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Adventskalender

Adventskalender: Türchen #20 – "La Haine" von Mathieu Kassovitz (Film)

In unse­rem dies­jäh­ri­gen Advents­ka­len­der befin­det sich hin­ter jedem Tür­chen ein Schatz aus dem Rap-​Kosmos, den unse­re Autor:innen die­ses Jahr neu für sich ent­deckt haben. Hin­ter die­sem Tür­chen ver­steckt sich der Film "La Hai­ne" von Mathieu Kassovitz.

Hier sind sie: unse­re per­sön­li­chen High­lights aus 2025. Alle Jah­re wie­der gibt es so viel Span­nen­des im Rap­ga­me. Musik, Vide­os, Fil­me, Bücher und, und, und … Wer soll da noch den Über­blick behal­ten? Rich­tig: wir! Des­halb gibt's von uns die­ses Jahr unse­ren Advents­ka­len­der mit redak­ti­ons­in­ter­nen Emp­feh­lun­gen aus der Sub­kul­tur. Zeit für Refle­xio­nen: Wen haben wir per­sön­lich die­ses Jahr neu ent­deckt? Was wol­len wir Euch wärms­tens ans Herz legen? Und womit könnt Ihr Euch an den lan­gen Tagen zwi­schen Weih­nach­ten und Sil­ves­ter noch die Zeit vertreiben?

Viel­leicht kom­men Euch die obi­gen Zei­len merk­wür­dig bekannt vor. Wir haben für den Kalen­der unser bewähr­tes Instagram-​Format MZEE WEEKLY aus­ge­wei­tet. Hier lie­fern wir wöchent­lich kurz und knapp eine Emp­feh­lung und fra­gen Euch nach Euren eige­nen Ent­de­ckun­gen. Auf etwas mehr Raum prä­sen­tie­ren wir Euch also nun: MZEE YEARLY.

Wir freu­en uns dar­auf, Euch damit wie­der die Tage bis Weih­nach­ten etwas ver­sü­ßen zu kön­nen, und wün­schen Euch eine ent­spann­te, besinn­li­che Weih­nachts­zeit. Und auch wenn Ihr Weih­nach­ten nicht fei­ert, könnt Ihr hier bestimmt die ein oder ande­re Inspi­ra­ti­on für Eure frei­en Tage mitnehmen.

 

Die­ses Jahr ist der Film "La Hai­ne" 30 Jah­re alt gewor­den. Dass dies Anlass genug war, den Film in vie­len Kinos erneut lau­fen zu las­sen, zeugt davon, wel­chen gro­ßen Stel­len­wert Mathieu Kas­so­vitz' zwei­tes Werk völ­lig zu Recht genießt. "La Hai­ne" ist ins­be­son­de­re für die euro­päi­sche HipHop-​Szene, aber auch dar­über hin­aus für eine Gene­ra­ti­on prä­gend gewe­sen und es gibt zahl­rei­che Grün­de, ihn sich auch heu­te noch anzu­schau­en. Zum einen ist das näm­lich ein­fach ein sehr guter Film. Vin­cent Cas­sel bril­liert als dau­er­haft verzweifelt-​zorniger Vinz – und Sze­nen wie der Dolly-​Zoom bei der Ankunft der drei Jungs in Paris oder der Grunwalski-​Monolog auf einer Toi­let­te kur­ze Zeit spä­ter sind im Wort­sinn gro­ßes Kino und zeitlos.

Zum ande­ren sind die im Film behan­del­ten gesell­schafts­po­li­ti­schen The­men damals wie heu­te aktu­ell, wovon auch neue kul­tu­rel­le Pro­duk­te wie der Film "Athe­na" von Romain Gav­ras (2022) oder der Roman "Zwei Sekun­den bren­nen­de Luft" von Dia­ty Dial­lo (2023) zeu­gen. Poli­zei­ge­walt, Per­spek­tiv­lo­sig­keit, Armut, Ras­sis­mus und die Unmög­lich­keit, dem Gan­zen irgend­wie ent­kom­men zu kön­nen, sind heu­te so viru­lent wie vor 30 Jah­ren und wer­den hier künst­le­risch verarbeitet.

Schließ­lich ist der Film fast schon eine Pflicht­ver­an­stal­tung für alle, die es irgend­wie mit euro­päi­schem Hip­Hop hal­ten. Die gran­dio­se DJ-​Hinterhofs-​Szene und der Sound­track sind für sich allein schon loh­nend, aber längst nicht aus­schlag­ge­bend. Dabei wer­den die gan­zen oben genann­ten The­men mit einer Unmit­tel­bar­keit und Authen­ti­zi­tät ver­han­delt, wie es davor und danach kaum ein Film geschafft hat. Fern­ab von jedem Hollywood-​Glamour gibt es hier Figu­ren mit Pro­ble­men und Eigen­schaf­ten, in denen sich so ziem­lich jede:r Zwei­te von Ber­lin bis Lon­don auf gewis­se Art wie­der­fin­den kann.

Des­we­gen kön­nen Celo & Abdi auch 2023 noch "La Hai­ne Rap" machen, ohne ana­chro­nis­tisch zu wir­ken. "La Hai­ne" ist Film gewor­de­ner Stra­ßen­rap, ohne Roman­ti­sie­rung oder Dämo­ni­sie­rung. Falls noch nicht gesche­hen, schaut ihn Euch an. Und ich kann inzwi­schen ver­spre­chen: Auch ein zwei­tes oder drit­tes Mal scha­det über­haupt nicht.

(Simon Back)
(Gra­fik von Anna Kop­ten­ko & Dani­el Fersch)