Redaktion:
Am 9.Mai veröffentlichte der Bielefelder Rapper Casper knapp zwei Jahre nach seinem Mixtape „Die Welt hört mich“ sein lange erwartetes Debütalbum „Hin zur Sonne“. Das 15 Tracks umfassende Werk wurde von Gambit Entertainment, Emonex, Firebyrdz, Riff und Cyrus produziert. Der Mainzer Top-Produzent Shuko stand als Executive Producer zur Seite. Als Unterstützung hat sich Casper Prinz PI, Kollegah, Tua, Vega und Amaris in die Booth geholt. Wir sprachen mit Cas über das Album, deepe Tracks, seine Vergangenheit und vieles mehr:
MZEE.com: Es ist jetzt eine Woche nach deinem Album-Release vergangen. Wie fühlst du dich? Wie ist das erste Feedback?
Casper: Das Feedback war der absolute Hammer! Ich habe, womit ich wirklich nicht gerechnet hätte, eigentlich durchweg gute Resonanzen bekommen und ich bin einfach nur froh, dass die Platte gut anzukommen scheint. Das ist ja eh so eine Achterbahnfahrt während eines Releases, zuerst die Erleichterung, dass man es fertig hat, dann die Nervosität, wie es wohl ankommen wird, Angst, dass alles okay läuft und dann wieder Euphorie, wenn wirklich positives zurückkommt. Aber ein bitterer Beigeschmack bleibt: irgendwie muss ich die letzten beiden Semester nachgearbeitet bekommen. Nicht das Mutter das mitbekommt ey… (Gelächter)
MZEE.com: Wie wichtig war im Nachhinein betrachtet der Release von „Die Welt hört mich“? Du hast damals durchweg fast nur positive Kritiken bekommen…
Casper: Sehr wichtig. Extrem wichtig sogar. Ich weiß, dass ich das zwar schon hundertmal erzählt habe, aber „Die Welt hört mich“ war ja im Grunde nie wirklich für die Öffentlichkeit gedacht. Das ist ja nur rausgekommen, weil Tom und Chris das für nötig hielten (lacht). Alles, was dann darauf zurückkam, war ne einzige Wolke! Wenn man zurückdenkt, wie das aufgenommen wurde, mit was für einer Leichtigkeit und Naivität, dann ist das schon ein kleines Wunder. Außerdem hab ich ja zu der Zeit eigentlich nicht wirklich gerappt, das ist mehr

MZEE.com: Es ist jetzt eine Woche nach deinem Album-Release vergangen. Wie fühlst du dich? Wie ist das erste Feedback?
Casper: Das Feedback war der absolute Hammer! Ich habe, womit ich wirklich nicht gerechnet hätte, eigentlich durchweg gute Resonanzen bekommen und ich bin einfach nur froh, dass die Platte gut anzukommen scheint. Das ist ja eh so eine Achterbahnfahrt während eines Releases, zuerst die Erleichterung, dass man es fertig hat, dann die Nervosität, wie es wohl ankommen wird, Angst, dass alles okay läuft und dann wieder Euphorie, wenn wirklich positives zurückkommt. Aber ein bitterer Beigeschmack bleibt: irgendwie muss ich die letzten beiden Semester nachgearbeitet bekommen. Nicht das Mutter das mitbekommt ey… (Gelächter)
MZEE.com: Wie wichtig war im Nachhinein betrachtet der Release von „Die Welt hört mich“? Du hast damals durchweg fast nur positive Kritiken bekommen…
Casper: Sehr wichtig. Extrem wichtig sogar. Ich weiß, dass ich das zwar schon hundertmal erzählt habe, aber „Die Welt hört mich“ war ja im Grunde nie wirklich für die Öffentlichkeit gedacht. Das ist ja nur rausgekommen, weil Tom und Chris das für nötig hielten (lacht). Alles, was dann darauf zurückkam, war ne einzige Wolke! Wenn man zurückdenkt, wie das aufgenommen wurde, mit was für einer Leichtigkeit und Naivität, dann ist das schon ein kleines Wunder. Außerdem hab ich ja zu der Zeit eigentlich nicht wirklich gerappt, das ist mehr
ein komplettes Spaßprojekt gewesen, dass uns das auf Splashbühnen bringt, das hätte nie im Leben auch nur einer von uns zu träumen gewagt.

MZEE.com: Das Album kommt jetzt zwei Jahre nach dem Mixtape. Gerade nach dem Erfolg des Mixtapes musst du ja ein gewissen Druck bei den Aufnahmen gespürt haben oder? Hattest du Zweifel gehabt oder vielleicht auch Versagensangst, dein Mixtape nicht toppen zu können?
Casper: Absolut. Durchgehend eigentlich. Das ist ja mit der Grund, warum es überhaupt so lange gedauert hat, das Album fertig zu stellen. Man hat da dieses Mixtape gemacht, was durch die Decke schoss und nun muss man das toppen, hat aber keine Ahnung, wie man das damals angestellt hat. Dann wurde die Sache ziemlich verkopft, also wirklich so, dass es mir den Schlaf geraubt hat. Dieser Druck an mich selbst war unglaublich. Ich dachte, jede Line muss mega werden, jeder Beat muss krass sein, dazu muss alles einhundert Prozent kohärent sein. Der typische Rapfan würde es „kopfgef*ckt“ nennen. Hinzu kam, dass jedes Label, bis auf wenige Ausnahmen, von Major bis Indie, alle auf der Matte standen und jeder „seine Casper Vision“ breitgelabert hat. Da muss man sich ein dickes Fell angewöhnen, um nicht abzuheben. Luxusprobleme eigentlich, aber frustrierend ohne Ende.
MZEE.com: Wann wurde dir klar, dass es darum gar nicht geht, dein Mixtape zu toppen? Gab es einen Wendepunkt?
Casper: Das wurde mir klar, als irgendwann einfach der Zeitdruck so enorm hoch war, dass ich das Release wirklich Tag und Nacht durchdrücken musste. Als man gar nicht die Zeit hatte, sich nen Kopf zu machen, zu organisieren, Pläne zu schmieden, Beats zu suchen oder sonst was. Als es einfach nur noch darum ging, zu machen und nicht zu denken. Da sind dann auch wirklich beim Schreiben die Emotionen gekommen, nach denen ich all zu lange gesucht hatte. Weißt du, man hört einfach, wenn sich einer hingesetzt und auf Knopfdruck „deep“ sein wollte. Genau so hört man aber auch, wenn jemand einen Beat gehört hat, der ihn wirklich berührt. Und genau die konnten die Produzenten dann auch genau in den richtigen Momenten liefern. „Kein Held“ zum Beispiel, das ging so grade runter.
MZEE.com: Es gibt in Deutschland einige Rapper, die diese pseudo-deepen Tracks auf ihren Alben haben. Also dieses „deep“ auf Knopfdruck. Dir nimmt man deine deepen Lyrics ab. Woran meinst du liegt das?
Casper: Ich finde das ganz schrecklich, wenn Rapper deepe Songs schreiben, die sie dann genau so einrappen wie Battleparts. Oder wo man einfach nur Phrasen aneinander gedroschen hört wie „Schmerz im Herz“ oder so was. Ganz mies. Das Ding ist, dass jeder einfach das machen sollte, was er liebt und kann. Im Endeffekt sind wir doch alle aus den Zeiten raus, in denen man „geplante“ Alben mit den „Quotenliebesliedern“ macht, verdient doch eh keiner was dran. Ich find das immer ziemlich hohl, wenn auf einem Album 15 Songs lang jede Mutter gef*ckt, jedes Auto gefahren und jede Hoe gepimpert wurde, und dann plötzlich der Song „an die Liebe des Lebens“ kommt.

MZEE.com: Was muss denn ein deeper Track haben, damit er auch bei den Hörern ankommt?
Casper: Keine Ahnung. Ich bin ja nicht mal in dem Standpunkt zu sagen, ob meine deepen Songs denn überhaupt das Gelbe vom Ei sind. Ich mach halt einfach gerne so tiefe Sachen. Deep ist ja relativ. Grundlegend kann man aber denk ich sagen, dass ein deeper Song entwaffnend ehrlich sein muss. Was nützt es denn zu sagen „ich vermiss dich“ oder „ich liebe dich über alles“, wenn man dann nicht mal anführen kann, warum? Erlebtes beschreiben ist sicherlich auch gut, kleine Insider reinbringen, die Sache so beschreiben, als würdest du es deinem allerbesten Freund erzählen, der drauf schwört, dass er es keinem sagt. Oder noch besser, als wäre es das letzte, was du je sagen könntest. Das ist denk ich mal ziemlich wichtig.
MZEE.com: Hast du manchmal das Gefühl, dass deine Fans auf deinem Album 15 Mal Tracks wie „Kippenpause“ erwarten?
Casper: Ehrlich gesagt ist ja mein Problem, dass ich irgendwie gar keine Ahnung habe, was meine Fans hören wollen, das ist so breit gefächert. Es gibt diejenigen, die sagen, dass sie die deepen Songs scheiße finden und lieber Battle-Sachen von mir hören, dann gibt's aber auch diejenigen, die den Battlekram total beschissen finden und am liebsten ein komplett destruktives, melancholisches Album hören wollen. Dadurch, dass das aber so breit gefächert ist, lässt es mir die Möglichkeiten, immer das zu machen, was ich will. Ich bin da nicht geprägt oder in Schubladen gepresst worden. Aber mal ganz im ernst, wer würde denn auf ein Konzert kommen wollen und nur Sachen wie Kippenpause hören wollen? Was wirklich ein Problem ist, ist dass ich halt mein „Kippenpause“ und mein „Lippenlesen“ schon geschrieben habe. Das sind so die Songs, an denen werde ich glaub ich immer gemessen werden. Aber auch hier wieder: Luxusproblem. Das Album scheint den Supportern zu gefallen, ich bin sowieso stolz drauf und das ist das Wichtigste. Alles darüber hinaus ist Bonus. Jede geile Show, jedes verkaufte Album, Festivals, eventuelle „Zusammenarbeits-Möglichkeiten“ oder was weiß ich was noch... all so was ist die Kirsche oben drauf.
Weiter auf Seite 2.
MZEE.com: In einem Interview hast du mal im Bezug auf Musik gesagt: „Die Menschen wollen nicht tanzen, Menschen wollen sich identifizieren, sich wiederfinden.“ Bist du kein Tänzer? Oder ist dir dieses Identifikations-Ding wichtiger? Es gibt ja auch Leute, die wollen einfach nur Feiern. Oder sprichst du mit dieser Aussage nur deine Fans an?
Casper: Ich glaube, das wurde missverstanden. Tanzen ist megageil. Aber was einfach vorbei ist, ist dieses stumpfe Eurodance „la la la la“ und Choreographie einstudieren und was weiß ich nicht alles. Bestes Beispiel ist KIZ, da „tanzt“ man nicht, da „rastet man aus“. Oder „Stronger“ von Kanye, das läuft in jedem Club rauf und runter, ist aber doch ein anspruchsvoller und guter Song. Ich glaube einfach, dass die Jugend von heute stark unterschätzt wird. Wenn man sich MySpace oder Youtube anguckt, da werden derbe Sachen wie Robyn oder Justice hart gefeiert und gehypet, trotzdem traut sich kein Major da dran, da gibt's dann lieber so was wie Sha oder Schnuffelsongscheiße. Hauptsache, die Masse bewegt sich. Wer sich viel bewegt, denkt weniger. So irgendwie.

MZEE.com: Gehen wir ein bisschen in die Vergangenheit. Hast du noch Erinnerungen an deine Kindheit in den USA?
Casper: Viele. Gute wie auch schlechte. Aber das verrückte daran ist ja, dass da noch so Grauzonen dazwischen sind. Bei manchen „Erinnerungen“ weiß ich echt nicht, ob das wirklich passiert ist, oder ob man das mal geträumt hat. Auch hier sowohl richtig schlimme Dinge, als auch total schöne Momente. Der Tag, an dem ich mich mal mit meiner Mutter und meiner Schwester hinsetze und alles einfach erzählt bekomme, aufarbeiten kann, ich glaube, der ist noch weit entfernt, da sind wir alle noch nicht bereit für. Es ist quatsch, auf einer schrägen Kindheit rumzureiten und das würde ich auch niemals tun, aber ich glaube, ein solches Gespräch würde helfen, vieles besser zu verstehen. Den ein oder anderen Kram vielleicht endgültig beiseite legen zu können und mit vielem einfach meinen Frieden finden. Wir alle, als Familie. Aber das wird Zeit brauchen und auch schwer sein. Aber im Grunde war Amerika schon ziemlich geil.
MZEE.com: Also verfolgt dich das noch in irgendeiner Weise, oder hast du damit schon komplett abgeschlossen?
Casper: Noch lange nicht. Manchmal hat man einfach Situationen, wo man anders reagiert als man gerne würde und fragt sich, woher das kommt. Als Kind blendet man ja auch viel aus, dichtet viel dazu, sieht die Welt ganz anders. Oh Gott, das klingt, als hätte ich richtige Probleme (lacht).
MZEE.com: Der Intro-Track "Hin zur Sonne" ist eine Art Selbsttherapie, du beschreibst deine Vergangenheit. Wie wichtig ist dir der Song und welche Rolle spielt er für dich?
Casper: Sehr wichtig. Und ich habe diesen Song auch lange vor mich hergetragen und wusste nicht, wie ich ihn anpacken sollte. Dann hatte ich die erste Strophe, dann die dritte. Beim Schreiben der zweiten ist soviel wieder hochgekommen und dann wusste ich einfach nicht, ob man das überhaupt so auf die Menschheit loslassen sollte, ob das nicht vielleicht ein Stück weit echt zu viel erzählt ist. Ob das nicht einfach auch zu unspektakulär ist. Ich mein, im Grunde ist das „nur“ ein Beat und ein paar Raps, da passiert ja nichts Großes. Letzten Endes wollte ich dann aber doch genau diesen Song zum Titeltrack machen, da ich fand, dass es mich als Person sehr gut beschreibt, erklärt, vielleicht auch nur vorstellt. Der Song ist extrem wichtig. Für mich. Und das sollte immer noch an erster stelle stehen.
MZEE.com: Nach der KDZ-Trennung hattest du auch das Musikgenre gewechselt. Du hattest eine eigene Metalcore-Crew gegründet. Wieso dieser krasse Schritt damals?
Casper: Was viele nicht wussten war, dass ich immer Hardcore und Rap gehört habe. Mal das eine mehr, mal das andere. Aber es war einfach nach dem ganzen Stress um KDZ drum herum für mich an der Zeit zu sagen „okay, ich hatte meine Crew, es ist leider nicht so gelaufen wie ich mir das alles dachte, was anderes will ich gar nicht. Dann lieber nichts mehr“ und habe von heute auf morgen das Mic an den Nagel gehängt. Einfach weil ich gar keinen Bock mehr auf diese Szene hatte, die sich schon gebessert hat, aber im Grunde immer noch aus total „geradeaus denkenden Schubladenmenschen“ besteht. Ich mein, ganz im Ernst, aber allein schon diese ganze „no homo“-Scheiße ist doch schon so unterirdisch dumm, das kannste eigentlich keinem erzählen... aber zurück zur Frage... auf jeden fall habe ich dann diesen Hardcore-Kram für mich wiederentdeckt und mich da auch komplett in die Szene fallen lassen, wo ich mich einfach auch bis zum heutigen Tage wohl fühle. Irgendwo zwischen da und Rap stehe ich heute, würde ich sagen. Zufriedener als je zuvor!

MZEE.com: Hat oder hatte diese Musikrichtung etwas, das HipHop nicht hat?
Casper: Hat. Einfach diese DIY Mentalität. Dieses „uns schenkt keiner was, also machen wir das selbst“. Dieses energiegeladene auf Konzerten, der freundliche Rahmen, die Offenheit, der Willen, durch eigene Kraft der Szene helfen zu können. Wohingegen Rapper ja schon so ein Schlag Menschen sind, die gerne fordern, fordern, fordern, danach fronten fronten fronten, aber nicht willens sind, für ihren eigenen Erfolg Scheiße zu fressen. Wie Morlockk das auf seinem Album auch ziemlich treffend beschreibt: Rap ist vom Wolf zum Dackel zurück. Was ist denn an Rap noch gefährlich? Das scheinbar alle ziemlich reich sind und jede menge Frauen f*cken?! Bitte!
MZEE.com: Im MRD-Interview hast du Punchlines mit Witzen gleichgesetzt. Und Witze willst du nicht mehr als einmal erzählt bekommen, gute Stories dagegen schon. Aber ist es nicht genauso langweilig die gleiche Story erzählt zu bekommen?
Casper: Das hat letztens einer so ähnlich hier im MZEE-Forum geschrieben und da dachte ich mir schon „boah, verdammt gut gekontert“ und war baff! (lacht) Ich glaube einfach, dass ein tiefgehender Song so viel mehr gibt und bietet als „blablabla als“, „blablabla wie“ und was man nicht noch alles vergleicht und wortspielt. Klar find ich das derbe, aber es gibt eben auch schon die zwei, drei Rapper, die das perfekt machen. Ich halte es für Unsinn, dass sich da Hunderte drauf stürzen. Wie es im Rap eigentlich eh schon nervig ist, dass jeder Beats macht, jeder rappt, jeder sein eigenes Untergrundschlafzimmerlabel macht. Rap braucht Fans. Supporter. Oder was noch viel wichtiger wäre: Leute, die veranstalten, und da auch noch nen anderen Anspruch reinbringen als den, dass ihr derbster Homie die Vorgruppe macht. Oder eine Zeitschrift starten oder so was.
MZEE.com: Des Weiteren hast du im MRD-Interview versprochen hatte nackt um einem Platz in Bielefeld zu rennen, wenn du es in die Charts schaffst. Liegen schon die Daten für KW21 vor? Oder zitterst du noch?
Casper: Jeden Moment müssten die Zahlen kommen. Ich bin schon ziemlich nervös, warte auf den Anruf, glaube aber nicht im Ernst, dass das Casper Debütalbum sonderlich chartrelevant ist. Im Grunde ist es ja Außenseitermusik. Musik für Menschen, die wissen, dass sie nicht perfekt sind, für Menschen, die wissen, dass es mehr gibt als MTV, die mehr im Leben suchen als das, was ihnen geboten wird. Irgendwie werde ich das Versprechen ja halten müssen, aber ich hab das ja auch gesagt, weil ich im Ernst nicht denke, dass ich einsteige. Das wäre für mich das allerkrasseste.
MZEE.com: F.R. sorgt gerade mit seiner aktuellen Single „Rap braucht Abitur“ für Diskussion. Braucht Rap deiner Meinung nach Abitur? Oder speziell auf deine Musik/Texte bezogen? Du benutzt ja gerne Metaphern und für einige Hörer sind deine Lyrics vielleicht schwer verständlich…
Casper: Was soll ich denn machen? Ich habe mal gelesen, dass es Rapper gibt, die ihre Sachen absichtlich runterdummen, um so mehr Menschen zugänglich zu werden. Was ist denn da los? Ich setze einfach voraus, wenn ich ein Album mache, dass der Hörer sich zuhause hinsetzt, im besten Falle noch gekauft hat und sich über eine Zeitspanne mit dem Produkt auseinandersetzt. Ich werde nen Teufel tun und meine Sachen simpler gestalten, nur weil Fritz X sich das gerade gezogen und beim Zocken nebenbei hören nicht auf Anhieb versteht. Lieber bleib ich broke.
MZEE.com: Du redest oft von der Stimmung „Casper“, die du auf deinen Tracks rüberbringen willst. Wie würdest du diese Stimmung bzw. Atmosphäre beschreiben?
Casper: Irgendwie düster, irgendwie traurig, irgendwie hoffnungsvoll, irgendwie schön, irgendwie hässlich, irgendwie aufbauend, irgendwie niederschmetternd. Das schöne an der Tragik, aber auch das tragische im Schönen. Klingt behindert, aber ich mag melancholische Musik, zum Beispiel das „Suicide Medicine“ Album von Rocky Votolato oder auch „Give Up“ von the Postal Service. Das gibt mir mehr als eine Platte voller Tanzanweisungen.
Weiter auf Seite 3.
MZEE.com: Wie schafft man es gewisse Atmosphären oder Stimmungen zu erzeugen? Liegt das an den Lyrics, am Flow, Beat oder ist es ein Zusammenspiel der genannten?
Casper: Alles. Was nützt der beste Text, wenn er scheiße geflowt ist? Oder was nützt der krasseste Flow, wenn der Beat unhörbar ist? Es muss alles passen. Und es muss ehrlich sein, das ist das Wichtigste. Ich glaube, dass der Hörer sehr wohl spürt, was einfach dahergefaselt ist und was aus einem selber kommt. Mein Vater sagte mal „was vom Herzen kommt, geht auch ins Herz“, und das glaub ich auch. Deswegen auch meine Anti-Haltung gegenüber krassem Output. Wenn ich gerade wirklich nichts zu sagen habe, dann mach ich halt auch nichts. Rappen ist für mich kein Job, das ist eine Möglichkeit, eine kleine Welt, in der ich mich selbst zu erklären versuchen kann.
MZEE.com: Auf dem Song "Die Welt steht still" fährst du diesen Young Jeezy Style… jetzt frag ich mal ganz schlicht: Wieso? So etwas wird ja immer gleich als Gebite aufgenommen…
Casper: Ich feier so ne Mucke ja total. Also absolut. Jeezy, Weezy, Ross, was die da erzählen ist alles so behindert, dass ich das mega abfeier! Und es ist auf gar keinen Fall gebitet, sondern wirklich vielmehr gleichzeitig als Parodie als auch als Hommage zu verstehen. Klar bediene ich mich derer Mittel auf dem Song, aber ich erzähle ja aus meiner Welt, wie ich lebe. Da ist ja kein krasser Straßenkram drin oder so. Ich verstehe den Vorwurf auch, aber gleichzeitig ist es mir auch ziemlich egal, denn ich finde den Song schon ziemlich derbe.
MZEE.com: Wann wird MTV wieder Musik spielen?
Casper: Nie. Leider!
MZEE.com: Danke für deine Zeit. Deine letzten Worte an die User von MZEE?
Casper: Was ich halt immer sage, wenn ich „letzte Worte“ hab. Schämt euch nicht, das zu sein, was ihr seid und lasst euch auch von niemandem erzählen, dass ihr schlechter seid als irgendwer anders, egal worum es geht. Keine Kompromisse, keine Helden, keine Feiglinge!

[SIZE=1]Album out: 09.05.08[/SIZE]
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Tracklist „Hin zur Sonne":
1. hin zur sonne
2. deine jugend
3. die welt steht still
4. hundeleben
5. casper bumaye!
6. stampf ihn ein feat lump, al capone, elch, pimpulsiv
7. devil
8. in deinen armen feat. amaris
9. der letzte tanz feat prinz pi
10. unzerbrechlich
11. verdammt nah dran / supermaenner
12. piratensender
13. strasse 2 feat. kollegah
14. (muss noch bestätigt werden)
15. kein held
MP3:
Casper – Hin zur Sonne (Album-Snippet)
Casper – Hin Hundeleben
Links:
www.killkasper.info
www.myspace.com/caspermc

MZEE.com: Das Album kommt jetzt zwei Jahre nach dem Mixtape. Gerade nach dem Erfolg des Mixtapes musst du ja ein gewissen Druck bei den Aufnahmen gespürt haben oder? Hattest du Zweifel gehabt oder vielleicht auch Versagensangst, dein Mixtape nicht toppen zu können?
Casper: Absolut. Durchgehend eigentlich. Das ist ja mit der Grund, warum es überhaupt so lange gedauert hat, das Album fertig zu stellen. Man hat da dieses Mixtape gemacht, was durch die Decke schoss und nun muss man das toppen, hat aber keine Ahnung, wie man das damals angestellt hat. Dann wurde die Sache ziemlich verkopft, also wirklich so, dass es mir den Schlaf geraubt hat. Dieser Druck an mich selbst war unglaublich. Ich dachte, jede Line muss mega werden, jeder Beat muss krass sein, dazu muss alles einhundert Prozent kohärent sein. Der typische Rapfan würde es „kopfgef*ckt“ nennen. Hinzu kam, dass jedes Label, bis auf wenige Ausnahmen, von Major bis Indie, alle auf der Matte standen und jeder „seine Casper Vision“ breitgelabert hat. Da muss man sich ein dickes Fell angewöhnen, um nicht abzuheben. Luxusprobleme eigentlich, aber frustrierend ohne Ende.
MZEE.com: Wann wurde dir klar, dass es darum gar nicht geht, dein Mixtape zu toppen? Gab es einen Wendepunkt?
Casper: Das wurde mir klar, als irgendwann einfach der Zeitdruck so enorm hoch war, dass ich das Release wirklich Tag und Nacht durchdrücken musste. Als man gar nicht die Zeit hatte, sich nen Kopf zu machen, zu organisieren, Pläne zu schmieden, Beats zu suchen oder sonst was. Als es einfach nur noch darum ging, zu machen und nicht zu denken. Da sind dann auch wirklich beim Schreiben die Emotionen gekommen, nach denen ich all zu lange gesucht hatte. Weißt du, man hört einfach, wenn sich einer hingesetzt und auf Knopfdruck „deep“ sein wollte. Genau so hört man aber auch, wenn jemand einen Beat gehört hat, der ihn wirklich berührt. Und genau die konnten die Produzenten dann auch genau in den richtigen Momenten liefern. „Kein Held“ zum Beispiel, das ging so grade runter.
MZEE.com: Es gibt in Deutschland einige Rapper, die diese pseudo-deepen Tracks auf ihren Alben haben. Also dieses „deep“ auf Knopfdruck. Dir nimmt man deine deepen Lyrics ab. Woran meinst du liegt das?
Casper: Ich finde das ganz schrecklich, wenn Rapper deepe Songs schreiben, die sie dann genau so einrappen wie Battleparts. Oder wo man einfach nur Phrasen aneinander gedroschen hört wie „Schmerz im Herz“ oder so was. Ganz mies. Das Ding ist, dass jeder einfach das machen sollte, was er liebt und kann. Im Endeffekt sind wir doch alle aus den Zeiten raus, in denen man „geplante“ Alben mit den „Quotenliebesliedern“ macht, verdient doch eh keiner was dran. Ich find das immer ziemlich hohl, wenn auf einem Album 15 Songs lang jede Mutter gef*ckt, jedes Auto gefahren und jede Hoe gepimpert wurde, und dann plötzlich der Song „an die Liebe des Lebens“ kommt.

MZEE.com: Was muss denn ein deeper Track haben, damit er auch bei den Hörern ankommt?
Casper: Keine Ahnung. Ich bin ja nicht mal in dem Standpunkt zu sagen, ob meine deepen Songs denn überhaupt das Gelbe vom Ei sind. Ich mach halt einfach gerne so tiefe Sachen. Deep ist ja relativ. Grundlegend kann man aber denk ich sagen, dass ein deeper Song entwaffnend ehrlich sein muss. Was nützt es denn zu sagen „ich vermiss dich“ oder „ich liebe dich über alles“, wenn man dann nicht mal anführen kann, warum? Erlebtes beschreiben ist sicherlich auch gut, kleine Insider reinbringen, die Sache so beschreiben, als würdest du es deinem allerbesten Freund erzählen, der drauf schwört, dass er es keinem sagt. Oder noch besser, als wäre es das letzte, was du je sagen könntest. Das ist denk ich mal ziemlich wichtig.
MZEE.com: Hast du manchmal das Gefühl, dass deine Fans auf deinem Album 15 Mal Tracks wie „Kippenpause“ erwarten?
Casper: Ehrlich gesagt ist ja mein Problem, dass ich irgendwie gar keine Ahnung habe, was meine Fans hören wollen, das ist so breit gefächert. Es gibt diejenigen, die sagen, dass sie die deepen Songs scheiße finden und lieber Battle-Sachen von mir hören, dann gibt's aber auch diejenigen, die den Battlekram total beschissen finden und am liebsten ein komplett destruktives, melancholisches Album hören wollen. Dadurch, dass das aber so breit gefächert ist, lässt es mir die Möglichkeiten, immer das zu machen, was ich will. Ich bin da nicht geprägt oder in Schubladen gepresst worden. Aber mal ganz im ernst, wer würde denn auf ein Konzert kommen wollen und nur Sachen wie Kippenpause hören wollen? Was wirklich ein Problem ist, ist dass ich halt mein „Kippenpause“ und mein „Lippenlesen“ schon geschrieben habe. Das sind so die Songs, an denen werde ich glaub ich immer gemessen werden. Aber auch hier wieder: Luxusproblem. Das Album scheint den Supportern zu gefallen, ich bin sowieso stolz drauf und das ist das Wichtigste. Alles darüber hinaus ist Bonus. Jede geile Show, jedes verkaufte Album, Festivals, eventuelle „Zusammenarbeits-Möglichkeiten“ oder was weiß ich was noch... all so was ist die Kirsche oben drauf.
Weiter auf Seite 2.
MZEE.com: In einem Interview hast du mal im Bezug auf Musik gesagt: „Die Menschen wollen nicht tanzen, Menschen wollen sich identifizieren, sich wiederfinden.“ Bist du kein Tänzer? Oder ist dir dieses Identifikations-Ding wichtiger? Es gibt ja auch Leute, die wollen einfach nur Feiern. Oder sprichst du mit dieser Aussage nur deine Fans an?
Casper: Ich glaube, das wurde missverstanden. Tanzen ist megageil. Aber was einfach vorbei ist, ist dieses stumpfe Eurodance „la la la la“ und Choreographie einstudieren und was weiß ich nicht alles. Bestes Beispiel ist KIZ, da „tanzt“ man nicht, da „rastet man aus“. Oder „Stronger“ von Kanye, das läuft in jedem Club rauf und runter, ist aber doch ein anspruchsvoller und guter Song. Ich glaube einfach, dass die Jugend von heute stark unterschätzt wird. Wenn man sich MySpace oder Youtube anguckt, da werden derbe Sachen wie Robyn oder Justice hart gefeiert und gehypet, trotzdem traut sich kein Major da dran, da gibt's dann lieber so was wie Sha oder Schnuffelsongscheiße. Hauptsache, die Masse bewegt sich. Wer sich viel bewegt, denkt weniger. So irgendwie.

MZEE.com: Gehen wir ein bisschen in die Vergangenheit. Hast du noch Erinnerungen an deine Kindheit in den USA?
Casper: Viele. Gute wie auch schlechte. Aber das verrückte daran ist ja, dass da noch so Grauzonen dazwischen sind. Bei manchen „Erinnerungen“ weiß ich echt nicht, ob das wirklich passiert ist, oder ob man das mal geträumt hat. Auch hier sowohl richtig schlimme Dinge, als auch total schöne Momente. Der Tag, an dem ich mich mal mit meiner Mutter und meiner Schwester hinsetze und alles einfach erzählt bekomme, aufarbeiten kann, ich glaube, der ist noch weit entfernt, da sind wir alle noch nicht bereit für. Es ist quatsch, auf einer schrägen Kindheit rumzureiten und das würde ich auch niemals tun, aber ich glaube, ein solches Gespräch würde helfen, vieles besser zu verstehen. Den ein oder anderen Kram vielleicht endgültig beiseite legen zu können und mit vielem einfach meinen Frieden finden. Wir alle, als Familie. Aber das wird Zeit brauchen und auch schwer sein. Aber im Grunde war Amerika schon ziemlich geil.
MZEE.com: Also verfolgt dich das noch in irgendeiner Weise, oder hast du damit schon komplett abgeschlossen?
Casper: Noch lange nicht. Manchmal hat man einfach Situationen, wo man anders reagiert als man gerne würde und fragt sich, woher das kommt. Als Kind blendet man ja auch viel aus, dichtet viel dazu, sieht die Welt ganz anders. Oh Gott, das klingt, als hätte ich richtige Probleme (lacht).
MZEE.com: Der Intro-Track "Hin zur Sonne" ist eine Art Selbsttherapie, du beschreibst deine Vergangenheit. Wie wichtig ist dir der Song und welche Rolle spielt er für dich?
Casper: Sehr wichtig. Und ich habe diesen Song auch lange vor mich hergetragen und wusste nicht, wie ich ihn anpacken sollte. Dann hatte ich die erste Strophe, dann die dritte. Beim Schreiben der zweiten ist soviel wieder hochgekommen und dann wusste ich einfach nicht, ob man das überhaupt so auf die Menschheit loslassen sollte, ob das nicht vielleicht ein Stück weit echt zu viel erzählt ist. Ob das nicht einfach auch zu unspektakulär ist. Ich mein, im Grunde ist das „nur“ ein Beat und ein paar Raps, da passiert ja nichts Großes. Letzten Endes wollte ich dann aber doch genau diesen Song zum Titeltrack machen, da ich fand, dass es mich als Person sehr gut beschreibt, erklärt, vielleicht auch nur vorstellt. Der Song ist extrem wichtig. Für mich. Und das sollte immer noch an erster stelle stehen.
MZEE.com: Nach der KDZ-Trennung hattest du auch das Musikgenre gewechselt. Du hattest eine eigene Metalcore-Crew gegründet. Wieso dieser krasse Schritt damals?
Casper: Was viele nicht wussten war, dass ich immer Hardcore und Rap gehört habe. Mal das eine mehr, mal das andere. Aber es war einfach nach dem ganzen Stress um KDZ drum herum für mich an der Zeit zu sagen „okay, ich hatte meine Crew, es ist leider nicht so gelaufen wie ich mir das alles dachte, was anderes will ich gar nicht. Dann lieber nichts mehr“ und habe von heute auf morgen das Mic an den Nagel gehängt. Einfach weil ich gar keinen Bock mehr auf diese Szene hatte, die sich schon gebessert hat, aber im Grunde immer noch aus total „geradeaus denkenden Schubladenmenschen“ besteht. Ich mein, ganz im Ernst, aber allein schon diese ganze „no homo“-Scheiße ist doch schon so unterirdisch dumm, das kannste eigentlich keinem erzählen... aber zurück zur Frage... auf jeden fall habe ich dann diesen Hardcore-Kram für mich wiederentdeckt und mich da auch komplett in die Szene fallen lassen, wo ich mich einfach auch bis zum heutigen Tage wohl fühle. Irgendwo zwischen da und Rap stehe ich heute, würde ich sagen. Zufriedener als je zuvor!

MZEE.com: Hat oder hatte diese Musikrichtung etwas, das HipHop nicht hat?
Casper: Hat. Einfach diese DIY Mentalität. Dieses „uns schenkt keiner was, also machen wir das selbst“. Dieses energiegeladene auf Konzerten, der freundliche Rahmen, die Offenheit, der Willen, durch eigene Kraft der Szene helfen zu können. Wohingegen Rapper ja schon so ein Schlag Menschen sind, die gerne fordern, fordern, fordern, danach fronten fronten fronten, aber nicht willens sind, für ihren eigenen Erfolg Scheiße zu fressen. Wie Morlockk das auf seinem Album auch ziemlich treffend beschreibt: Rap ist vom Wolf zum Dackel zurück. Was ist denn an Rap noch gefährlich? Das scheinbar alle ziemlich reich sind und jede menge Frauen f*cken?! Bitte!
MZEE.com: Im MRD-Interview hast du Punchlines mit Witzen gleichgesetzt. Und Witze willst du nicht mehr als einmal erzählt bekommen, gute Stories dagegen schon. Aber ist es nicht genauso langweilig die gleiche Story erzählt zu bekommen?
Casper: Das hat letztens einer so ähnlich hier im MZEE-Forum geschrieben und da dachte ich mir schon „boah, verdammt gut gekontert“ und war baff! (lacht) Ich glaube einfach, dass ein tiefgehender Song so viel mehr gibt und bietet als „blablabla als“, „blablabla wie“ und was man nicht noch alles vergleicht und wortspielt. Klar find ich das derbe, aber es gibt eben auch schon die zwei, drei Rapper, die das perfekt machen. Ich halte es für Unsinn, dass sich da Hunderte drauf stürzen. Wie es im Rap eigentlich eh schon nervig ist, dass jeder Beats macht, jeder rappt, jeder sein eigenes Untergrundschlafzimmerlabel macht. Rap braucht Fans. Supporter. Oder was noch viel wichtiger wäre: Leute, die veranstalten, und da auch noch nen anderen Anspruch reinbringen als den, dass ihr derbster Homie die Vorgruppe macht. Oder eine Zeitschrift starten oder so was.
MZEE.com: Des Weiteren hast du im MRD-Interview versprochen hatte nackt um einem Platz in Bielefeld zu rennen, wenn du es in die Charts schaffst. Liegen schon die Daten für KW21 vor? Oder zitterst du noch?
Casper: Jeden Moment müssten die Zahlen kommen. Ich bin schon ziemlich nervös, warte auf den Anruf, glaube aber nicht im Ernst, dass das Casper Debütalbum sonderlich chartrelevant ist. Im Grunde ist es ja Außenseitermusik. Musik für Menschen, die wissen, dass sie nicht perfekt sind, für Menschen, die wissen, dass es mehr gibt als MTV, die mehr im Leben suchen als das, was ihnen geboten wird. Irgendwie werde ich das Versprechen ja halten müssen, aber ich hab das ja auch gesagt, weil ich im Ernst nicht denke, dass ich einsteige. Das wäre für mich das allerkrasseste.
MZEE.com: F.R. sorgt gerade mit seiner aktuellen Single „Rap braucht Abitur“ für Diskussion. Braucht Rap deiner Meinung nach Abitur? Oder speziell auf deine Musik/Texte bezogen? Du benutzt ja gerne Metaphern und für einige Hörer sind deine Lyrics vielleicht schwer verständlich…
Casper: Was soll ich denn machen? Ich habe mal gelesen, dass es Rapper gibt, die ihre Sachen absichtlich runterdummen, um so mehr Menschen zugänglich zu werden. Was ist denn da los? Ich setze einfach voraus, wenn ich ein Album mache, dass der Hörer sich zuhause hinsetzt, im besten Falle noch gekauft hat und sich über eine Zeitspanne mit dem Produkt auseinandersetzt. Ich werde nen Teufel tun und meine Sachen simpler gestalten, nur weil Fritz X sich das gerade gezogen und beim Zocken nebenbei hören nicht auf Anhieb versteht. Lieber bleib ich broke.
MZEE.com: Du redest oft von der Stimmung „Casper“, die du auf deinen Tracks rüberbringen willst. Wie würdest du diese Stimmung bzw. Atmosphäre beschreiben?
Casper: Irgendwie düster, irgendwie traurig, irgendwie hoffnungsvoll, irgendwie schön, irgendwie hässlich, irgendwie aufbauend, irgendwie niederschmetternd. Das schöne an der Tragik, aber auch das tragische im Schönen. Klingt behindert, aber ich mag melancholische Musik, zum Beispiel das „Suicide Medicine“ Album von Rocky Votolato oder auch „Give Up“ von the Postal Service. Das gibt mir mehr als eine Platte voller Tanzanweisungen.
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MZEE.com: Wie schafft man es gewisse Atmosphären oder Stimmungen zu erzeugen? Liegt das an den Lyrics, am Flow, Beat oder ist es ein Zusammenspiel der genannten?
Casper: Alles. Was nützt der beste Text, wenn er scheiße geflowt ist? Oder was nützt der krasseste Flow, wenn der Beat unhörbar ist? Es muss alles passen. Und es muss ehrlich sein, das ist das Wichtigste. Ich glaube, dass der Hörer sehr wohl spürt, was einfach dahergefaselt ist und was aus einem selber kommt. Mein Vater sagte mal „was vom Herzen kommt, geht auch ins Herz“, und das glaub ich auch. Deswegen auch meine Anti-Haltung gegenüber krassem Output. Wenn ich gerade wirklich nichts zu sagen habe, dann mach ich halt auch nichts. Rappen ist für mich kein Job, das ist eine Möglichkeit, eine kleine Welt, in der ich mich selbst zu erklären versuchen kann.
MZEE.com: Auf dem Song "Die Welt steht still" fährst du diesen Young Jeezy Style… jetzt frag ich mal ganz schlicht: Wieso? So etwas wird ja immer gleich als Gebite aufgenommen…
Casper: Ich feier so ne Mucke ja total. Also absolut. Jeezy, Weezy, Ross, was die da erzählen ist alles so behindert, dass ich das mega abfeier! Und es ist auf gar keinen Fall gebitet, sondern wirklich vielmehr gleichzeitig als Parodie als auch als Hommage zu verstehen. Klar bediene ich mich derer Mittel auf dem Song, aber ich erzähle ja aus meiner Welt, wie ich lebe. Da ist ja kein krasser Straßenkram drin oder so. Ich verstehe den Vorwurf auch, aber gleichzeitig ist es mir auch ziemlich egal, denn ich finde den Song schon ziemlich derbe.
MZEE.com: Wann wird MTV wieder Musik spielen?
Casper: Nie. Leider!
MZEE.com: Danke für deine Zeit. Deine letzten Worte an die User von MZEE?
Casper: Was ich halt immer sage, wenn ich „letzte Worte“ hab. Schämt euch nicht, das zu sein, was ihr seid und lasst euch auch von niemandem erzählen, dass ihr schlechter seid als irgendwer anders, egal worum es geht. Keine Kompromisse, keine Helden, keine Feiglinge!

[SIZE=1]Album out: 09.05.08[/SIZE]
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Tracklist „Hin zur Sonne":
1. hin zur sonne
2. deine jugend
3. die welt steht still
4. hundeleben
5. casper bumaye!
6. stampf ihn ein feat lump, al capone, elch, pimpulsiv
7. devil
8. in deinen armen feat. amaris
9. der letzte tanz feat prinz pi
10. unzerbrechlich
11. verdammt nah dran / supermaenner
12. piratensender
13. strasse 2 feat. kollegah
14. (muss noch bestätigt werden)
15. kein held
MP3:
Casper – Hin zur Sonne (Album-Snippet)
Casper – Hin Hundeleben
Links:
www.killkasper.info
www.myspace.com/caspermc

vor über 1 Jahr