Beastie Boys

Beastie Boys – Paul's Boutique

"Was?! Du kennst das nicht? Sekun­de, ich such' dir das mal raus." Und schon öff­net sich die Plat­ten­kis­te. Wer kennt die­sen Moment nicht? Man redet über Musik und auf ein­mal fällt ein Name – egal ob von einem Song, einem:einer Künstler:in oder einem Album – mit dem man nicht so recht etwas anzu­fan­gen weiß. Und plötz­lich hagelt es Lob­prei­sun­gen, Hass­ti­ra­den oder Anek­do­ten. Gera­de dann, wenn der:die Gesprächspartner:in ins Schwär­men ver­fällt und offen zeigt, dass ihm:ihr das The­ma wich­tig ist, bit­tet man nicht all­zu sel­ten um eine Kost­pro­be. Die Musik setzt ein und es beginnt, was der Per­son so sehr am Her­zen zu lie­gen scheint. In die­sem Fall – was uns so sehr am Her­zen liegt: Ein Aus­zug aus der Musik, mit der wir etwas ver­bin­den, die wir fei­ern, die uns berührt. Ein Griff in unse­re Plat­ten­kis­te eben.

 

Ent­ge­gen vie­ler Erwar­tun­gen haben die Beas­tie Boys im Jahr 1989 allen bewie­sen, dass sie es noch drauf haben. Von Pres­se und Fans abge­schrie­ben, flo­hen sie nach LA und schu­fen dort mit viel Lie­be zum Detail "Paul's Bou­tique". Ein Album, das noch Jahr­zehn­te spä­ter die Musik­nerds auf der Suche nach Sam­ples und Refe­ren­zen beschäf­ti­gen sollte.

Schon die Ent­ste­hungs­ge­schich­te fin­de ich beson­ders: Dem gro­ßen Erfolg vom Debüt "Licen­sed to Ill" folg­te ein wil­der Ritt. Strei­tig­kei­ten über den Nach­fol­ger führ­ten zur Tren­nung von Def Jam und damit auch Star-​Producer Rick Rubin, wel­chem der Durch­bruch maß­geb­lich ange­rech­net wird. Die Beas­tie Boys ver­schwan­den dar­auf­hin von der Bild­flä­che und wur­den schon als One-​Hit-​Wonder abge­tan. Als dann "Paul's Bou­tique" erschien, flopp­te es auch noch, wes­halb das Label Capi­tol Records die Pro­mo fast kom­plett ein­stell­te. Den­noch erreich­te das Album zehn Jah­re nach Release Doppel-​Platin und avan­cier­te zum HipHop-​Meilenstein. Ein Grund dafür könn­ten die über 105 geklär­ten Sam­ples sein. Eine Mischung aus gefühlt allen Musik­rich­tun­gen bie­tet kon­trol­lier­tes Cha­os für jeden Geschmack. Auch die Tex­te sind vol­ler pop­kul­tu­rel­ler Refe­ren­zen. Ver­wei­se auf AC/​DC, das Shea Sta­di­um, Robo­tron: 2084 und vie­le mehr sor­gen dafür, dass ich beim Hören immer noch etwas Neu­es ent­de­cke. Die­se LP wird ein­fach nicht lang­wei­lig, was auch an der Har­mo­nie der drei Rap­per liegt. Die Über­gän­ge zwi­schen den MCs – nach teil­wei­se nur einer Zei­le – ver­mit­teln den Ein­druck eines gemein­sam erar­bei­te­ten Gesamt­kon­zepts. Zwei­fels­oh­ne zieht die Grup­pe an einem Strang – ein Zusam­men­halt, der ange­sichts der Ent­ste­hungs­ge­schich­te des Albums wohl auch not­wen­dig war.

"Paul's Bou­tique" von den Beas­tie Boys bie­tet so vie­le Facet­ten, dass es wahr­schein­lich jedem Musik-​Nerd das Herz auf­ge­hen lässt. Es ist vol­ler musi­ka­li­scher Höhe­punk­te. Aber auch abge­se­hen von sub­jek­ti­ven Wahr­neh­mun­gen bie­tet die Plat­te genug Mate­ri­al, um sich wochen­lang mit ihr aus­ein­an­der­zu­set­zen und sie lie­ben zu lernen.

(Blan P)