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Adventskalender

Adventskalender: Türchen #11 – "Lieder, die ich geschrieben habe anstatt aus dem Fenster zu springen" von beslik (Album)

In unse­rem dies­jäh­ri­gen Advents­ka­len­der befin­det sich hin­ter jedem Tür­chen ein Schatz aus dem Rap-​Kosmos, den unse­re Autor:innen die­ses Jahr neu für sich ent­deckt haben. Hin­ter die­sem Tür­chen ver­steckt sich bes­liks Album "Lie­der, die ich geschrie­ben habe anstatt aus dem Fens­ter zu springen".

Hier sind sie: unse­re per­sön­li­chen High­lights aus 2025. Alle Jah­re wie­der gibt es so viel Span­nen­des im Rap­ga­me. Musik, Vide­os, Fil­me, Bücher und, und, und … Wer soll da noch den Über­blick behal­ten? Rich­tig: wir! Des­halb gibt's von uns die­ses Jahr unse­ren Advents­ka­len­der mit redak­ti­ons­in­ter­nen Emp­feh­lun­gen aus der Sub­kul­tur. Zeit für Refle­xio­nen: Wen haben wir per­sön­lich die­ses Jahr neu ent­deckt? Was wol­len wir Euch wärms­tens ans Herz legen? Und womit könnt Ihr Euch an den lan­gen Tagen zwi­schen Weih­nach­ten und Sil­ves­ter noch die Zeit vertreiben?

Viel­leicht kom­men Euch die obi­gen Zei­len merk­wür­dig bekannt vor. Wir haben für den Kalen­der unser bewähr­tes Instagram-​Format MZEE WEEKLY aus­ge­wei­tet. Hier lie­fern wir wöchent­lich kurz und knapp eine Emp­feh­lung und fra­gen Euch nach Euren eige­nen Ent­de­ckun­gen. Auf etwas mehr Raum prä­sen­tie­ren wir Euch also nun: MZEE YEARLY.

Wir freu­en uns dar­auf, Euch damit wie­der die Tage bis Weih­nach­ten etwas ver­sü­ßen zu kön­nen, und wün­schen Euch eine ent­spann­te, besinn­li­che Weih­nachts­zeit. Und auch wenn Ihr Weih­nach­ten nicht fei­ert, könnt Ihr hier bestimmt die ein oder ande­re Inspi­ra­ti­on für Eure frei­en Tage mitnehmen.

 

Für gewöhn­lich wird ein Advents­ka­len­der vor dem 1. Dezem­ber mit 24 Süßig­kei­ten, klei­nen Auf­merk­sam­kei­ten, oder – wie in unse­rem Fall – mit beson­de­ren High­lights aus der Welt des Hip­Hop befüllt. Die ein­zel­nen Tür­chen blei­ben ver­schlos­sen, bis sie an der Rei­he sind, so will es das unge­schrie­be­ne Regel­werk der Vor­weih­nachts­zeit. Doch manch­mal kommt es anders. Der Düs­sel­dor­fer Rap­per bes­lik releas­te am 5. Dezem­ber sein Debüt­al­bum "Lie­der, die ich geschrie­ben habe anstatt aus dem Fens­ter zu sprin­gen". Reich­lich wenig Zeit, um es noch in die Jah­res­rück­bli­cke die­ser Sze­ne zu schaf­fen, deren Tin­te vie­ler­orts schon getrock­net ist. Und den­noch hat sich bes­lik mit sei­ner Plat­te auf den letz­ten Drü­cker in den MZEE Advents­ka­len­der gerappt. Wie hat er das gemacht?

Hin­ter dem radi­kal ehr­li­chen Titel steckt ein radi­kal ehr­li­ches Album und bes­lik setzt für mich damit ganz spät im Jahr einen Höhe­punkt. Wenn die Plat­te anfängt sich zu dre­hen und das Intro "Guten Mor­gen Deutsch­land" anläuft, wird schnell klar: Hier erwar­tet geneig­te Hörer:innen ein hoch­wer­ti­ges Stück Rap­mu­sik. Auf zwölf Songs darf man einem jun­gen Künst­ler beim Erwach­sen­wer­den zuhö­ren. Auch wenn dies auf­grund bes­liks unge­fil­ter­ter Selbst­re­fle­xi­on teils schwer ver­dau­lich ist, tut man gut dar­an, kei­nen Track zu skip­pen. Zei­le für Zei­le lauscht man der Geschich­te von einem, der genervt ist, über­for­dert mit der Welt und der Aus­weg­lo­sig­keit sei­nes Seins. "Irgend­was ist wirk­lich immer", rappt der Meis­ter auf "Nor­der­ney". Die Ant­wor­ten auf sei­ne schwer­wie­gen­de Hilf­lo­sig­keit fal­len unter­schied­lich dras­tisch aus: allein sein, sich aus dem sozia­len Umfeld zurück­zie­hen, auf gesell­schaft­li­che Kon­ven­tio­nen schei­ßen, Molotov-​Cocktails wer­fen, im Mer­ce­des auf eine Klip­pe zusteuern.

So ästhe­tisch hoch­wer­tig wie der Düs­sel­dor­fer Rap­per im einen Moment daher­kommt, so rau und nahe­zu scho­ckie­rend geht es im nächs­ten zu. Abwech­selnd füh­le ich mich an einen arro­gan­ten Shin­dy in sei­ner Blü­te oder an das scho­nungs­lo­se Sto­rytel­ling eines OG Kee­mos erin­nert. Letz­ten Endes braucht es der­ar­ti­ge Ver­glei­che nicht, denn nach 31 Minu­ten Spiel­zeit voll unbe­que­mer Selbst­kri­tik, erschre­cken­der Ehr­lich­keit und einer Por­ti­on Gal­gen­hu­mor ist klar, dass bes­lik hier etwas Eige­nes geschaf­fen hat. Mit gutem Gewis­sen kann ich des­halb am 5. Dezem­ber noch mal das elf­te Tür­chen unse­res Advents­ka­len­ders einen Spalt weit öff­nen und mit "Lie­der, die ich geschrie­ben habe anstatt aus dem Fens­ter zu sprin­gen" ein span­nen­des Album hineinlegen.

(Enri­co Gerharth)
(Gra­fik von Anna Kop­ten­ko & Dani­el Fersch)