Santa Salut – Yo Les Cantaré

"Was?! Du kennst das nicht? Sekun­de, ich such' dir das mal raus." Und schon öff­net sich die Plat­ten­kis­te. Wer kennt die­sen Moment nicht? Man redet über Musik und auf ein­mal fällt ein Name – egal ob von einem Song, einem:einer Künstler:in oder einem Album – mit dem man nicht so recht etwas anzu­fan­gen weiß. Und plötz­lich hagelt es Lob­prei­sun­gen, Hass­ti­ra­den oder Anek­do­ten. Gera­de dann, wenn der:die Gesprächspartner:in ins Schwär­men ver­fällt und offen zeigt, dass ihm:ihr das The­ma wich­tig ist, bit­tet man nicht all­zu sel­ten um eine Kost­pro­be. Die Musik setzt ein und es beginnt, was der Per­son so sehr am Her­zen zu lie­gen scheint. In die­sem Fall – was uns so sehr am Her­zen liegt: Ein Aus­zug aus der Musik, mit der wir etwas ver­bin­den, die wir fei­ern, die uns berührt. Ein Griff in unse­re Plat­ten­kis­te eben.

 

Musik ist eine Spra­che, die jede:r ver­steht. Ich selbst spre­che neben Deutsch nur Eng­lisch und füh­le trotz­dem die Songs der kata­la­ni­schen Rap­pe­rin San­ta Salut. Bei You­Tube stieß ich zufäl­lig auf ihren Song "Yo Les Can­t­a­ré". Bereits nach dem ers­ten Hören war ich von der mir bis dato unbe­kann­ten Musi­ke­rin begeistert.

Der Track beginnt mit einem düs­te­ren Sam­ple, bevor San­ta Salut nach weni­gen Tak­ten zusam­men mit den Drums ein­setzt. Sofort fällt auf, dass die Rap­pe­rin eine Men­ge Druck und Kraft in ihrer Stim­me hat. Leicht gesun­ge­ne und aggres­si­ve Rap-​Passagen wech­seln sich ab, wäh­rend Salut über den Oldschool-​Beat flowt. Beson­ders die Hook bleibt nach jedem Durch­lauf im Ohr. Dank des Über­set­zungs­pro­gramms mei­nes Ver­trau­ens fand ich her­aus, dass die Refrain-​Zeile "Yo les can­t­a­ré" auf Deutsch "Ich wer­de sie besin­gen" bedeu­tet. Ins­ge­samt rappt die Musi­ke­rin dar­über, dass sie mit der Musik ihren Weg geht, egal wel­che Stei­ne ihr in sel­bi­gen gelegt wer­den. Die Wil­lens­stär­ke der Kata­la­nin spü­re ich aber schon durch ihre ener­ge­ti­sche Vor­trags­art, auch ohne eine Über­set­zung des Tex­tes zu lesen. Ein­zi­ges Man­ko des Tracks ist die kur­ze Lauf­zeit, ein drit­ter Part oder eine Bridge hät­ten sicher nicht geschadet.

Para­do­xer­wei­se kommt mir die Musik von San­ta Salut nicht spa­nisch vor. Trotz der Sprach­bar­rie­re ver­ste­he ich, was die Rap­pe­rin in ihren Tex­ten aus­drü­cken will. Wenn ich Stü­cke wie "Yo Les Can­t­a­ré" höre, fällt mir immer wie­der auf: Genau­es Inhalts­ver­ständ­nis ist nicht unbe­dingt essen­zi­ell, um Rap zu fühlen.

(Tim Herr)