Hier sind sie: unsere persönlichen Highlights aus 2025. Alle Jahre wieder gibt es so viel Spannendes im Rapgame. Musik, Videos, Filme, Bücher und, und, und … Wer soll da noch den Überblick behalten? Richtig: wir! Deshalb gibt's von uns dieses Jahr unseren Adventskalender mit redaktionsinternen Empfehlungen aus der Subkultur. Zeit für Reflexionen: Wen haben wir persönlich dieses Jahr neu entdeckt? Was wollen wir Euch wärmstens ans Herz legen? Und womit könnt Ihr Euch an den langen Tagen zwischen Weihnachten und Silvester noch die Zeit vertreiben?
Vielleicht kommen Euch die obigen Zeilen merkwürdig bekannt vor. Wir haben für den Kalender unser bewährtes Instagram-Format MZEE WEEKLY ausgeweitet. Hier liefern wir wöchentlich kurz und knapp eine Empfehlung und fragen Euch nach Euren eigenen Entdeckungen. Auf etwas mehr Raum präsentieren wir Euch also nun: MZEE YEARLY.
Wir freuen uns darauf, Euch damit wieder die Tage bis Weihnachten etwas versüßen zu können, und wünschen Euch eine entspannte, besinnliche Weihnachtszeit. Und auch wenn Ihr Weihnachten nicht feiert, könnt Ihr hier bestimmt die ein oder andere Inspiration für Eure freien Tage mitnehmen.

Ein kleiner Junge sitzt verschüchtert beim örtlichen Einwohnermeldeamt. Er diskutiert mit einer Beamtin, die er noch vom Schulfest als Elternbeirätin kennt – nun aber droht sie mit Ausweisung, sollte man die fehlenden Dokumente nicht bald nachreichen. Und der kleine Junge? Er soll seiner Mutter das Ganze übersetzen, weil die Beamtin befürchtet, sie würde den Ernst der Lage aufgrund ihrer geringen Deutschkenntnisse nicht erfassen. Was sie dabei übersieht: Die Wut und Abneigung in ihrer Stimme sind eindeutiger als jedes Wort.
Dieser kleine Junge ist Tahsim Durgun, eigentlich durch kurze, witzige Clips auf seinem Instagram-Account "@tahdurr" bekannt. Mit "Mama, bitte lern Deutsch" gibt er aber ganz andere Einblicke in eine zerrissene Jugend zwischen verschiedenen Kulturen und ihren Vorurteilen. Die oben beschriebene Szene war für mich besonders prägnant, weil sie für mich so viele Dinge auf traurigste Art und Weise versinnbildlicht: die Unfähigkeit der Bürokratie, Probleme effektiv zu lösen, die Willkür des deutschen Staates, ein in Deutschland geborenes Kind abschieben zu wollen sowie den Alltagsrassismus von Menschen, die "anders sein" mit etwas Schlechtem gleichsetzen. Solche ausufernden Erfahrungen, gepaart mit Mikroaggressionen im Alltag eines kurdischen Jungen in der Bundesrepublik, beschreibt Tahsim in seinem literarischen Debüt. So verwundert es kaum, wenn er sagt, dass Azads Texte ihm mehr gaben als je eine Lehrkraft oder Bezugsperson. Ein Junge, der sich durch einen Rapper endlich verstanden fühlte und nicht mehr das Gefühl hatte, allein mit seinen Problemen zu sein.
Darüber hinaus ist "Mama, bitte lern Deutsch" aber keine Anklageschrift, was in Deutschland in Sachen Migration schiefläuft. Es ist schlichtweg der Erlebnisbericht eines jungen Erwachsenen. Herzlich, charmant, witzig und authentisch in allen Belangen, ob bei der Maiskolben-Jagd mit der Familie oder beim ersten Alkoholexzess einer bis dato sehr helalen Jugend. Ihm gelingt eine Form der Gesellschaftskritik, die ohne Brechstange auskommt und mit einem Lächeln endet. Die klare Message geht nicht ausschließlich als Bitte an die Mama, Deutsch zu lernen, sondern an uns alle, Tahsims Mutter und Menschen mit Migrationsgeschichte besser zu verstehen.
(Sven Aumiller)
(Grafik von Anna Koptenko & Daniel Fersch)