Hier sind sie: unsere persönlichen Highlights aus 2025. Alle Jahre wieder gibt es so viel Spannendes im Rapgame. Musik, Videos, Filme, Bücher und, und, und … Wer soll da noch den Überblick behalten? Richtig: wir! Deshalb gibt's von uns dieses Jahr unseren Adventskalender mit redaktionsinternen Empfehlungen aus der Subkultur. Zeit für Reflexionen: Wen haben wir persönlich dieses Jahr neu entdeckt? Was wollen wir Euch wärmstens ans Herz legen? Und womit könnt Ihr Euch an den langen Tagen zwischen Weihnachten und Silvester noch die Zeit vertreiben?
Vielleicht kommen Euch die obigen Zeilen merkwürdig bekannt vor. Wir haben für den Kalender unser bewährtes Instagram-Format MZEE WEEKLY ausgeweitet. Hier liefern wir wöchentlich kurz und knapp eine Empfehlung und fragen Euch nach Euren eigenen Entdeckungen. Auf etwas mehr Raum präsentieren wir Euch also nun: MZEE YEARLY.
Wir freuen uns darauf, Euch damit wieder die Tage bis Weihnachten etwas versüßen zu können, und wünschen Euch eine entspannte, besinnliche Weihnachtszeit. Und auch wenn Ihr Weihnachten nicht feiert, könnt Ihr hier bestimmt die ein oder andere Inspiration für Eure freien Tage mitnehmen.
Dieses Jahr ist der Film "La Haine" 30 Jahre alt geworden. Dass dies Anlass genug war, den Film in vielen Kinos erneut laufen zu lassen, zeugt davon, welchen großen Stellenwert Mathieu Kassovitz' zweites Werk völlig zu Recht genießt. "La Haine" ist insbesondere für die europäische HipHop-Szene, aber auch darüber hinaus für eine Generation prägend gewesen und es gibt zahlreiche Gründe, ihn sich auch heute noch anzuschauen. Zum einen ist das nämlich einfach ein sehr guter Film. Vincent Cassel brilliert als dauerhaft verzweifelt-zorniger Vinz – und Szenen wie der Dolly-Zoom bei der Ankunft der drei Jungs in Paris oder der Grunwalski-Monolog auf einer Toilette kurze Zeit später sind im Wortsinn großes Kino und zeitlos.
Zum anderen sind die im Film behandelten gesellschaftspolitischen Themen damals wie heute aktuell, wovon auch neue kulturelle Produkte wie der Film "Athena" von Romain Gavras (2022) oder der Roman "Zwei Sekunden brennende Luft" von Diaty Diallo (2023) zeugen. Polizeigewalt, Perspektivlosigkeit, Armut, Rassismus und die Unmöglichkeit, dem Ganzen irgendwie entkommen zu können, sind heute so virulent wie vor 30 Jahren und werden hier künstlerisch verarbeitet.
Schließlich ist der Film fast schon eine Pflichtveranstaltung für alle, die es irgendwie mit europäischem HipHop halten. Die grandiose DJ-Hinterhofs-Szene und der Soundtrack sind für sich allein schon lohnend, aber längst nicht ausschlaggebend. Dabei werden die ganzen oben genannten Themen mit einer Unmittelbarkeit und Authentizität verhandelt, wie es davor und danach kaum ein Film geschafft hat. Fernab von jedem Hollywood-Glamour gibt es hier Figuren mit Problemen und Eigenschaften, in denen sich so ziemlich jede:r Zweite von Berlin bis London auf gewisse Art wiederfinden kann.
Deswegen können Celo & Abdi auch 2023 noch "La Haine Rap" machen, ohne anachronistisch zu wirken. "La Haine" ist Film gewordener Straßenrap, ohne Romantisierung oder Dämonisierung. Falls noch nicht geschehen, schaut ihn Euch an. Und ich kann inzwischen versprechen: Auch ein zweites oder drittes Mal schadet überhaupt nicht.
(Simon Back)
(Grafik von Anna Koptenko & Daniel Fersch)
