Hier sind sie: unsere persönlichen Highlights aus 2025. Alle Jahre wieder gibt es so viel Spannendes im Rapgame. Musik, Videos, Filme, Bücher und, und, und … Wer soll da noch den Überblick behalten? Richtig: wir! Deshalb gibt's von uns dieses Jahr unseren Adventskalender mit redaktionsinternen Empfehlungen aus der Subkultur. Zeit für Reflexionen: Wen haben wir persönlich dieses Jahr neu entdeckt? Was wollen wir Euch wärmstens ans Herz legen? Und womit könnt Ihr Euch an den langen Tagen zwischen Weihnachten und Silvester noch die Zeit vertreiben?
Vielleicht kommen Euch die obigen Zeilen merkwürdig bekannt vor. Wir haben für den Kalender unser bewährtes Instagram-Format MZEE WEEKLY ausgeweitet. Hier liefern wir wöchentlich kurz und knapp eine Empfehlung und fragen Euch nach Euren eigenen Entdeckungen. Auf etwas mehr Raum präsentieren wir Euch also nun: MZEE YEARLY.
Wir freuen uns darauf, Euch damit wieder die Tage bis Weihnachten etwas versüßen zu können, und wünschen Euch eine entspannte, besinnliche Weihnachtszeit. Und auch wenn Ihr Weihnachten nicht feiert, könnt Ihr hier bestimmt die ein oder andere Inspiration für Eure freien Tage mitnehmen.

Wer HipHop nicht nur als Musikgenre, sondern als Haltung wahrnimmt, für den könnte "REMIX ALMANYA – Eine postmigrantische HipHop-Geschichte" genau das richtige Buch sein. Güngör und Loh schreiben nicht einfach nur über Rap in Deutschland, sondern zeigen, woher er kommt, welche kulturellen Einflüsse ihn geprägt haben und warum das Genre bis heute so bedeutsam ist.
Obwohl das Buch bereits 2024 erschienen ist, gehört es für mich mit zu den spannendsten Neuentdeckungen dieses Jahres und ist eine klare Empfehlung für alle, die sich für die Geschichte des deutschsprachigen Raps interessieren. Im Mittelpunkt des Buches steht HipHop in Deutschland als ein postmigrantisches Phänomen, als Bestandteil und kulturelle Ausdrucksform unserer Gesellschaft, die seit Jahrzehnten von Migration geprägt ist. Güngör und Loh zeigen, wie HipHop für viele Menschen – mit und ohne Migrationsgeschichte – zum Werkzeug wurde, um Identitäten zu gestalten, Erfahrungen zu teilen und gesellschaftliche Konventionen zu hinterfragen. In zahlreichen Interviews kommen Stimmen aus der deutschsprachigen Rapszene zu Wort – zum Beispiel Xatar, Apsilon und Ebow. Sie erzählen von ihren Perspektiven, ihren Erfahrungen mit Diskriminierung und von der Liebe zur Kultur. Besonders eindrücklich wird beschrieben, wie der sogenannte Straßenrap zur Stimme einer Generation wird und zum Ausdruck von Widerstand. Im Januar konnte ich bei einer Lesung mit den Autoren dabei sein und spannende Hintergrundinformationen rund um das Buch erfahren. Ich merkte sofort, wie viel Leidenschaft und Wissen in diesem Projekt steckt. Für mich war es ein Abend, der vieles aus dem Buch noch lebendiger machte. Weitere Veranstaltungen sind ab Januar 2026 geplant.
Güngör und Loh zeigen, dass HipHop in Deutschland immer ein kultureller Remix war, der aus vielen Einflüssen, Lebensrealitäten und Sprachen entstanden ist – gemischt und zusammengesetzt wie die hieraus resultierende Musik. Schon nach wenigen Seiten wird klar: Ohne Migration gäbe es in Deutschland weder Breakdance noch "Kanak Sprak", weder Haftbefehl noch SXTN. Was heute auf den musikalischen Bühnen gefeiert wird, entstand auf der Straße und Pausenhöfen, in Jugendzentren, Hinterhöfen und Kellerräumen. Das Buch richtet sich an alle, die HipHop lieben, und auch an diejenigen, die interessiert, was Kultur leisten kann. Es ist ein Remix aus Wissen und Gefühl, ein Plädoyer für Vielfalt und meiner Meinung nach eine Pflichtlektüre für alle, die diese Musik nicht nur hören, sondern ihre Hintergründe verstehen wollen.
(Rebecca Reifarth)
(Grafik von Anna Koptenko & Daniel Fersch)