Koljah – Aber der Abgrund

Nehmt die­ses Lied, erstickt dar­an, schreibt eine Rezen­si­on.

Nach­dem Dan­ger Dan letz­tes Jahr mit einem Solo-​Album ordent­lich in der Sze­ne ein­ge­schla­gen hat, ist nun die nächs­te Anti­lo­pe, Kol­jah, mit "Aber der Abgrund" an der Rei­he. Wie auch Dan­ger wan­delt der Düs­sel­dor­fer nicht das ers­te Mal auf dem Solo-​Pfad, aller­dings ist "Publi­kums­be­schimp­fung" jetzt schon neun Jah­re her … Bleibt die Fra­ge: Funk­tio­niert sei­ne Musik über­haupt noch außer­halb der Gang?

Die Ant­wort dar­auf fin­det sich schnel­ler als erwar­tet, wenn Kol­jah Koh­le­ri­ka direkt vol­ler Hass in "Haupt­sa­che Koh­le" ein­steigt. Eben­so wird hier auch schon in etwa klar, in wel­che Rich­tung die EP geht: "Aber der Abgrund" beinhal­tet sie­ben Tracks vol­ler Selbst­ver­herr­li­chung, Hass auf sich selbst und auf ande­re. Wider­spricht sich das teil­wei­se? Durch­aus. Und das tut Kol­jah gene­rell in den gera­de mal 20 Minu­ten Spiel­zeit immer wie­der. Er ist hin und her geris­sen zwi­schen dem Dreck, der in der Sze­ne abgeht, und der Tat­sa­che, dass er der bes­te Rap­per ist – zwi­schen dem Stolz, von den Dro­gen weg zu sein, und den Ver­su­chun­gen, wie­der damit anzu­fan­gen. Stän­dig bewegt er sich am Ran­de des Abgrunds, ohne hin­ab­zu­stür­zen, und nimmt dabei weder der HipHop-​Konkurrenz noch sich selbst oder den Anti­lo­pen gegen­über ein Blatt vor den Mund. Damit ist die EP inhalt­lich sehr kom­plex, aber eben­so tief­grün­dig und hebt sich durch­aus posi­tiv von der Mas­se ab. Die meist düs­te­ren Beats, die unter ande­rem von Yourz oder auch Dienst&Schulter kom­men, tun dabei ihr übri­ges, dem Gesamt­pro­dukt den letz­ten Schliff zu geben.

"Aber der Abgrund" ist am Ende eben etwas ganz ande­res als ein Anti­lo­pen Gang-​Release oder die Solo-​Releases von Kol­jahs Crew­kol­le­gen. Doch es ist gleich­zei­tig auch anders als das, was man im Mainstream-​HipHop hört und alles ande­re als schlecht. Der Düs­sel­dor­fer trifft nicht nur einen gesell­schaft­li­chen Nerv, son­dern weiß auch zu unter­hal­ten und bringt dem Hörer ein viel­schich­ti­ges Release, dem man mehr als nur ein­mal Gehör schen­ken wird – wenn nicht sogar muss …

(Lukas Päck­ert)