Adventskalender: Türchen #07 Falk Schacht & Jule Wasabi

Und wie­der neigt sich ein prall gefüll­tes HipHop-​Jahr dem Ende zu. Um es gebüh­rend abzu­schlie­ßen, stell­ten wir rele­van­ten Per­sön­lich­kei­ten der deut­schen HipHop-​Szene vier Fra­gen zu den ver­gan­ge­nen Mona­ten. Egal, ob Jour­na­list, Rap­per, Pro­du­zent oder ande­re, dem Hip­Hop nahe­ste­hen­de Künst­ler – sie alle ver­ra­ten uns ihre per­sön­li­chen High­lights aus 2019. Zudem beant­wor­te­ten sie uns eine wei­te­re Fra­ge, um auch das ver­gan­ge­ne Jahr­zehnt noch ein­mal Revue pas­sie­ren zu las­sen. Somit las­sen wir nicht nur ein ein­zel­nes Jahr, son­dern gleich eine gan­ze Deka­de fei­er­lich aus­klin­gen. Wir wün­schen unse­ren Lesern sowie allen Lieb­ha­bern und Prot­ago­nis­ten der Kul­tur eine besinn­li­che Weih­nachts­zeit.

 

Falk Schacht

MZEE​.com: Wel­ches Album aus die­sem Jahr war dein abso­lu­ter Favo­rit?

Falk Schacht: Das bes­te Album des Jah­res hat für mich KUMMER mit "KIOX" abge­lie­fert. Es ist so schmerz­haft, wie sehr sei­ne Punch­li­nes den Nagel auf den Kopf tref­fen und trotz­dem jeder wei­ter­macht, als wäre alles egal. Neben KUMMER gab es natür­lich noch viel mehr Sound­tracks zum Unter­gang: von Ulys­se, Mor­lockk Dilem­ma, MC Rene, Fato­ni, John­ny Rake­te oder Flo­win IMMOs "FILMMM".

MZEE​.com: Und wer ist dei­ne Per­sön­lich­keit des Jah­res der deut­schen Rap­sze­ne?

Falk Schacht: Der MC ist weib­lich. Das sind alle Frau­en in der Sze­ne, die in den letz­ten Mona­ten dafür gesorgt haben, dass ihre Sicht­bar­keit erhöht wird. Im Spe­zi­el­len wür­de ich da das Pro­jekt "365 Fema­le MCs" von Lina Burg­hau­sen von der Agen­tur Mona Lina her­vor­he­ben wol­len. Das ist purer Hip­Hop. Sie wuss­te etwas bes­ser und hat es dann ein­fach gemacht.

MZEE​.com: Von wel­chem New­co­mer 2019 wird man in den nächs­ten Jah­ren noch viel hören?

Falk Schacht: Von Ulys­se, Kwam.E, Fel­ly, JACE, Don­vtel­lo, Tigh­till und eini­gen ande­ren wird noch vie­les kom­men.

MZEE​.com: Wel­che Emp­feh­lung aus dem Jahr 2019 kannst du unse­ren Lesern vor Ende des Jah­res noch geben?

Falk Schacht: Mei­nen neu­en Pod­cast mit Niko BACKSPIN, der "Rap ist Kampf­sport" heißt, wür­de ich ganz unei­gen­nüt­zig emp­feh­len.

MZEE​.com: Mit 2019 endet auch gleich­zei­tig eine Deka­de. Was waren dei­ne liebs­ten drei Alben aus den 2010er Jah­ren?

Falk Schacht: Cas­pers "XOXO" und Mar­te­ri­as "Zum Glück in die Zukunft". Deut­scher Rap liegt am Boden und ist ide­en­los as fuck. Die­se bei­den haben dabei gehol­fen, Deutschrap den Stock aus dem Arsch zu zie­hen und die Krea­ti­vi­tät und Locker­heit zurück­zu­brin­gen. Audio88 & Yas­sins "Nor­ma­ler Samt" zeigt auf beein­dru­cken­de Art und Wei­se, wie man sich vom Under­ground Act zu einem renom­mier­ten Künst­ler ent­wi­ckeln kann, ohne dabei sei­ne künst­le­ri­sche Inte­gri­tät zu ver­lie­ren. Nie­mand wür­de sagen: Frü­her war alles bes­ser. Es war nur anders. Ton­nen von Underground-​Alben namen­lo­ser MCs oder ein­zel­ne Tracks, die ein­fach dope sind. Ich höre sehr viel Musik von New­co­mern, weil sie am span­nends­ten ist. Sie haben nichts zu ver­lie­ren und trau­en sich ein­fach mal, was zu machen. Das sind tau­sen­de Namen, die ich hier nicht unter­brin­gen kann, ohne mit Excel-​Dateien zu arbei­ten.

 

Jule Wasa­bi

MZEE​.com: Wel­ches Album aus die­sem Jahr war dein abso­lu­ter Favo­rit?

Jule Wasa­bi: Mein abso­lu­ter Favo­rit ist "Geist" von OG Kee­mo und Funk­va­ter Frank. Ich fin­de, das ist ein­fach das kras­ses­te Album.

MZEE​.com: Und wer ist dei­ne Per­sön­lich­keit des Jah­res der deut­schen Rap­sze­ne?

Jule Wasa­bi: Das ist für mich KeKe, weil: Frau­en an die Macht! Ich find' die ein­fach mega, das gan­ze Body Positivity-​Ding. Die Fea­tures auf der Trettmann- und der KUMMER-​Platte waren auch stark. Sie ist für mich ein abso­lu­tes Vor­bild und ich lieb' sie total.

MZEE​.com: Von wel­chem New­co­mer 2019 wird man in den nächs­ten Jah­ren noch viel hören?

Jule Wasa­bi: Yung Kafa & Kücük Efen­di. Ich mag den Sound von denen und fin­de das gan­ze Art­work krass. Ich kann total ver­ste­hen, dass Ufo361 das jetzt auf­ge­grif­fen hat. Die bei­den legen ein­fach einen hef­ti­gen Job hin und des­halb ganz viel Lie­be für die.

MZEE​.com: Wel­che Emp­feh­lung aus dem Jahr 2019 kannst du unse­ren Lesern vor Ende des Jah­res noch geben?

Jule Wasa­bi: Den Part von Mikesh gegen Yaram­bo im Tit­le­match von Don't Let the Label Label You. Ich habe das auch vor eini­gen Wochen auf mei­nem Instagram-​Account geteilt, weil ich es so stark fin­de, wie er sich ein­setzt und Batt­lerap auf eine neue­re, moder­ne Ebe­ne hebt. Mir feh­len die Wor­te. Ich fin­de, das ist einer der kras­ses­ten Battlerap-​Parts, die ich je gehört habe. Dass Mikesh da etwas schafft, was vor­her in der Form noch kei­ner geschafft hat: eine lyri­sche Zer­bers­tung auf einem Level, das end­lich mal modern ist – und end­lich mal The­men auf­greift … Er setzt sich als Mann so für Frau­en­rech­te ein, das fin­de ich ultra­krass. Das soll­te jeder gese­hen haben.

MZEE​.com: Mit 2019 endet auch gleich­zei­tig eine Deka­de. Was waren dei­ne liebs­ten drei Alben aus den 2010er Jah­ren?

Jule Wasa­bi: Das war für mich wahr­schein­lich die wich­tigs­te Deutschrap-​Dekade in mei­nem Leben. 2012 habe ich mit Rap-​Interviews ange­fan­gen und des­halb wür­de ich auf jeden Fall das Album, zu dem ich mein aller­ers­tes Deutschrap-​Interview geführt habe, wäh­len: Das ist "Ganz oben" von K.I.Z. Mit dem hat für mich alles ange­fan­gen. Des­halb hat es für mich eine ganz per­sön­li­che Bedeu­tung. Ich fand das Album ein­fach krass, wobei mir eigent­lich "Urlaub fürs Gehirn" noch bes­ser gefal­len hat. Trotz­dem neh­me ich wegen der per­sön­li­chen Bedeu­tung "Ganz oben". Das zwei­te ist die "Die Wel­le" von Lan­ce But­ters und Ahzum­jot aus 2016. Die­se Plat­te ist so gut und die bei­den in der Kom­bi­na­ti­on sind mega­stark. Ich höre das auf jeden Fall noch monat­lich, obwohl es schon fast vier Jah­re alt ist. Als ich das ers­te Mal den Track "Die Wel­le" gehört habe, bin ich in der Bahn nicht drauf klar­ge­kom­men, dass deut­scher Rap so gut sein kann. Für mich ist das auch einer der stärks­ten Songs, die es jemals im deutsch­spra­chi­gen Rap gege­ben hat. Damit ste­he ich wahr­schein­lich allein auf wei­ter Flur, weil es nie so als Favo­rit genannt wur­de, aber das ist einer mei­ner Lieb­lings­tracks und auch eins mei­ner liebs­ten Alben. Als drit­tes wäh­le ich eine Plat­te, die wahr­schein­lich alle in ihre Favo­ri­ten packen wür­den: "DIY" von Trett­mann. Ich hör' das so oft und fin­de es hef­tig, was er da geschafft hat. Für mich hat er Deutschrap dadurch auf eine neue Ebe­ne geho­ben, auch zusam­men­füh­rend. In den gan­zen Gangsterrap-​Zeiten, in denen ich auch lan­ge steck­te, ist "DIY" für mich so eine Art neue Erlö­sung gewe­sen. Ein kras­ser Sound von Kitsch­krieg, der ganz anders ist als das, was man zu dem Zeit­punkt kann­te. Ich fin­de, dass Trett­mann vor allem mit "Grau­er Beton", aber auch mit ganz vie­len ande­ren Tracks auf dem Album, neue Stan­dards gesetzt hat. Und vor allem freue ich mich, dass er damit so ein Revi­val fei­ern konn­te. Ich will jetzt nicht sagen, einen zwei­ten Früh­ling, weil es ja eigent­lich sein Durch­bruch war … Aber mal ganz weg von mir, mei­nen per­sön­li­chen Erleb­nis­sen und mei­nem Gus­to zu dem Album, ist es ein­fach hef­tig, dass er sich damit das Mär­chen selbst erfüllt hat. Des­we­gen gön­ne ich ihm das total. Immer noch ein kran­kes Album und ganz viel Lie­be an Trett­mann.

(Anna Eber­ding & Kris­ti­na Scheu­ner)
(Foto von San­dra Mül­ler (Falk Schacht) & Oğuz Yil­maz (Jule Wasa­bi))
(Gra­fik von Dani­el Fersch)