History-​Adventskalender: Türchen #06 – Eins Zwo (1999)

Wenn es drau­ßen lang­sam wie­der käl­ter wird und sich das Jahr dem Ende neigt, blickt man selbst ja ger­ne mal zurück und lässt die ver­gan­ge­nen Tage Revue pas­sie­ren. Wir möch­ten mit unse­rem dies­jäh­ri­gen Advents­ka­len­der einen Blick zurück­wer­fen – von heu­te bis hin zu den Anfän­gen von Hip­Hop in Deutsch­land. Sprich: knapp ein Vier­tel­jahr­hun­dert deut­scher Rap. Eine Sze­ne, die Mit­te der 90er unter ande­rem "direkt aus Rödel­heim" kam, aus dem "Fens­ter zum Hof" klet­ter­te, sich "vom Bord­stein zur Sky­line" auf­schwang und "zum Glück in die Zukunft" reis­te, um sich letzt­lich zwi­schen ein paar "Pal­men aus Plas­tik" nie­der­zu­las­sen. Kein Ele­ment der hie­si­gen HipHop-​Kultur dürf­te in all den Jah­ren einen so gewal­ti­gen Wan­del, so vie­le Höhen und Tie­fen, so vie­le Erfol­ge und Miss­erfol­ge durch­lebt haben wie Rap. Genau die­se Ent­wick­lung inner­halb der letz­ten 24 Jah­re möch­ten wir nun für Euch skiz­zie­ren, indem wir jedes Jahr anhand eines Albums dar­stel­len, wel­ches – unse­rer Mei­nung nach – nicht nur das ent­spre­chen­de Ver­öf­fent­li­chungs­jahr, son­dern auch die Sze­ne all­ge­mein nach­hal­tig präg­te.

 

1999: Eins Zwo – Gefähr­li­ches Halb­wis­sen

Ich will nichts ande­res machen als das hier und zwar in Best­form.
Und erfüll' mal wie­der mit links die Test­norm.

Ein wenig scha­de ist es schon, dass nach der Tren­nung von Eins Zwo "nur" noch Den­de­mann-Solo­re­leases erschie­nen sind und ein Come­back des Duos wohl trotz manch­mal auf­kom­men­der Anzei­chen für immer ein Traum blei­ben wird. Denn es ist und bleibt der Mei­len­stein "Gefähr­li­ches Halb­wis­sen", mit dem damals eine deut­sche Rap­ge­schich­te über­haupt erst ihren Lauf nahm …

So ist egal, wie ein­gän­gig "End­lich Nicht­schwim­mer" oder auch "Stumpf ist Trumpf 3.0" sein mögen, an die Eins Zwo-Releases kam bis­her kei­ne Den­de­mann-Plat­te wirk­lich her­an. Doch was hat gera­de "Gefähr­li­ches Halb­wis­sen" über­haupt zu einem so gro­ßen Klas­si­ker gemacht? Da wäre zum einen Den­des mar­kan­te Reibeisen-​Stimme, mit der er locker-​lässig über den Beat flow­te und die bis heu­te ein­zig­ar­tig ist. Zum ande­ren wären da die ein­gän­gi­gen Geschich­ten, die jeder Track zu erzäh­len wuss­te. Geschmückt mit schöns­ten Wort­spie­len berich­te­te uns Larus­so von der "Omi aus dem ers­ten Stock" oder er warf einen Blick in die Zukunft aus der Sicht sei­nes geal­ter­ten Ichs. Dabei ver­gaß er nie, auch eine gewis­se Pri­se Humor und Selbst­iro­nie ein­zu­streu­en. Oder war es am Ende doch das zeit­lo­se Sound­bild, das DJ Rabau­ke gemein­sam mit Den­de­mann und I.L.L. Will pro­du­zier­te? Denn obwohl die Plat­te schon bald 20 Jah­re alt wird, über­zeugt die Mischung aus abwechs­lungs­rei­chen Sam­ples, schep­pern­den Drums und den pas­send gewähl­ten Cuts dama­li­ger Hits auch heu­te noch. Und wenn die Begin­ner oder auch Samy Delu­xe nicht gera­de für die­se Cuts her­hal­ten muss­ten, waren sie gleich selbst auf den Tracks gefea­turet. So wur­de die Crè­me de la Crè­me der 90er auf einer Plat­te ver­sam­melt, ohne fehl­plat­ziert zu wir­ken.

Am Ende war es ganz ein­fach die Mischung aus all die­sen Kom­po­nen­ten, die "Gefähr­li­ches Halb­wis­sen" zu dem mach­ten, was es bis heu­te ist: ein Klas­si­ker, an den bis jetzt kein Den­de­mann-Werk mehr her­an­rei­chen konn­te. Aber eigent­lich hät­te man die­ses Adventskalender-​Türchen auch mit einem schlich­ten "Was soll ich euch noch erzäh­len, was ihr nicht sel­ber wisst?" abtun kön­nen, oder?

(Lukas Päck­ert)
(Gra­fik von Dani­el Fersch)