Hier sind sie: unsere persönlichen Highlights aus 2025. Alle Jahre wieder gibt es so viel Spannendes im Rapgame. Musik, Videos, Filme, Bücher und, und, und … Wer soll da noch den Überblick behalten? Richtig: wir! Deshalb gibt's von uns dieses Jahr unseren Adventskalender mit redaktionsinternen Empfehlungen aus der Subkultur. Zeit für Reflexionen: Wen haben wir persönlich dieses Jahr neu entdeckt? Was wollen wir Euch wärmstens ans Herz legen? Und womit könnt Ihr Euch an den langen Tagen zwischen Weihnachten und Silvester noch die Zeit vertreiben?
Vielleicht kommen Euch die obigen Zeilen merkwürdig bekannt vor. Wir haben für den Kalender unser bewährtes Instagram-Format MZEE WEEKLY ausgeweitet. Hier liefern wir wöchentlich kurz und knapp eine Empfehlung und fragen Euch nach Euren eigenen Entdeckungen. Auf etwas mehr Raum präsentieren wir Euch also nun: MZEE YEARLY.
Wir freuen uns darauf, Euch damit wieder die Tage bis Weihnachten etwas versüßen zu können, und wünschen Euch eine entspannte, besinnliche Weihnachtszeit. Und auch wenn Ihr Weihnachten nicht feiert, könnt Ihr hier bestimmt die ein oder andere Inspiration für Eure freien Tage mitnehmen.

Im Frühjahr dieses Jahres bin ich nach Australien geflogen, um meine beste Freundin zu besuchen, die in Melbourne zu den Rechten der Indigenen Bevölkerung recherchiert. Es war schon recht spät, als ich ankam, aber sie schlug vor, noch einen Film über irgendeine irische Gruppe zu schauen, den sie bereits einige Wochen zuvor gesehen hatte. Was ich nicht erwartet hätte: Dass dieser Film so einen enormen Eindruck bei mir hinterlassen würde.
Natürlich geht es um "KNEECAP", das Biopic der gleichnamigen Band aus Nordirland. Der Plot des Films verfolgt deren Entstehung. Er beginnt, als sich Liam Óg Ó hAnnaidh (Mo Chara) und J. J. Ó Dochartaigh (DJ Próvaí) im Gefängnis kennenlernen, da Liam sich weigert mit der Polizistin Englisch zu sprechen und JJ als irischer Dolmetscher hinzugezogen wird. JJ soll der Polizistin Liams Notizen übersetzen und merkt, dass das ziemlich gute Texte sind. Daraufhin beginnt er, mit Liam und dessen Kindheitsfreund Naoise Ó Caireallaín (Móglaí Bap) Beats in seiner Garage zu bauen, auf die die anderen beiden rappen. Und so nimmt das Ganze seinen Lauf. Es geht um die zerrüttete Gesellschaft in Belfast, den historischen und alltäglichen Konflikt zwischen republikanischen Katholik:innen und britischen Protestant:innen, um Traumata und mentale Gesundheit und die Unterdrückung der irischen Sprache. Aber genauso geht es auch um das Erwachsenwerden ohne Perspektive, um Partys, Drogen, Liebe, Sex, Gemeinschaft, Zusammenhalt und den Traum, von der Musik leben zu können.
Nach dem Film hatte ich tagelang einen Ohrwurm des 2019 releasten Songs "H.O.O.D.". Noch viel eindrucksvoller ist für mich aber die Tatsache, dass die Herkunft der Band und die damit einhergehende historische Unterdrückung der irischen Kultur dazu geführt hat, dass sie sich so stark für andere Minderheiten einsetzt. Und ihre Musik wiederum dazu geführt hat, dass viele junge Menschen nun Irisch lernen, obwohl die Band oft als rüpelhaft abgetan wird. Im Gegensatz zu vielen anderen Artists nutzen sie ihre enorme Reichweite für aktivistische Zwecke, vor allem um Solidarität mit der palästinensischen Bevölkerung oder auch mit Indigenen Australier:innen zu zeigen. Dass sie dabei manchmal falsch abbiegen und zum Beispiel eine Hisbollah-Flagge zur Schau stellen, wie das im November 2024 der Fall war, muss scharf kritisiert werden. "KNEECAP" ist bestimmt kein typischer Weihnachtsfilm, er spiegelt aber viele Herausforderungen wieder, die uns in diesem Jahr auch in Deutschland beschäftigt haben.
(Emily Niklas)
(Grafik von Anna Koptenko & Daniel Fersch)