Looptroop – The Struggle Continues

"Was?! Du kennst das nicht? Sekun­de, ich such' dir das mal raus." Und schon öff­net sich die Plat­ten­kis­te. Wer kennt die­sen Moment nicht? Man redet über Musik und auf ein­mal fällt ein Name – egal ob von einem Song, einem:einer Künstler:in oder einem Album – mit dem man nicht so recht etwas anzu­fan­gen weiß. Und plötz­lich hagelt es Lob­prei­sun­gen, Hass­ti­ra­den oder Anek­do­ten. Gera­de dann, wenn der:die Gesprächspartner:in ins Schwär­men ver­fällt und offen zeigt, dass ihm:ihr das The­ma wich­tig ist, bit­tet man nicht all­zu sel­ten um eine Kost­pro­be. Die Musik setzt ein und es beginnt, was der Per­son so sehr am Her­zen zu lie­gen scheint. In die­sem Fall – was uns so sehr am Her­zen liegt: Ein Aus­zug aus der Musik, mit der wir etwas ver­bin­den, die wir fei­ern, die uns berührt. Ein Griff in unse­re Plat­ten­kis­te eben.

 

Es lohnt sich manch­mal, auch fern­ab von ame­ri­ka­ni­schen oder deut­schen Releases in der Plat­ten­kis­te zu dig­gen. Aber man macht es meist doch sel­ten. So hat ver­mut­lich kaum jemand die Crew Loop­troop aus Schwe­den auf dem Radar. Dabei haben die Jungs 2002 mit "The Strugg­le Con­ti­nues" ein sehr hörens­wer­tes Album releast.

Die Plat­te der Rap­per besteht aus vie­len ein­gän­gi­gen und inno­va­ti­ven Songs, die sich defi­ni­tiv von ande­ren Releases in der Sze­ne abhe­ben. Oft kom­bi­nie­ren Loop­troop ihre old­schoo­li­gen, aber mit Nach­druck geflow­ten Kopfnicker-​Parts mit melo­diö­sen Hook­li­nes. Das sorgt dafür, dass sich auf "The Strugg­le Con­ti­nues" eini­ge Ohr­wür­mer fin­den las­sen. Inhalt­lich ist die Plat­te erfri­schend und passt mit Tracks wie "Ban­dit Queen" auch per­fekt in die heu­ti­ge Zeit. Denn in dem Titel beschreibt Pro­moe sei­ne Traum­frau mit den Wor­ten "A tru­ly inde­pen­dent woman, not a destiny's child, not depen­ding on money or fashion to have style" und distan­ziert sich mit dem Song von dem in der Sze­ne oft sexua­li­siert dar­ge­stell­ten Frau­en­bild. Die Instru­men­tie­rung der Beats ist oft sehr umfang­reich und den­noch hat man nie das Gefühl, dass es über­la­den ist. Auf ihrem Track "Loop­tro­o­p­land" wird zum Bei­spiel eine Distortion-​Bassline mit einem Voice-​Sample, Keys und unter­schied­li­chen Synthie-​Sounds kom­bi­niert. Das klingt zwar wirr, doch die Schwe­den zei­gen gekonnt, wie stim­mig das sein kann und demons­trie­ren außer­dem auf Tracks wie "Revo­lu­tio­na­ry Step", dass man anspruchs­vol­le Lyrics auch par­ty­taug­lich ver­pa­cken kann.

Die eng­lisch­spra­chi­ge Plat­te der Rap­per über­zeugt auf jeder Ebe­ne. Die Jungs von Loop­troop sind inno­va­tiv unter­wegs und lösen den­noch ein Nost­al­gie­fee­ling aus. Die inter­es­san­te Mischung aus star­ken Tex­ten, Ohrwurm-​Hooks und beson­de­ren Beats auf "The Strugg­le Con­ti­nues" beweist: Es lohnt sich defi­ni­tiv, auch Unbe­kann­tes aus­zu­che­cken und dabei wah­re Schät­ze zu entdecken.

(Dzer­ma­na Schönhaber)