Who sampled who? – Türchen #13: "Dear Mozart" von Die Orsons

Schon seit die HipHop-​Kultur noch in den Kin­der­schu­hen steck­te, sind Sam­ples ein essen­zi­el­ler Teil von ihr. Von alten Klas­si­kern bis hin zu aktu­el­len Chart­hits las­sen sich in unzäh­li­gen Songs Ele­men­te aus bereits exis­tie­ren­den Wer­ken fin­den. Wem erging es noch nicht so, dass er beim Musik­hö­ren über einen bekann­ten Sound gestol­pert ist und sich dar­auf­hin den Kopf über des­sen Her­kunft zer­bro­chen hat? Oft beginnt damit eine span­nen­de Suche nach der Ori­gi­nal­auf­nah­me quer durch die Musik­his­to­rie. Aus die­sem Grund stel­len wir uns in unse­rem dies­jäh­ri­gen Advents­ka­len­der die Fra­ge "Who sam­pled who?" und öff­nen täg­lich ein neu­es Tür­chen: Wir prä­sen­tie­ren Euch 24 ver­schie­de­ne deut­sche Rap­songs und betrach­ten die Sam­ples, wel­che sich dar­in verbergen.

 

 

Klas­sik trifft Hip­Hop – zwei Wel­ten pral­len auf­ein­an­der. Was in Tanz- und Musik­fil­men ger­ne mal kli­schee­haft auf­ge­grif­fen wird, pas­siert in der rea­len Musik­welt recht oft. Der "Kanon in D-​Dur" von Johann Pachel­bel etwa wur­de fast 20-​mal in HipHop-​Songs gesam­pelt, bei­spiels­wei­se in "Die Eine" von Die Fir­ma. Doch sel­ten wur­de ein klas­si­sches Sam­ple so in den Vor­der­grund gestellt wie im Orsons-Song "Dear Mozart".

"Dear Mozart" erschien im Juni 2019 als Single-​Auskopplung vom Album "Orsons Island". Im Song füh­ren die schwä­bi­schen Spaß­ma­cher einen gedank­li­chen Dia­log mit Klassik-​Komponist Wolf­gang Ama­de­us Mozart. Es geht um die Kri­sen und Pro­ble­me unse­rer Zeit, vor allem um das The­ma Deutschrap und Auto­tu­ne – und ob Mozart moder­ne Musik wohl gemocht hät­te. Musi­ka­lisch unter­füt­tert wird das Gan­ze mit der bekann­ten Melo­die aus Mozarts 1787 kom­po­nier­ter Sere­na­de "Eine klei­ne Nacht­mu­sik". Gesun­gen wird die Melo­die von Tua, aller­dings in einer Moll-​Version mit ordent­lich Auto­tu­ne dar­über. Pas­send zum Sam­ple ist der Text gespickt mit musi­ka­li­schen Wort­spie­len. Etwa wenn Tua rappt: "Ant­ares wie die­sen sind schwe­re Zei­ten für Kunst." Zum einen eine Anleh­nung an den Tote Hosen-​Song "Tage wie die­se", zum ande­ren ist Ant­ares der Ent­wick­ler der ers­ten Autotune-​Software. Ein wei­te­res High­light ist die Maeckes-Zei­le "Wir lesen kei­ne, gehen nur auf Party-​Tour". Eine Par­ti­tur – glei­cher Klang, aber anders geschrie­ben – ist die Auf­zeich­nung mehr­stim­mi­ger Musik in Noten. So brach­te Mozart sei­ne Kom­po­si­tio­nen zu Papier – und kommt im letz­ten Part dann doch noch zu Wort, ver­kör­pert von Kaas. Er rappt: "Hier­mit ist Auto­tu­ne Mozart-​approved." Gut, dass das damit offi­zi­ell bestä­tigt ist.

Wer weiß, was für Musik Mozart mit den heu­ti­gen Mit­teln kom­po­niert hät­te. Viel­leicht hät­te er genau so einen Song für die Orsons pro­du­ziert oder sogar selbst berappt. Zumin­dest wird ihm ein Hang zu Wort­spie­le­rei­en nach­ge­sagt. Auf jeden Fall berei­tet der Song eine Men­ge Spaß beim Hören, zum einen dank der wit­zi­gen Fra­ge­stel­lung, zum ande­ren dank der genia­len Nut­zung des welt­be­kann­ten Samples.

(Tim Herr)
(Gra­fik von Dani­el Fersch)