Bong Teggy – Na und?

Ich mach' aus Batt­lerap 'ne eig­ne Wis­sen­schaft.
Du sitzt nur zuhau­se und machst Kis­sen­schlacht.

Nicht sel­ten kon­fron­tie­ren sich die gro­ßen Namen hie­si­ger Live-​Battle-​Formate mit dem Vor­wurf, ja gar kei­ne voll­wer­ti­gen Künst­ler zu sein, solan­ge sie nicht auch rich­ti­ge Musik machen wür­den. Und bis­her ist die Lis­te von Rap­pern, die in bei­den Berei­chen aktiv sind, tat­säch­lich eher kurz – ob das in man­chen Fäl­len viel­leicht sogar ganz gut ist oder eher nicht, zeigt sich nun an Bong Teg­gys Debüt "Na und?".

Der Ber­li­ner konn­te in zahl­rei­chen Batt­les durch Selbst­iro­nie, Humor und Deli­very über­zeu­gen, hat auf rich­ti­gen Lie­dern damit aber so sei­ne Pro­ble­me. Auf den größ­ten­teils von 7inch pro­du­zier­ten, etwas ange­staubt wir­ken­den Beats erzählt er vom har­ten Leben auf dem Cam­pus, kri­ti­siert Trap sowie Goog­le und ver­teu­felt Dro­gen. All das ist trotz akzep­ta­blem Flow nur bedingt erfolg­reich. Wäh­rend Bad Bars und Flach­wit­ze im Zuge eines Live­batt­les ihren Charme haben kön­nen, lau­fen sie hier ohne Crowd­re­ac­tion kom­plett ins Lee­re. Dass die Wir­kung sogar ins Gegen­teil umschwen­ken kann, wird an "San­dy" beson­ders deut­lich. Der Track, der eigent­lich das Kli­schee des Prototyp-​Gangsterrappers aufs Korn neh­men will, schmeckt im Abgang ver­dammt bit­ter. So wür­den wohl "die Kana­ken" nun die gan­zen deut­schen Mädels abbe­kom­men, wes­we­gen man sich wie sie ver­hal­ten müs­se – also schlecht Deutsch spre­chen, im Bus laut Musik hören und eine Knob­lauch­fah­ne haben. Was im Umfeld eines Batt­les klar als spa­ßi­ger, über­spitz­ter Geg­ner­be­zug ver­stan­den wer­den kann, wirkt hier – wenn auch nicht so gemeint – fast schon ras­sis­tisch. Der Ver­such, das, was live funk­tio­niert, unver­än­dert auf die Musik zu über­tra­gen, ent­puppt sich nicht nur als Pro­blem von "San­dy", son­dern letzt­lich als Grund für den eher mäßi­gen Gesamt­ein­druck des kom­plet­ten Ton­trä­gers.

Auf den neun Anspiel­sta­tio­nen von "Na und?" bemüht sich der Prot­ago­nist ver­zwei­felt dar­um, den Charme, den er live sehr wohl zu ver­sprü­hen weiß, auch auf Plat­te zu über­tra­gen. Wirk­lich gelin­gen will ihm das aber nicht – viel­leicht soll­te Teg­gy ent­we­der beim Batt­le blei­ben oder aus den Feh­lern ler­nen und das nächs­te Release anders ange­hen.

(Dani­el Fersch)