GReeeN

Unge­fähr zwei Jah­re ist es her, dass GRee­eN zuletzt vor unse­rem Auf­nah­me­ge­rät Platz nahm. Zum dama­li­gen Zeit­punkt gab es das Alter Ego "Grinch Hill" gera­de mal ein paar Tage und es war abso­lut unklar, wohin die Rei­se füh­ren soll­te. Nur eines war sicher: Grinch Hill und GRee­eN soll­ten neben­bein­an­der exis­tie­ren kön­nen, aber nichts mit­ein­an­der zu tun haben. Tja, so man­che Din­ge ändern sich dann doch – was es für uns kürz­lich umso span­nen­der mach­te, mit GRee­eN mal über den neu­es­ten Stand der Din­ge spre­chen zu kön­nen. Wie hat sich Grinch Hill in der Zeit ent­wi­ckelt? Was ist der Unter­schied zwi­schen den bei­den Cha­rak­te­ren? Wie steht es um wei­te­re Teil­nah­men am JBB oder an einem Live-​Battle? Wird es mal eine Art JBB-​Tour geben? Und kann GRee­eN aktu­ell von sei­nen Pro­jek­ten leben? Neben die­sen gan­zen Musik-​spezifischen Punk­ten gab es aber auch ande­re The­men, über die wir uns gut eine Stun­de unter­hal­ten konn­ten: von Depres­si­on und Trau­er über die Lega­li­sie­rung von Can­na­bis und här­te­ren Dro­gen bis hin zu GRee­eNs schöns­ter Rei­se­ge­schich­te der letz­ten Zeit. Das Inter­view been­de­ten wir dann kurz vor einem Festival-​Auftritt – mit der Aus­sicht, uns bestimmt bald wie­der ein­mal zur wei­te­ren Aus­füh­rung die­ser The­men zu tref­fen …

MZEE​.com: Unser letz­tes Inter­view mit dir ist gut zwei Jah­re her. Um die­se Zeit trat neben GRee­eN auch dein Alter Ego Grinch Hill das ers­te Mal in Erschei­nung und aktu­ell ste­hen zwei EPs der bei­den an. Kannst du zu Beginn des Inter­views kurz zusam­men­fas­sen, wie sich der Cha­rak­ter von Grinch Hill in den zwei Jah­ren ent­wi­ckelt hat?

GRee­eN: Ich hab' ziem­lich lan­ge gebraucht, bis ich als Grinch Hill mei­nen Style gefun­den hat­te, ohne dass es ein­fach wirkt wie GRee­eN mit ande­ren Tex­ten. Gut, ich hab' in einem Song auch gesagt, dass der ein­zi­ge Unter­schied zwi­schen Gree­eN und Grinch die Tex­te sei­en, um da vor­weg­zu­grei­fen. Aber der Flow eines Künst­lers ist halt der Fin­ger­ab­druck – den kriegst du nicht los. Ich kann nicht auf ein­mal kom­plett anders rap­pen oder mei­ne Stim­me pit­chen wie Mar­si. Aber in den ver­gan­ge­nen zwei Jah­ren hab' ich vie­le Lie­der geschrie­ben und der Unter­schied zwi­schen den bei­den Cha­rak­te­ren hat sich her­aus­kris­tal­li­siert. Und ich find's fan­tas­tisch, dass Grinch Hill jetzt eine eige­ne Stimm­far­be hat, in der er rappt. Die ist näher an mei­ner nor­ma­len Sprech­stim­me und eher tief. GRee­eN rappt und singt ja eher hoch. Ansons­ten sind die Beats bei Grinch Hill etwas düs­te­rer und ein­fach mehr Hip­Hop – Boom bap und Kopfnicker-​Sound, trotz­dem mit moder­nen Kom­po­nen­ten.

MZEE​.com: Bist du an die­se Cha­rak­ter­ent­wick­lung kon­zep­tio­nell her­an­ge­gan­gen oder hat sich das alles eher mit der Zeit ent­wi­ckelt?

GRee­eN: Bei­des. Mein größ­tes Pro­blem war schon immer, dass mei­ne Stimm­far­be sehr dehn­bar ist. Bei man­chen Songs nervt eini­ge die Stim­me von GRee­eN, bei ande­ren fei­ert die jeder ab. Es kommt echt drauf an, in wel­cher Ton­la­ge ich sin­ge oder rap­pe. Von daher muss­te ich kon­zep­tio­nie­ren, wel­che Beats Grinch Hill in wel­cher Ton­la­ge braucht. Da muss­te ich mich schon her­an­tas­ten und mir das genau aus­ma­len. Ich hab' auch mit mir gekämpft, ob ich die Stim­me pit­chen soll … aber das kam eigent­lich gar nicht in Fra­ge. Ich will einen eigen­stän­di­gen Künst­ler ohne tech­ni­sche Hilfs­mit­tel kre­ieren. Ich lass' es mir aber auch offen, als Grinch Hill eine Hook zu sin­gen, eben in der GReeeN-​Stimmfarbe.

MZEE​.com: Sind denn bei­de Cha­rak­te­re kla­re Images für dich?

GRee­eN: Grinch Hill ist defi­ni­tiv ein Image, obwohl natür­lich auch ein Kern Wahr­heit dahin­ter steckt. Jeder von uns hat eine dunk­le Sei­te in sich. Bei GRee­eN wür­de ich sagen: teils teils. GRee­eN bin zu hun­dert Pro­zent ich, da tra­ge ich mein Inners­tes nach außen. Aber ist das auch ein Image? Ich rap­pe als GRee­eN zwar kei­ne Din­ge, die nicht wahr sind, aber über­spit­ze natür­lich.

MZEE​.com: Aber es ist nicht kon­stru­iert.

GRee­eN: Nee, auf kei­nen Fall. Dann ist Grinch Hill eher kon­stru­iert und GRee­eN mein mehr oder weni­ger rei­nes Ich als Pas­qua­le.

MZEE​.com: Du hast gera­de gesagt, dass jeder Mensch eine dunk­le Sei­te in sich trägt. Hat denn auch jeder Mensch eine gute Sei­te – egal, was er gemacht hat?

GRee­eN: Ja, das glaub' ich schon. Also, es gibt ja bei­spiels­wei­se Psy­cho­pa­then, die über­haupt kei­ne Emo­tio­nen in sich tra­gen. Da kann man wahr­schein­lich stun­den­lang drü­ber dis­ku­tie­ren. Aber ich glau­be, dass jeder Mensch als lee­res Blatt auf die Welt kommt. Oder sogar gut. Ein Baby ist eher gut und wird viel­leicht durch sei­ne Eltern, Umstän­de und Ein­drü­cke geformt. Du kannst das lee­re Blatt ja ganz schnell zu einem Hau­fen Schei­ße erzie­hen. Klar, Gene spie­len natür­lich auch eine Rol­le. Dei­ne Cha­rak­ter­zü­ge und Erleb­nis­se sind ja in dei­ner DNA gespei­chert und wenn du Kin­der kriegst, kön­nen sie bei denen auch her­vor­tre­ten oder eben nicht. Das kann man ja nicht pau­scha­li­sie­ren. Kann sein, dass du aus einer Fami­lie vol­ler Psy­cho­pa­then stammst. Aber dein Cha­rak­ter ist ja erst­mal sehr dehn­bar und es kommt dar­auf an, wel­che Ein­drü­cke auf dich wir­ken, wo du gebo­ren wirst und was du dar­aus machst. Ach, das ist ein sehr schwie­ri­ges The­ma …

MZEE​.com: Kom­men wir mal zurück zu GRee­eN und Grinch Hill. Ist dir einer der bei­den Cha­rak­te­re lie­ber?

GRee­eN: Vor einem Jahr hät­te ich dar­auf ganz klar mit "GRee­eN" geant­wor­tet. Aber mitt­ler­wei­le hab' ich Grinch Hill total lie­ben gelernt. Auch weil er sich selbst erst ver­gan­ge­nes Jahr wirk­lich gefun­den hat. Der Start­schuss war die Qua­li­fi­ka­ti­on fürs JBB 2017. In dem Video hat er 'ne tote Frau auf sei­nem Schoß und baut einen Joint auf ihrem Rücken. (lacht) Im zwei­ten Video erdros­selt er ein Kind, der Geg­ner David Nine war halt erst neun Jah­re alt, da nimmt Grinch natür­lich kei­ne Rück­sicht. Das ist für mich ein­fach Enter­tain­ment pur. Ich woll­te immer schon Schau­spie­ler wer­den oder als Regis­seur Fil­me kre­ieren. Und Grinch Hill ist genau das auf musi­ka­li­scher Ebe­ne. Da kann ich in eine Rol­le schlüp­fen, die mit mei­nem Leben nichts gemein hat. Das dient höchs­tens als Ven­til, um Aggres­sio­nen ver­ba­ler Art frei­en Lauf zu las­sen. Und der Wett­kampf dahin­ter, den Geg­ner ver­bal platt­zu­ma­chen, ist eben auch ein­fach geil. Solan­ge man sich danach die Hand geben kann wie im Sport. Ich hab' grad ein Video raus­ge­hau­en, in dem ich wie ein Wikin­ger aus­se­he. Das sieht so krass aus, Arthur Rewak hat das gedreht – und du denkst, das wär' vom Regis­seur von Game of Thro­nes. Das ist ein­fach ein Film gewor­den. Um auf die Fra­ge zurück­zu­kom­men: Ich kann nicht sagen, dass mir der eine Cha­rak­ter mehr Spaß macht … aber wahr­schein­lich wird GRee­eN immer eine Nasen­spit­ze vor­ne sein, weil das ein­fach mein Tage­buch, mei­ne Gedan­ken­welt und mein wah­res Ich ist.

MZEE​.com: Anders als zunächst ange­kün­digt, brin­gen GRee­eN und Grinch Hill jetzt doch kei­ne gemein­sa­me EP her­aus, son­dern zwei von­ein­an­der getrenn­te Plat­ten. War das von Anfang an so geplant?

GRee­eN: Nein, ich woll­te eigent­lich wirk­lich ne Kollabo-​EP machen. (lacht) Die soll­te halt pas­send zum Titel "Ach du grü­ne Neu­ne" neun Tracks haben. Aber neun GReeeN-​Lieder fand ich zu viel für eine EP. Also woll­te ich fünf GReeeN-​Songs und vier Grinch Hill-​Songs machen. So kam der Gedan­ke der Kollabo-​EP auf. Aber plötz­lich hat­te ich 20 GReeeN-​Songs und dach­te mir nur: Schei­ße, Alter. (lacht) Dazu kamen dann noch vier, fünf Lie­der von Grinch Hill und ich muss­te über­le­gen, wie ich das alles unter­brin­ge. Spo­ti­fy war auch so ein Pro­blem: Wie wird das dann auf­ge­lis­tet? Das ist ja auch ein biss­chen bescheu­ert. Des­halb hat Grinch Hill sich ein­fach abge­seilt und wir haben dann dar­aus das Kon­zept erar­bei­tet, dass er eben Beef mit GRee­eN anfängt.

MZEE​.com: Willst du den Cha­rak­ter Grinch Hill denn län­ger­fris­tig am Leben hal­ten?

GRee­eN: Mal gucken. Ich glau­be schon, dass er bleibt. Das ist ja mei­ne düs­te­re Fan­ta­sie und die ist unend­lich. Mal sehen, wie lan­ge ich das machen wer­de, aber die nächs­te Zeit auf jeden Fall. Grinch Hill soll Deutschrap ein­fach umkrem­peln und rich­tig in den Arsch ficken.

MZEE​.com: Neben den bei­den EPs steht auch noch eine Tour im Herbst/​Winter die­sen Jah­res an. Das ist alles sehr zeit­in­ten­siv und erfor­dert sicher­lich auch eini­ges an Kraft und Orga­ni­sa­ti­on. Kannst du denn aktu­ell von dei­ner Musik und dei­nen Pro­jek­ten leben?

GRee­eN: Mehr als gut, ja. Das ent­wi­ckelt sich gera­de zu einer Fir­ma, von deren Ertrag nicht nur ich, son­dern auch mei­ne Jungs um mich her­um leben kön­nen. Ich kann Stück für Stück jeden von der Crew für die Pro­jek­te "frei­kau­fen".

MZEE​.com: Die Fra­ge ist ja immer auch, ob man sich als Künst­ler so auf die Musik fest­le­gen will. Man­che brau­chen ja auch etwas "Nor­ma­les" als Aus­gleich.

GRee­eN: Klar, da hast du Recht. Die Gedan­ken hat­te ich auch. Ich wür­de jedem raten, wenn er einen Traum hat, sich auch neben­her etwas Gleich­wer­ti­ges auf­zu­bau­en. Es gibt so vie­le Din­ge, für die man sich inter­es­sie­ren kann. Ich hät­te auch Archäo­lo­gie stu­die­ren kön­nen und hab' auch mal mit Lehr­amt ange­fan­gen … Aber ich leg­te mich eben schon mit 18 ziem­lich auf die Musik­kar­rie­re fest. Ich wuss­te, das ist der Grund, wes­halb ich hier bin, dass mich nichts auf­hält und ich woll­te den Leu­ten zei­gen, dass man alles errei­chen kann. Egal, wel­che Umstän­de es gibt und wel­chen Hin­ter­grund du hast. Es liegt an dei­nem Ehr­geiz und dei­nem Fleiß, wie lan­ge du dabei bleibst. Ich hat­te am Anfang nichts und arbei­te­te mich Stück für Stück nach oben. Das hat auch nichts mit Glück zu tun. Auch wenn man das Wort Glück ver­schie­den inter­pre­tie­ren kann. Der Aus­gleich ist schon sehr wich­tig. Den hat­te ich die letz­ten Jah­re über­haupt nicht, des­halb hab' ich auch zwei Mona­te Lehr­amt stu­diert. (lacht)

MZEE​.com: Was ist denn jetzt dein Aus­gleich? Und jetzt sag nicht Grinch Hill …

GRee­eN: (lacht) Ja, doch. Grinch Hill schon ein biss­chen. Aber vor allem Fami­lie, Natur, Sport, auf 'ner Wie­se lie­gen und was lesen, mit Freun­den abhän­gen, hier und da mal 'ne Rei­se machen. Das ist mein Aus­gleich. Ich könn­te mir aktu­ell aber auch gar kei­nen ande­ren Beruf neben der Musik vor­stel­len. Es ist ein­fach zu zeit­in­ten­siv und eben eine rich­ti­ge Fir­ma gewor­den. Der gan­ze Kram ist ja auch qua­si ein Aus­gleich zum Songs schrei­ben und Auf­neh­men. Aber mein Hei­lig­tum und das Wich­tigs­te sind Fami­lie und Freun­de.

MZEE​.com: Lass uns kurz zu einem The­ma kom­men, das sicher­lich vie­le dei­ner Fans inter­es­sie­ren wird: Batt­lerap. Wie­vie­le Jah­re machst du noch beim JBB mit?

GRee­eN: (lacht) Das Schö­ne ist: Ich hab' 2013 zum ers­ten Mal mit­ge­macht, danach erst wie­der 2016 beim JMC. Also offi­zi­ell waren es eigent­lich nur zwei Male.

MZEE​.com: Ja, und wie­vie­le Batt­les hast du sonst noch gemacht? (lacht)

GRee­eN: Beim VBT hab' ich eine Qua­li­fi­ka­ti­on für die splash!-Edition ein­ge­reicht und beim nor­ma­len VBT noch zwei Run­den gemacht … und jetzt ist Grinch Hill beim JBB dabei, das bin ja nicht ich. (grinst) Aber das wird jetzt auch das letz­te Mal sein. Das Tur­nier hat ja vor ein­ein­halb Jah­ren ange­fan­gen, da gab es eine ein­jäh­ri­ge Pau­se. Ich hab' da auch nicht mit­ge­macht, um neue Fans zu gene­rie­ren, da kennt mich, glau­be ich, eh schon jeder. Aber es hat mir halt ein­fach Spaß gemacht, wie­der gegen Geg­ner zu rap­pen. Das ist ein Hob­by, 'ne Kampf­sport­art, bei der ich mich ver­bal mit ande­ren Rap­pern prü­gel. Das braucht Grinch Hill ein­fach. Der will jeman­den zusam­men­klop­pen und der Bes­te sein. Die­ser Ansporn ist halt geil. Das ist wie ein Chef, der dir sagt, wann du irgend­wel­che Din­ge abge­ben musst. Das hab' ich ansons­ten nicht, ich bin ja mein eige­ner Chef. Die­se Dead­lines tun tat­säch­lich auch mal gut. Aber das war, wie gesagt, das letz­te Mal. Ich find's immer noch geil, aber ich hab' kei­ne Zeit dafür. Wenn über­haupt, mache ich mal was eige­nes oder so …

MZEE​.com: Wie steht's denn um dei­nen Wunsch, mal live zu batt­len?

GRee­eN: Das wür­de ich schon ger­ne mal machen. Aber da sind wir wie­der bei der Zeit. Ich mach' ja auch aktu­ell beim JBB mit und muss dafür schrei­ben, obwohl ich eigent­lich dafür schon kei­ne Zeit habe. Live-​Battles wür­de ich, glau­be ich, dann machen, wenn ich mal wie­der chil­len kann und eigent­lich nichts zu tun habe. So als Hob­by. Ich kann mir das in Zukunft schon spa­ßes­hal­ber vor­stel­len, aber nicht total ernst­haft.

MZEE​.com: In der nächs­ten Zeit ist also in der Rich­tung nichts geplant.

GRee­eN: Nee, auf kei­nen Fall. Ich bin zu sehr mit mei­nen eige­nen Pro­jek­ten beschäf­tigt und kann mich da schon kaum vor Arbeit ret­ten. Außer Juli­en hät­te jetzt die Idee, qua­si mit dem JBB auf Tour zu gehen und JBB-​Battles ein­fach live zu spie­len. Das wür­de ich jeder­zeit machen. Das hab' ich ihm auch schon mal vor­ge­schla­gen und ich ver­ste­he nicht, war­um er das bis­her nicht gemacht hat. Ich ver­steh' auch nicht, dass Spon­ge­B­OZZ nicht auf Tour geht – er wür­de Hal­len aus­ver­kau­fen. Macht er aber ein­fach nicht. Und bei Juli­en muss es Bequem­lich­keit sein. Er hät­te locker 500er- oder sogar 1 000er-​Hallen voll­be­kom­men.

MZEE​.com: Es gab ja auch 'ne erfolg­rei­che VBT-​Tour. Und das VBT hat­te auf jeden Fall weni­ger Klicks als das JBB …

GRee­eN: Es ist echt scha­de, dass er das nicht macht. Es sind ja auch immer nur 10 Rap­per beim JBB. Mich hat beim VBT immer gestört, dass es so wahn­sin­nig vie­le Teil­neh­mer gab und ich mei­ne Zeit mit jeman­dem ver­schwen­den muss­te, der eine Cornflakes-​Packung auf dem Kopf und noch nie gerappt hat­te. Des­halb bin ich damals auch aus­ge­stie­gen.

MZEE​.com: Wir wür­den ger­ne noch ein The­ma anschnei­den, das dir auch am Her­zen liegt: Du the­ma­ti­sierst in dei­ner Musik ganz offen den Kon­sum von Can­na­bis – ein The­ma, das sich aktu­ell oft in der Poli­tik wie­der fin­det. Wie stehst du zur Lega­li­sie­rung von Can­na­bis?

GRee­eN: Ich fin­de das abso­lut legi­tim. Wäre Alko­hol ille­gal, könn­te man einer Lega­li­sie­rung von Can­na­bis kri­tisch gegen­über­ste­hen, dann wäre eben kei­ne Dro­ge erlaubt. Aber Alko­hol ist mei­ner Mei­nung nach als größ­tes Gift der Welt legal und Can­na­bis nicht … Das ergibt für mich über­haupt kei­nen Sinn.

MZEE​.com: Eine Lega­li­sie­rung kann ja auch Pro­ble­me mit sich brin­gen. Die Nie­der­lan­de zum Bei­spiel müs­sen sich immer wie­der mit soge­nann­ten "Drogen-​Touristen" aus­ein­an­der­set­zen.

GRee­eN: Auf der ande­ren Sei­te bringt es Steu­er­ein­nah­men ohne Ende und Tou­ris­ten sind doch immer etwas Gutes. (grinst) Beson­ders bekiff­te. Die sind doch voll lieb und schla­fen nur.

MZEE​.com: In eini­gen Vor­or­ten und auch in Ams­ter­dam selbst muss­te man in Cof­fee­shops zeit­wei­se eine Sper­re für Tou­ris­ten ein­füh­ren. Die ist jetzt zwar wie­der auf­ge­ho­ben, aber damals hielt man das wohl für nötig …

GRee­eN: Also, es wird ja auf der gan­zen Welt gekifft. Die Ille­ga­li­tät schafft doch nur mehr Pro­ble­me. Das nährt den Schwarz­markt. Wie­so soll­te da nicht der Staat sei­ne Hand auf­hal­ten und dem Schwarz­markt den Tep­pich unter den Füßen weg­zie­hen? Außer­dem könn­ten die Jugend­li­chen so viel bes­ser über die Dro­ge auf­ge­klärt wer­den. Etwas ein­fach zu ille­ga­li­sie­ren und zu sagen, dass es ganz schlimm ist, ver­hin­dert ja auch nicht, dass die Leu­te es aus­pro­bie­ren. Es pro­biert ja fast jeder aus und merkt, dass es gar nicht so schlimm ist. Klar, wir müs­sen nicht dar­über reden, was pas­siert, wenn du jeden Tag kiffst, aber das müs­sen wir bei Alko­hol auch nicht. Und wenn Jugend­li­che sehen, dass Can­na­bis zwar ille­gal, aber gar nicht so schlimm ist, dann den­ken sie das glei­che viel­leicht auch über Ecsta­sy oder sons­ti­ge Pil­len und Dro­gen.

MZEE​.com: Was ist denn dei­ne Mei­nung zu här­te­ren Dro­gen?

GRee­eN: Ich hab' kei­ne Erfah­run­gen damit gemacht, weil ich mit Che­mie noch nie was zu tun haben woll­te und das auch nicht brau­che. Selbst das hoch­ge­züch­te­te Holland-​Weed geht mir mitt­ler­wei­le rich­tig auf die Eier. Das hat nichts mehr mit dem Can­na­bis zu tun, das Gott erschuf. Can­na­bis soll­te auch aktiv und krea­tiv machen kön­nen, sodass du raus­ge­hen willst und red­se­lig wirst. Die­ses gezüch­te­te Zeug wirkt ja mitt­ler­wei­le wie Wod­ka, das ist schon 'ne har­te Dro­ge. Wenn es legal wäre, könn­test du das viel bes­ser kon­trol­lie­ren. Und die Leu­te könn­ten das Can­na­bis kau­fen, das sie wol­len, näm­lich Sativa-​lastiges, das eher high und nicht total stoned macht. Damit kannst du dein Leben auf jeden Fall eher auf die Rei­he krie­gen als mit die­sem Holland-​Weed. All­ge­mein ist die Kri­mi­na­li­sie­rung von Men­schen, die Dro­gen neh­men, ein Pro­blem. In Por­tu­gal find ich's geil. Da gibt es eine libe­ra­le Dro­gen­po­li­tik: Da wer­den auch Leu­te, die Koks neh­men, nicht in ein Gefäng­nis gesperrt. In ers­ter Linie sind das Men­schen, die Hil­fe brau­chen und the­ra­piert wer­den müs­sen. Sowas soll­te man in Deutsch­land ein­rich­ten. Ich fin­de trotz­dem, dass die­se Sub­stan­zen ver­bo­ten sein soll­ten. Ich bin total dage­gen. Trotz­dem bringt es nichts, einen Heroin-​Junkie mit Geld- und Frei­heits­stra­fen zu bele­gen.

MZEE​.com: Dro­gen sind ja all­ge­mein ein kras­ses The­ma. In den USA wer­den gera­de bei­spiels­wei­se Tests mit dem Wirk­stoff DMT durch­ge­führt, auf dem Aya­huas­ca basiert. Der Stoff greift qua­si aufs Gehirn zu und kon­fron­tiert den Kon­su­men­ten mit Erleb­nis­sen aus sei­nem Leben. Da wird über­prüft, ob DMT Traum­a­pa­ti­en­ten hel­fen kann, weil sie sich dadurch ihrem Trau­ma stel­len müs­sen und nicht davor weg­lau­fen kön­nen.

GRee­eN: Ich fra­ge mich immer, ob es so gut ist, Din­ge in der The­ra­pie so krass auf­zu­ar­bei­ten und Revue pas­sie­ren zu las­sen. Stell dir mal vor, du hast als Kind schon irgend­et­was ver­ar­bei­tet und bist mitt­ler­wei­le ein glück­li­cher Mensch. Dann wird das wie­der auf­ge­bro­chen und du wirst wegen etwas, das 20 Jah­re her ist, total depres­siv. Ich weiß nicht, ob das immer so gut ist. Bei einer Dro­ge kommt natür­lich noch dazu, wie kon­trol­lier­bar das Gan­ze ist. Aber auch all­ge­mein fra­ge ich mich, ob es so eine gute The­ra­pie ist, die Erleb­nis­se so inten­siv auf­zu­ar­bei­ten.

MZEE​.com: Ich den­ke schon, dass vie­le Men­schen Sachen ver­drän­gen und dass das defi­ni­tiv nicht immer schlecht ist.

GRee­eN: Das ist auch wie­der wahr. Wir haben alle Din­ge erlebt, die nicht schön sind. Jedoch gibt es nichts Schlim­me­res, als die wie­der auf­le­ben zu las­sen. Klar, wenn das immer noch in dei­nem Inne­ren rumort und du des­halb aggres­siv oder trau­rig bist, ist es ein Pro­blem. Aber war­um immer die Büch­se der Pan­do­ra öff­nen?

MZEE​.com: Die Dro­ge wür­de dann ja wahr­schein­lich nur bei Trauma-​Patienten ein­ge­setzt wer­den, wenn man davon aus­geht, dass der Pati­ent ansons­ten eben davor weg­läuft, sich aber sei­nem Pro­blem stel­len muss.

GRee­eN: Ich wür­de da eh ganz anders her­an­ge­hen. Klar, ich hab' nicht Psy­cho­lo­gie stu­diert. Aber ich wür­de mit Men­schen, denen schlim­me Din­ge pas­siert sind, anders umge­hen. Ich wür­de sie nicht alles noch­mal und noch­mal erzäh­len las­sen. Klar, das wird gemacht, damit die Men­schen damit abschlie­ßen kön­nen. Ist ja auch gut …

MZEE​.com: Mei­ne Mut­ter ist Men­tal­coach und hat mir letz­tens von Kri­sen­in­ter­ven­ti­on erzählt. Da kann es um alles gehen, auch um total kras­sen Lie­bes­kum­mer oder sowas. Dabei gibt es ver­schie­de­ne Per­sön­lich­keits­mus­ter, die sich dar­aus erge­ben, wie Men­schen auf­ge­wach­sen und auf­ge­zo­gen wor­den sind. Das muss vom Coach erst her­aus­ge­fun­den wer­den, um sie dann dort emo­tio­nal abzu­ho­len. Und erst dann kann er ratio­nal mit der Per­son an dem Pro­blem arbei­ten. Wenn ein Coach die Inter­ven­ti­on mit einem Men­schen macht, braucht er zwei Wochen, um wie­der bes­ser klar­zu­kom­men und das The­ma anders sehen zu kön­nen – ohne Inter­ven­ti­on angeb­lich zwei Jah­re. Du steckst dann ein­fach so extrem in die­sem Mus­ter und der Emo­ti­on fest.

GRee­eN: Ver­steh' ich voll. Unser Gehirn wird eben durch unse­re Erleb­nis­se pro­gram­miert. Da pral­len auch alle Auf­mun­te­run­gen und Ermu­ti­gun­gen ab, wenn du immer wie­der an die glei­che Schei­ße denkst. Um das umzu­pro­gram­mie­ren, braucht es zumin­dest allei­ne wirk­lich viel Zeit und Geduld. Man hat ja auch her­aus­ge­fun­den, dass bestimm­te Berei­che im Gehirn eher für das Posi­ti­ve und ande­re für das Nega­ti­ve zustän­dig sind. Men­schen, die depres­siv sind, haben ihre nega­ti­ve Sei­te eben extrem stark "trai­niert". Das wie­der umzu­po­len, ist echt 'ne Auf­ga­be. Mir fällt es bei­spiels­wei­se unfass­bar leicht, posi­tiv zu den­ken. Ich bin schon immer ein posi­ti­ver Mensch und ich kann auch nur so mit Nega­ti­vem umge­hen. Es gab zwar auch Zei­ten, in denen ich mich in Melan­cho­lie gesuhlt habe. Das kann ja auch schön sein. Aber ich hab's immer geschafft, recht­zei­tig da raus­zu­kom­men und fröh­lich zu sein. Das schaf­fen aber man­che Men­schen eben nicht. Über das The­ma könn­ten wir noch stun­den­lang reden. Viel­leicht beim nächs­ten Mal … (grinst)

MZEE​.com: Das Pro­blem ist, den­ke ich, dass Men­schen die Ver­gan­gen­heit auch total glo­ri­fi­zie­ren. Dann ver­lie­ren sie bei­spiels­wei­se etwas oder jeman­den und stür­zen sich nur noch in die Ver­gan­gen­heit. Und gleich­zei­tig wird allen ein­ge­trich­tert, dass sie immer glück­lich sein müs­sen.

GRee­eN: Das ist ja auch Bull­shit. Es ist wun­der­schön, mal trau­rig zu sein. Von 365 Tagen im Jahr bin ich viel­leicht an 60 Tagen trau­rig. Das ist ein Super­schnitt. Wenn es 180 Tage wären, wür­de ich natür­lich depres­siv wer­den, dann wür­de ich den Gehirn­be­reich zu inten­siv trai­nie­ren. Ich hab' zuletzt auch etwas sehr Trau­ri­ges erlebt und Trä­nen ver­gos­sen. Aber das gehört zum Leben dazu und wir gehen die­sen Weg alle. Natür­lich ist es schlimm, wenn jemand sehr früh aus dei­nem Leben geris­sen wird. Aber frü­her oder spä­ter wirst du es eh erle­ben …

MZEE​.com: Letz­te Fra­ge: Da wir wis­sen, dass du ger­ne die Welt ent­deckst – erzähl uns doch noch zum Abschluss unse­res Gesprächs dei­ne schöns­te Rei­se­ge­schich­te aus den letz­ten zwei Jah­ren.

GRee­eN: Also, ich war auf Kre­ta, gemein­sam mit mei­ner Schwes­ter, mei­nem Cou­sin und mei­ner Oma. Die hat­te sich das gewünscht und uns die Rei­se geschenkt. Irgend­wann habe ich mich abge­seilt, weil ich es auch lie­be, mal allein mit mir selbst und der Natur zu sein. Kre­ta ist ja für sei­ne sehr hohen Ber­ge bekannt. Dann hab' ich einen der Ber­ge ange­steu­ert und woll­te bis ganz nach oben lau­fen. Ich bin ein­fach abseits der Ber­ge los­mar­schiert und stei­le Fels­klip­pen hoch­ge­klet­tert. Das war viel­leicht teil­wei­se ein biss­chen lebens­mü­de. Aber ich lie­be es ein­fach, kom­plett los­ge­löst in der Bade­ho­se durch die Natur zu lau­fen. Ich bin dann fast bis zur Spit­ze gekom­men, fünf­hun­dert Meter haben viel­leicht gefehlt. Aber die Aus­sicht von die­sem Fels­vor­sprung konn­te ich ein­fach nur genie­ßen. Mei­ne Bei­ne waren nach den andert­halb Stun­den, die ich gelau­fen bin, total zer­ris­sen. Ich bin ein­mal gestürzt und hab' fast ne Lawi­ne aus­ge­löst. (lacht) Ich konn­te es aber immer noch ganz gut ein­schät­zen. Das sind mei­ne glück­lichs­ten Momen­te im Leben. Abseits der Wege in der Natur, wo viel­leicht noch nie jemand war. Auch wenn der Gedan­ke natür­lich absurd ist. Das ist mein Bal­sam für die See­le.

(Flo­rence Bader und Kris­ti­na Scheu­ner)
(Fotos von Arthur Rewak)