Hier sind sie: unsere persönlichen Highlights aus 2025. Alle Jahre wieder gibt es so viel Spannendes im Rapgame. Musik, Videos, Filme, Bücher und, und, und … Wer soll da noch den Überblick behalten? Richtig: wir! Deshalb gibt's von uns dieses Jahr unseren Adventskalender mit redaktionsinternen Empfehlungen aus der Subkultur. Zeit für Reflexionen: Wen haben wir persönlich dieses Jahr neu entdeckt? Was wollen wir Euch wärmstens ans Herz legen? Und womit könnt Ihr Euch an den langen Tagen zwischen Weihnachten und Silvester noch die Zeit vertreiben?
Vielleicht kommen Euch die obigen Zeilen merkwürdig bekannt vor. Wir haben für den Kalender unser bewährtes Instagram-Format MZEE WEEKLY ausgeweitet. Hier liefern wir wöchentlich kurz und knapp eine Empfehlung und fragen Euch nach Euren eigenen Entdeckungen. Auf etwas mehr Raum präsentieren wir Euch also nun: MZEE YEARLY.
Wir freuen uns darauf, Euch damit wieder die Tage bis Weihnachten etwas versüßen zu können, und wünschen Euch eine entspannte, besinnliche Weihnachtszeit. Und auch wenn Ihr Weihnachten nicht feiert, könnt Ihr hier bestimmt die ein oder andere Inspiration für Eure freien Tage mitnehmen.
Die Geschichte von Eva Ries liest sich wie ein HipHop-Märchen – nur ohne Märchen. In Ladenburg, einer kleinen Stadt in der Kurpfalz, wächst eine Frau auf, die Jahre später im Inner Circle des Wu-Tang Clan landen soll: Eva Ries aka "Evil-E the Killa Bee". In Berlin findet sie den Weg ins Musikbusiness, arbeitet bei Geffen –, dem Kultlabel hinter Nirvana, Guns N' Roses und Sonic Youth – bis Loud Records, die Talentschmiede der größten HipHop-Acts der 90er, sie schließlich als International Marketing Managerin nach New York holen will. Eine deutsche Frau, die sich im US-Musikbusiness behauptet – schon das wäre ein Film. Doch die eigentliche Geschichte beginnt erst.
Als sie zum ersten Mal "36 Chambers" hört, denkt sie: "Katastrophal. Das könnte der größte Fehler meines Lebens sein." Das Rock- und Grunge-Girl trifft auf roughen HipHop von der Straße. "Das ist doch völlig absurd: Wie kann eine Frau aus Ladenburg mit dem Wu-Tang Clan in Amerika zusammenarbeiten?" – die Stiebers treffen es auf den Punkt. Zwei Monate später managt sie genau diesen Clan: neun junge MCs aus Staten Island, mit denen sie HipHop global neu definieren sollte.
In New York landet sie mitten in den Projects: Schüsse bei Interviews, Sirenen als Soundtrack, die Cops als Feindbild, Chaos und Armut. Eva merkt: "The shit is real." Das sind echte Gangster – nicht nur Gangsterrapper. Trotzdem vertraut sie ihnen. Nichts an ihr schreit "Hood" – kein Slang, keine Show. Nur Haltung und Ehrlichkeit. Inspectah Deck beschreibt es so: "She ruled with an iron fist. She had to in this game." Und genau das funktionierte.
Aus Misstrauen wird Respekt. Aus Respekt Nähe. Daraus Familie. Eva wird zum strategischen Rücken des Clans – die Frau, die ihn global sichtbar macht. Europa ist ihre Baustelle, Marketing ihr Gebiet, Lösungen finden ihr Alltag. Und weil sich ihr Ruf herumspricht, arbeiten später auch Legenden wie Nas, Xzibit und Mobb Deep mit ihr. Wer neun Alphatiere managen kann, bekommt im Rapbusiness sofort Kredit. Genau hier versteht Eva: "Ich bin nicht HipHop. Aber ich habe ihm zugehört. Und das hat alles verändert."
Die Geschichten des Clans sind die Geschichten von Eva: Babysitterin von neun zukünftigen Superstars. Auf Besorgungstour für Method Mans "Medizin" im Trailer von Marilyn Manson. ODB, der Patenonkel ihrer Tochter werden will. Die ARD-Doku ist ein Goldstück der Erzählkunst – eine wahre Geschichte, die sich besser erzählt als jedes Märchen. Denn HipHop schreibt die besten Geschichten – und Eva Ries hat eine der größten mitgeschrieben.
(Melanie Floßmann)
(Grafik von Anna Koptenko & Daniel Fersch)
