Who sampled who? – Türchen #16: "Motherfuckin Grinch" von Juse Ju

Schon seit die HipHop-​Kultur noch in den Kin­der­schu­hen steck­te, sind Sam­ples ein essen­zi­el­ler Teil von ihr. Von alten Klas­si­kern bis hin zu aktu­el­len Chart­hits las­sen sich in unzäh­li­gen Songs Ele­men­te aus bereits exis­tie­ren­den Wer­ken fin­den. Wem erging es noch nicht so, dass er beim Musik­hö­ren über einen bekann­ten Sound gestol­pert ist und sich dar­auf­hin den Kopf über des­sen Her­kunft zer­bro­chen hat? Oft beginnt damit eine span­nen­de Suche nach der Ori­gi­nal­auf­nah­me quer durch die Musik­his­to­rie. Aus die­sem Grund stel­len wir uns in unse­rem dies­jäh­ri­gen Advents­ka­len­der die Fra­ge "Who sam­pled who?" und öff­nen täg­lich ein neu­es Tür­chen: Wir prä­sen­tie­ren Euch 24 ver­schie­de­ne deut­sche Rap­songs und betrach­ten die Sam­ples, wel­che sich dar­in verbergen.

 

 

Was wäre unser Advents­ka­len­der ohne ein pas­sen­des Weihnachts-​Sample? Gut, dass Juse Ju ein Künst­ler ist, der text­lich immer wie­der mit pop­kul­tu­rel­len Refe­ren­zen spielt und zum Teil auch Sound­tracks und Film­zi­ta­te in sei­ne Musik mit­ein­flie­ßen lässt. 2014 schnapp­te er sich dann gleich eine der berüch­tigts­ten Weih­nachts­fi­gu­ren: den Grinch.

Der Ant­ago­nist der fröh­li­chen Weih­nachts­zeit besticht durch sei­nen Pes­si­mis­mus und Arg­wohn. Kein Wun­der also, dass sich Juse die­se Figur zu eigen macht. Schließ­lich ist ins­be­son­de­re der Pes­si­mis­mus ein wie­der­keh­ren­des Ele­ment in sei­ner Dis­ko­gra­phie. In "Mother­fuck­in Grinch" treibt er dies auf die Spit­ze und lebt sei­nen per­sön­li­chen Pes­si­mis­mus aus: "Komm, erzäh­le mir, wer du bist, und ich erzäh­le dir, war­um du schei­terst." Pas­send dazu hat V.Raeter ihm einen rum­peln­den und etwas düs­te­ren Beat gebas­telt. In die­ser bedrü­cken­den Sound­welt taucht dann auch immer wie­der der "ech­te" Grinch auf und erin­nert uns dar­an, wie schlecht es um uns bestellt ist: "You put your glas­ses back on and face the facts." Im Ori­gi­nal stammt die Stim­me des Grinch' aus Zei­chen­trick­fil­men der 60er und 70er Jah­re. Sei­ne gru­se­li­ge und zyni­sche Aus­drucks­wei­se ver­dankt er dabei den Spre­chern Boris Kar­loff und Hans Con­ried, wäh­rend der Autor Dr. Seuss die Figur 1957 in sei­nem Klas­si­ker "How the Grinch Sto­le Christ­mas" zum Leben erweck­te. Das Mons­ter passt so gar nicht in das gewohn­te Bild der fröh­li­chen Weih­nachts­fi­gu­ren – und gera­de die­ser Umstand lässt es irgend­wie auch lie­bes­wür­dig erschei­nen. Dem­entspre­chend kön­nen sich sogar eini­ge mit ihm iden­ti­fi­zie­ren, wie auch der Jus-​Meister, der sich selbst zum Unge­heu­er erklärt: "Ich bin der mother­fuck­ing Grinch, ich wer­de Weih­nach­ten steh­len."

Es ist voll­kom­men legi­tim – aus wel­chen Grün­den auch immer –, nicht nur fröhlich-​pfeifend durch die Weih­nachts­zeit zu glei­ten, son­dern auch mal ande­re Gefüh­le aus­zu­le­ben. Auch wenn Juse Ju hier mit lus­ti­gen Über­spit­zun­gen sei­ner pes­si­mis­ti­schen Ader arbei­tet, so bie­tet "Mother­fuck­in Grinch" trotz­dem eine Grund­la­ge für erns­te Über­le­gun­gen: "Leu­te sagen: 'Alles wird gut', aber ich glaub's nicht." Und so ist am Ende egal, ob nun der Grinch oder Juse Ju Weih­nach­ten stiehlt.

(Alec Weber)
(Gra­fik von Dani­el Fersch)