Lumaraa – Zu persönlich

Ich schreib' mein Leben auf Papier, muss nie­man­den hier kopier'n.
Des­halb sagen sie: 'Es ist zu per­sön­lich.'

"Das ist mein per­sön­lichs­tes Album." – Die­sen Satz haben schon unend­lich vie­le Musi­ker über unend­lich vie­le Ver­öf­fent­li­chun­gen gesagt. Jedes Mal soll das neue Werk ganz beson­ders per­sön­lich und das "Ich" bes­ser ein­fan­gen wor­den sein als je zuvor. Mehr wur­de angeb­lich noch nie auf Alb­um­län­ge preis­ge­ge­ben. Man kennt die Phra­sen­dre­scherei ent­spre­chen­der Pro­mo­tex­te. Ob es in die­sem Fall der exak­te Gegen­ent­wurf ist, wird sich zei­gen. Ist Luma­r­aas neue LP "zu per­sön­lich"?

Schon der Titel­track ihrer nun­mehr vier­ten Plat­te schafft Klar­heit bezüg­lich der Namens­in­ten­ti­on: Luma­r­aa sieht sich all­zu oft mit der Kri­tik kon­fron­tiert, dass ihre Musik "zu per­sön­lich" sei. Ändern will sie des­halb aber weder etwas an ihrem Stil noch den Inhal­ten ihrer Lie­der. Und so gibt es emo­tio­na­le wie nach­denk­li­che Tex­te – dar­ge­bracht auf einem tech­ni­schen Niveau, das sich durch­aus hören las­sen kann. Die Rap­pe­rin the­ma­ti­siert Beziehungs- sowie Fami­li­en­pro­ble­me eben­so wie ihre Gedan­ken und Gefüh­le zum Auf und Ab des Künst­ler­da­seins und der eige­nen Stim­mung. Abwechs­lung brin­gen hier­bei nicht nur unter­schied­li­che Flows, son­dern auch die Tat­sa­che, dass Luma­r­aa ihre eige­nen Hooks singt – ohne dass ihr Gesang deplat­ziert wirkt. Die oft­mals ein wenig zu pop­pi­ge Atmo­sphä­re, die dadurch bei man­chem Song auf­kommt, wird glück­li­cher­wei­se durch strai­gh­te Rap­t­racks aus­ge­gli­chen, was zu einem aus­ge­wo­ge­nen Gesamt­ein­druck des Albums führt.

Ob man einen so inti­men Ein­blick in Luma­r­aas Gefühls- und Gedan­ken­welt haben möch­te, muss wohl jeder selbst ent­schei­den. Genau wie die Fra­ge, ob man über­haupt Inter­es­se dar­an hat, über die Bezie­hung zu ihren Eltern, der Schwes­ter oder dem Freund so genau Bescheid zu wis­sen. Letzt­lich scheint es beim Schaf­fens­pro­zess des neu­es­ten Werks der Künst­le­rin dar­um gegan­gen zu sein, dass sie sich die­se The­men selbst von der See­le schrei­ben und rap­pen kann – und sowas kann eigent­lich gar nicht "zu per­sön­lich" wer­den.

(Dani­el Fersch)