3Plusss – Auf der Stelle

"Was?! Du kennst das nicht? Sekun­de, ich such' dir das mal raus." Und schon öff­net sich die Plat­ten­kis­te. Wer kennt die­sen Moment nicht? Man redet über Musik und auf ein­mal fällt ein Name – egal ob von einem Song, einem Künst­ler oder einem Album – mit dem man nicht so recht etwas anzu­fan­gen weiß. Und plötz­lich hagelt es Lob­prei­sun­gen, Hass­ti­ra­den oder Anek­do­ten. Gera­de dann, wenn der Gesprächs­part­ner ins Schwär­men ver­fällt und offen zeigt, dass ihm das The­ma wich­tig ist, bit­tet man nicht all­zu sel­ten um eine Kost­pro­be. Die Musik setzt ein und es beginnt, was der Per­son so sehr am Her­zen zu lie­gen scheint. In die­sem Fall – was uns so sehr am Her­zen liegt: Ein Aus­zug aus der Musik, mit der wir etwas ver­bin­den, die wir fei­ern, die uns berührt. Ein Griff in unse­re Plat­ten­kis­te eben.

 

Es ist Ende Novem­ber 2015. Ich sit­ze ver­lo­ren in mei­ner ers­ten eige­nen Woh­nung und bin abge­fuckt. Doch es gibt einen Hoff­nungs­schim­mer: 3Plusss lässt wie­der etwas von sich hören und ver­öf­fent­licht "Fhug Life", den ers­ten Track aus sei­ner "Auf der Stelle"-EP, in dem es dar­um geht, was ihn alles ankotzt. Laut kra­chend stürzt er auf mich her­ab und spie­gelt mei­ne Stim­mung wider. Er ist anders als das, was ich bis­her von 3Plusss gehört habe – er ist gut, ver­dammt gut. Ein gelun­ge­ner Start­schuss für das, was fol­gen soll­te.

Mit der EP ler­ne ich eine kom­plett neue, emo­tio­na­le und tief­grün­di­ge Sei­te des Künst­lers ken­nen. Das Gefühl, nicht zu wis­sen, wo man im Leben steht und was einen erwar­tet, wird bereits durch den Titel­song "Auf der Stel­le" so gut trans­por­tiert, wie es kaum ein ande­res Lied schafft. Rast­lo­sig­keit, Schwie­rig­kei­ten, aus sei­ner Kom­fort­zo­ne aus­zu­bre­chen – die The­men, die 3Plusss auf sei­ner EP anspricht, haben mich zu der dama­li­gen Zeit sehr beschäf­tigt und tun das auch heu­te immer wie­der. Und genau­so groß­ar­tig wie die EP beginnt, endet sie auch – mit dem Song "Schwei­gen". Wo ande­re Rap­per der Ex nach­trau­ern, erzählt 3Plusss nüch­tern, wie es ist, wenn sich zwei Freun­de nichts mehr zu sagen haben und aus­ein­an­der­le­ben. Eine The­ma­tik, die vie­le ken­nen, aber kaum jemand in Wor­te fasst: ein Tren­nungs­lied über Freund­schaft. Das ver­ba­li­siert er auf eine Art und Wei­se, die bedrü­ckend und aggres­siv zugleich ist. Es ent­steht eine melan­cho­li­sche und tief­grün­di­ge Atmo­sphä­re über die gesam­te EP hin­weg, die nicht zuletzt auch von Ben­nett On und Peet stammt. Jeder Song endet mit einem musi­ka­lisch gelun­ge­nen Abspann, der die Tracks pas­send aus­klin­gen lässt.

3Plusss hat mit "Auf der Stel­le" etwas geschaf­fen, was im Gegen­satz zu sei­nen vori­gen Musik­stü­cken in keins­ter Wei­se deplat­ziert wirkt und somit einen erfolg­rei­chen Stil­wech­sel voll­bracht. Das Werk ist sowohl text­lich als auch melo­disch einer mei­ner Favo­ri­ten. Und wenn es abschlie­ßend noch etwas gibt, was mir die­se EP näher­ge­bracht hat, dann sind es Pin­gui­ne.

(Kira Fech­ner)