Who sampled who? – Türchen #17: "Kultur" von Döll feat. Audio88

Schon seit die HipHop-​Kultur noch in den Kin­der­schu­hen steck­te, sind Sam­ples ein essen­zi­el­ler Teil von ihr. Von alten Klas­si­kern bis hin zu aktu­el­len Chart­hits las­sen sich in unzäh­li­gen Songs Ele­men­te aus bereits exis­tie­ren­den Wer­ken fin­den. Wem erging es noch nicht so, dass er beim Musik­hö­ren über einen bekann­ten Sound gestol­pert ist und sich dar­auf­hin den Kopf über des­sen Her­kunft zer­bro­chen hat? Oft beginnt damit eine span­nen­de Suche nach der Ori­gi­nal­auf­nah­me quer durch die Musik­his­to­rie. Aus die­sem Grund stel­len wir uns in unse­rem dies­jäh­ri­gen Advents­ka­len­der die Fra­ge "Who sam­pled who?" und öff­nen täg­lich ein neu­es Tür­chen: Wir prä­sen­tie­ren Euch 24 ver­schie­de­ne deut­sche Rap­songs und betrach­ten die Sam­ples, wel­che sich dar­in verbergen.

 

 

Dass Sam­ples für die HipHop-​Kultur essen­zi­ell sind, dürf­te so gut wie jedem bewusst sein. So hat Pro­du­zent Mor­lock­ko Plus ali­as Mor­lockk Dilem­ma für den Titel­song zu Dölls im letz­ten Jahr erschie­ne­ner EP "Kul­tur" pas­sen­der­wei­se auch eini­ge davon ver­wen­det. Das wohl prä­gnan­tes­te davon dürf­te das mit Scrat­ches von DJ Access ver­se­he­ne Vocal Sam­ple in der Hook sein.

"Posing in Gosha – for the cul­tu­re. We in the kit­chen like vul­tures – for the cul­tu­re", schallt die Stim­me von Gri­sel­da Records-​Leader West­side Gunn über den Beat. Die hier zu hören­den Zei­len stam­men im Ori­gi­nal aus dem Song "The Cow" fea­turing Con­way the Machi­ne. Die­ser ist einer der bekann­tes­ten in der His­to­rie des Labels und gilt als Para­de­bei­spiel für gelun­ge­nes, emo­tio­na­les Sto­ry­tel­ling. Pas­send zu den gesam­pel­ten Lyrics erzäh­len sowohl Döll und als auch sein Fea­ture­part­ner Audio88 von ihrer ganz per­sön­li­chen Geschich­te in der HipHop-​Kultur und dem Kampf für eben­die­se. So macht ers­te­rer am Ende sei­nes Parts klar: "Mach es für den Algo­rith­mus, mach es für 'ne Uhr – ich mach' es für die Kul­tur." Ins­ge­samt scheint Döll dem gesam­pel­ten Song sehr viel Bedeu­tung zuzu­schrei­ben, denn schon der Ope­ner "Für den Fall" zu sei­nem Album "Nie oder jetzt." aus dem Jahr 2019 basiert auf dem­sel­ben Sam­ple wie "The Cow". Dar­über hin­aus hat Döll dort den Song auch lyrisch gese­hen stel­len­wei­se neu inter­pre­tiert, der auf dem 2016 erschie­ne­nen West­side Gunn-Mix­tape "Hit­ler Wears Her­mes 4" auch den Ope­ner darstellt.

Wäh­rend sei­ner letz­ten Tour trug Döll sogar bei eini­gen Auf­trit­ten Mer­chan­di­se der Gri­sel­da Records-​Crew und zoll­te damit einer der meist­dis­ku­tier­ten Rap­grup­pen in Ame­ri­ka Respekt. Zusätz­lich ist auch eine the­ma­ti­sche Über­schnei­dung zwi­schen bei­den zu fin­den. Denn sowohl bei Döll als auch in den Songs von Con­way The Machi­ne, West­side Gunn oder Ben­ny The But­cher geht es oft um den Kampf gegen wid­ri­ge Umstän­de und per­sön­li­che Schick­sals­schlä­ge. So zeich­net sich hier eine von Dölls Inspi­ra­ti­ons­quel­len nicht nur deut­lich ab, son­dern wird dar­über hin­aus direkt in sei­ne Musik integriert.

(Nico Matu­ro)
(Gra­fik von Dani­el Fersch)