Argonautiks – Trauben Über Gold

Bru­der, guck, mein Tape zer­sägt im Hand­um­dre­hen den Nerv der Zeit.

Es ist bekann­ter­ma­ßen etwas her, dass Batt­ler­ap in Deutsch­land ein gan­zes Gen­re geprägt und domi­niert hat. Heu­te ist die­se Spar­te nicht mehr ganz so groß. Aller­dings gibt es eine Men­ge Künst­ler, die immer noch die Fah­ne hoch­hal­ten. Nur sel­ten sind dar­un­ter aber Musi­ker, die das Gen­re nach wie vor wei­ter­ent­wi­ckeln. Zu denen zäh­len die Argo­nau­tiks, denn die Ber­li­ner machen zwar "klas­si­schen" Batt­ler­ap – aber auch eini­ges anders.

Hört man sich durch die zwölf Tracks von "Trau­ben Über Gold", wer­den eini­ge Ein­flüs­se schnell klar. Ob Ver­wei­se auf M.O.R. oder Sam­ples vom ers­ten Sido-​Album: Die Wir­kung alter Battlerap-​Pioniere ist leicht raus­zu­hö­ren, auch weil sie gar nicht erst ver­steckt wird. Paul Usch­ta und Tim­my Tales sind wütend, wes­we­gen sie auch auf ihrer drit­ten Plat­te gewohnt aggres­siv blei­ben und lyrisch auf die Fres­se geben. Das bedeu­tet aber nicht, dass nur stumpf belei­digt wird. Denn trotz des text­lich oft so ein­di­men­sio­na­len The­men­felds des Gen­res gelingt es den Künst­lern, die ein oder ande­re Gesell­schafts­kri­tik unter­zu­brin­gen und jeden Song neu und frisch klin­gen zu las­sen. Zu der sti­lis­ti­schen Punkt­lan­dung ihrer Plat­te hat ihr lang­jäh­ri­ger Pro­du­zent Don­nie Bom­bay einen gro­ßen Teil bei­getra­gen. Sei­ne Beats heben sich durch futu­ris­ti­sche und elek­tro­ni­sche Ele­men­te kom­plett von der 08/​15-​Boom bap-​Masse ab, trei­ben nach vor­ne und kom­men auch ohne Rap sehr gut aus. Auch in einem ande­ren Aspekt sticht das Album beson­ders posi­tiv her­vor. Die Argo­nau­tiks ver­zich­ten größ­ten­teils auf dis­kri­mi­nie­ren­de Lines, die bei Sze­ne­kol­le­gen oft Stan­dard sind. Dass sie es jedoch nicht ganz schaf­fen, ist in die­sen Momen­ten beson­ders scha­de.

"Trau­ben Über Gold" ist ast­rei­ner Batt­ler­ap, die Plat­te lässt sich aber nicht nur dar­auf redu­zie­ren. Von moder­nen Instru­men­tals, gele­gent­li­cher Gesell­schafts­kri­tik bis hin zu einer kom­pro­miss­lo­sen und authen­ti­schen Aggres­si­vi­tät – es wird genug anders gemacht, um sich abzu­he­ben und Gen­re­gren­zen zu ver­schie­ben.

(Jakob Zim­mer­mann)