tio­nal Mar­ke­ting Mana­ge­rin nach New York holen will. Eine deut­sche Frau, die sich im US-​Musikbusiness behaup­tet – schon das wäre ein Film. Doch die eigent­li­che Geschich­te beginnt erst.

Als sie zum ers­ten Mal "36 Cham­bers" hört, denkt sie: "Kata­stro­phal. Das könn­te der größ­te Feh­ler mei­nes Lebens sein." Das Rock- und Grunge-​Girl trifft auf roug­hen Hip­Hop von der Stra­ße. "Das ist doch völ­lig absurd: Wie kann eine Frau aus Laden­burg mit dem Wu-​Tang Clan in Ame­ri­ka zusam­men­ar­bei­ten?" – die Stie­bers tref­fen es auf den Punkt. Zwei Mona­te spä­ter managt sie genau die­sen Clan: neun jun­ge MCs aus Sta­ten Island, mit denen sie Hip­Hop glo­bal neu defi­nie­ren sollte.

In New York lan­det sie mit­ten in den Pro­jects: Schüs­se bei Inter­views, Sire­nen als Sound­track, die Cops als Feind­bild, Cha­os und Armut. Eva merkt: "The shit is real." Das sind ech­te Gangs­ter – nicht nur Gangs­ter­rap­per. Trotz­dem ver­traut sie ihnen. Nichts an ihr schreit "Hood" – kein Slang, kei­ne Show. Nur Hal­tung und Ehr­lich­keit. Inspec­tah Deck beschreibt es so: "She ruled with an iron fist. She had to in this game." Und genau das funktionierte.

Aus Miss­trau­en wird Respekt. Aus Respekt Nähe. Dar­aus Fami­lie. Eva wird zum stra­te­gi­schen Rücken des Clans – die Frau, die ihn glo­bal sicht­bar macht. Euro­pa ist ihre Bau­stel­le, Mar­ke­ting ihr Gebiet, Lösun­gen fin­den ihr All­tag. Und weil sich ihr Ruf her­um­spricht, arbei­ten spä­ter auch Legen­den wie Nas, Xzi­bit und Mobb Deep mit ihr. Wer neun Alpha­tie­re mana­gen kann, bekommt im Rap­busi­ness sofort Kre­dit. Genau hier ver­steht Eva: "Ich bin nicht Hip­Hop. Aber ich habe ihm zuge­hört. Und das hat alles ver­än­dert."

Die Geschich­ten des Clans sind die Geschich­ten von Eva: Baby­sit­te­rin von neun zukünf­ti­gen Super­stars. Auf Besor­gungs­tour für Method Mans "Medi­zin" im Trai­ler von Mari­lyn Man­son. ODB, der Paten­on­kel ihrer Toch­ter wer­den will. Die ARD-​Doku ist ein Gold­stück der Erzähl­kunst – eine wah­re Geschich­te, die sich bes­ser erzählt als jedes Mär­chen. Denn Hip­Hop schreibt die bes­ten Geschich­ten – und Eva Ries hat eine der größ­ten mitgeschrieben.

(Mela­nie Floßmann)
(Gra­fik von Anna Kop­ten­ko & Dani­el Fersch)