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Adventskalender

Adventskalender: Türchen #06 – "Remix Almanya" von Murat Güngör und Hannes Loh (Buch)

In unse­rem dies­jäh­ri­gen Advents­ka­len­der befin­det sich hin­ter jedem Tür­chen ein Schatz aus dem Rap-​Kosmos, den unse­re Autor:innen die­ses Jahr neu für sich ent­deckt haben. Hin­ter die­sem Tür­chen ver­steckt sich das Buch "Remix Almanya".

Hier sind sie: unse­re per­sön­li­chen High­lights aus 2025. Alle Jah­re wie­der gibt es so viel Span­nen­des im Rap­ga­me. Musik, Vide­os, Fil­me, Bücher und, und, und … Wer soll da noch den Über­blick behal­ten? Rich­tig: wir! Des­halb gibt's von uns die­ses Jahr unse­ren Advents­ka­len­der mit redak­ti­ons­in­ter­nen Emp­feh­lun­gen aus der Sub­kul­tur. Zeit für Refle­xio­nen: Wen haben wir per­sön­lich die­ses Jahr neu ent­deckt? Was wol­len wir Euch wärms­tens ans Herz legen? Und womit könnt Ihr Euch an den lan­gen Tagen zwi­schen Weih­nach­ten und Sil­ves­ter noch die Zeit vertreiben?

Viel­leicht kom­men Euch die obi­gen Zei­len merk­wür­dig bekannt vor. Wir haben für den Kalen­der unser bewähr­tes Instagram-​Format MZEE WEEKLY aus­ge­wei­tet. Hier lie­fern wir wöchent­lich kurz und knapp eine Emp­feh­lung und fra­gen Euch nach Euren eige­nen Ent­de­ckun­gen. Auf etwas mehr Raum prä­sen­tie­ren wir Euch also nun: MZEE YEARLY.

Wir freu­en uns dar­auf, Euch damit wie­der die Tage bis Weih­nach­ten etwas ver­sü­ßen zu kön­nen, und wün­schen Euch eine ent­spann­te, besinn­li­che Weih­nachts­zeit. Und auch wenn Ihr Weih­nach­ten nicht fei­ert, könnt Ihr hier bestimmt die ein oder ande­re Inspi­ra­ti­on für Eure frei­en Tage mitnehmen.

 

Wer Hip­Hop nicht nur als Musik­gen­re, son­dern als Hal­tung wahr­nimmt, für den könn­te "REMIX ALMANYA – Eine post­mi­gran­ti­sche HipHop-​Geschichte" genau das rich­ti­ge Buch sein. Gün­gör und Loh schrei­ben nicht ein­fach nur über Rap in Deutsch­land, son­dern zei­gen, woher er kommt, wel­che kul­tu­rel­len Ein­flüs­se ihn geprägt haben und war­um das Gen­re bis heu­te so bedeut­sam ist.

Obwohl das Buch bereits 2024 erschie­nen ist, gehört es für mich mit zu den span­nends­ten Neu­ent­de­ckun­gen die­ses Jah­res und ist eine kla­re Emp­feh­lung für alle, die sich für die Geschich­te des deutsch­spra­chi­gen Raps inter­es­sie­ren. Im Mit­tel­punkt des Buches steht Hip­Hop in Deutsch­land als ein post­mi­gran­ti­sches Phä­no­men, als Bestand­teil und kul­tu­rel­le Aus­drucks­form unse­rer Gesell­schaft, die seit Jahr­zehn­ten von Migra­ti­on geprägt ist. Gün­gör und Loh zei­gen, wie Hip­Hop für vie­le Men­schen – mit und ohne Migra­ti­ons­ge­schich­te – zum Werk­zeug wur­de, um Iden­ti­tä­ten zu gestal­ten, Erfah­run­gen zu tei­len und gesell­schaft­li­che Kon­ven­tio­nen zu hin­ter­fra­gen. In zahl­rei­chen Inter­views kom­men Stim­men aus der deutsch­spra­chi­gen Rap­sze­ne zu Wort – zum Bei­spiel Xatar, Apsi­lon und Ebow. Sie erzäh­len von ihren Per­spek­ti­ven, ihren Erfah­run­gen mit Dis­kri­mi­nie­rung und von der Lie­be zur Kul­tur. Beson­ders ein­drück­lich wird beschrie­ben, wie der soge­nann­te Stra­ßen­rap zur Stim­me einer Gene­ra­ti­on wird und zum Aus­druck von Wider­stand. Im Janu­ar konn­te ich bei einer Lesung mit den Autoren dabei sein und span­nen­de Hin­ter­grund­in­for­ma­tio­nen rund um das Buch erfah­ren. Ich merk­te sofort, wie viel Lei­den­schaft und Wis­sen in die­sem Pro­jekt steckt. Für mich war es ein Abend, der vie­les aus dem Buch noch leben­di­ger mach­te. Wei­te­re Ver­an­stal­tun­gen sind ab Janu­ar 2026 geplant.

Gün­gör und Loh zei­gen, dass Hip­Hop in Deutsch­land immer ein kul­tu­rel­ler Remix war, der aus vie­len Ein­flüs­sen, Lebens­rea­li­tä­ten und Spra­chen ent­stan­den ist – gemischt und zusam­men­ge­setzt wie die hier­aus resul­tie­ren­de Musik. Schon nach weni­gen Sei­ten wird klar: Ohne Migra­ti­on gäbe es in Deutsch­land weder Break­dance noch "Kanak Sprak", weder Haft­be­fehl noch SXTN. Was heu­te auf den musi­ka­li­schen Büh­nen gefei­ert wird, ent­stand auf der Stra­ße und Pau­sen­hö­fen, in Jugend­zen­tren, Hin­ter­hö­fen und Kel­ler­räu­men. Das Buch rich­tet sich an alle, die Hip­Hop lie­ben, und auch an die­je­ni­gen, die inter­es­siert, was Kul­tur leis­ten kann. Es ist ein Remix aus Wis­sen und Gefühl, ein Plä­doy­er für Viel­falt und mei­ner Mei­nung nach eine Pflicht­lek­tü­re für alle, die die­se Musik nicht nur hören, son­dern ihre Hin­ter­grün­de ver­ste­hen wollen.

(Rebec­ca Reifarth)
(Gra­fik von Anna Kop­ten­ko & Dani­el Fersch)