High Five: 07 /​ 18 – mit u.a. Curly, Moop Mama & Summer Cem

Der Deutschrap­zir­kus ist ein umtrie­bi­ger Schau­platz. Zwi­schen all den Pro­mo­pha­sen und Album­ver­öf­fent­li­chun­gen kann man schon ein­mal den Blick fürs Detail ver­lie­ren. Des­halb stel­len wir jeden Monat an die­ser Stel­le die klei­nen, fei­nen High­lights vor, die abseits des Album-​Korsetts Beach­tung ver­die­nen. In den Kate­go­ri­en State­ment, Video, Song, Instru­men­tal und Line prä­sen­tie­ren unse­re Redak­teu­re hand­ver­le­se­ne Schmuck­stü­cke. Egal, ob nun ein beson­ders per­sön­li­cher Bezug, eine wich­ti­ge Messa­ge oder ein run­des musi­ka­li­sches Gesamt­pa­ket den Anlass bie­ten. Hier wird ein tie­fer Ein­blick in ein­zel­ne Facet­ten der Rap­welt gebo­ten. Fünf Höhe­punk­te – klatscht in die Hän­de für unse­re "High Five"!

 

State­ment: form

Pola­ri­sie­rung ist lei­der ein zuneh­men­der Bestand­teil des deut­schen Raps – ob es nun frau­en­ver­ach­tend anmu­ten­de Zei­len von RIN oder Cro sind, frag­wür­di­ge Aus­sa­gen in Absz­trakkts aktu­el­ler Musik oder das neu­es­te Album von Pre­zi­dent. Gera­de Letz­te­res sorgt zuneh­mend für gespal­te­ne Mei­nun­gen, wie unter ande­rem auch wir schon fest­stel­len muss­ten. Der Rap­per form hat sich dem Album eben­falls ein­mal ange­nom­men. Wäh­rend die meis­ten Stim­men bis­her meist ein­sei­tig auf Pre­zi­dents aktu­el­le Aus­sa­gen ein­ge­gan­gen sind, schafft form es, das Gan­ze wei­test­ge­hend distan­ziert zu betrach­ten. So zeigt er auf der einen Sei­te Ver­ständ­nis für die Mei­nung des Wup­per­ta­lers zur #metoo-​Debatte, erklärt aber ande­rer­seits, wes­halb die­se nach außen sehr her­ab­las­send wirkt. Alles in allem ein zu lan­ger Text, um hier gebüh­rend dar­auf ein­zu­ge­hen, aber gleich­zei­tig äußerst sach­lich und fun­diert. Und daher ist es fast schon wün­schens­wert, dass form noch ein aus­führ­li­ches Inter­view mit Pre­zi­dent zu sei­nem Album führt, wel­ches dann auch unge­kürzt ver­öf­fent­licht wird.

 

Cur­ly - Veni­ce Beach (prod. Young Kira)

Video: Cur­ly – Veni­ce Beach

Cur­lys neu­es­tes Video hat alles zu bie­ten, was einem beim Titel "Veni­ce Beach" in den Sinn kommt: ein dicker, wei­ßer SUV, ein Luxus­a­part­ment in Strand­nä­he und schö­ne Frau­en am Pool. Das Beson­de­re ist jedoch, dass Cur­ly für den Clip nicht wirk­lich eine Rei­se nach Los Ange­les ange­tre­ten hat, son­dern in die vir­tu­el­le Zwillings-​Stadt Los San­tos aus GTA V ein­taucht. Mit Kame­ra­fahr­ten über die Vine­wood Hills, Bur­nouts auf einem Golf­platz und Sze­nen in einem ille­ga­len Growhaus zau­bert Video­pro­du­zent Timo Milb­redt einen Strei­fen, der einen völ­lig ver­ges­sen lässt, dass alles, was man sieht, aus einem Com­pu­ter­spiel stammt. Selbst der dafür erstell­te Spiel­e­cha­rak­ter sieht Cur­ly zum Ver­wech­seln ähn­lich. Die Idee, Clips aus dem von Rock­star Games stam­men­den Spiel für Musik­vi­de­os zu nut­zen, ist – zuge­ge­ben – nicht neu. Trotz­dem sieht man sel­ten ani­mier­te Ver­sio­nen von Rap­pern an Orten, an denen man selbst schon die ein oder ande­re Schie­ße­rei oder Ver­fol­gungs­jagd hat­te. Das dürf­te "Veni­ce Beach" zumin­dest für die meis­ten GTA-​Spieler inter­es­sant machen.

 

MCNZI – The Funk (Offi­ci­al Video)

Song: MCNZI – The Funk

Som­mer 2018: Deutsch­land gleicht einem kari­bi­schen Traum und Tem­pe­ra­tu­ren über 30 Grad sind kei­ne Sel­ten­heit. Pas­send dazu erlöst uns MCNZI in sei­nem neu­en Song "The Funk" durch einen akus­ti­schen Sprung ins küh­le Nass. Dabei kommt die typi­sche Life from Earth-​Atmosphäre natür­lich nicht zu kurz, denn das Cre­do "Haupt­sa­che anders" wird auf allen Ebe­nen umge­setzt. So cru­ist der Wahl­ber­li­ner im Video im Ferrari-​roten Schnell­boot mit drei rei­zen­den Damen über den Wann­see und spit­tet dabei mit kaum zu ver­glei­chen­der Leich­tig­keit eini­ge eng­li­sche Rei­me über einen 90s G-​Funk-​Beat, der kaum läs­si­ger sein könn­te. Inhalt­lich wird über die Mög­lich­kei­ten phi­lo­so­phiert, die der Som­mer bie­tet – wie zum Bei­spiel gril­len, baden und abhän­gen. Klingt über­trie­ben, ist jedoch ein extrem melo­di­scher Som­mer­hit mit unfass­bar läs­si­gem Vibe, der selbst die größ­ten Couch­pota­toes zum Raus­ge­hen ani­mie­ren wird.

 

Sum­mer Cem 🔫 ALLES VORBEI 🔫

Instru­men­tal: Sum­mer Cem – Alles vor­bei (prod. by Miksu)

Miksu – ehe­mals als Joshi­mi­xu bekannt – ist schon lan­ge kein unbe­schrie­be­nes Blatt im deut­schen Produzenten-​Game mehr. Dass er nach über zehn erfolg­rei­chen Jah­ren immer noch zu den Bes­ten des Lan­des gehört, beweist sein Instru­men­tal für Sum­mer Cems "Alles vor­bei". Durch den Ein­satz minimalistisch-​sphärischer Sounds und Strei­cher wird hier ein Klang­tep­pich geschaf­fen, der sich her­vor­ra­gend als Grund­la­ge für Sum­mers angeberisch-​brachiale Ansa­gen eig­net. Trotz Ver­wen­dung der für Trap typi­schen 808 kommt eine Ästhe­tik zustan­de, die mit­un­ter mehr an die Loops und gerad­li­ni­gen Drums von spä­tem 90er Jahre-​HipHop erin­nert als an kon­tem­po­rä­ren Ein­heits­brei. Durch die Mischung aus alten und neu­en Ele­men­ten ent­steht hier ein Pro­dukt, das der­ma­ßen eis­kalt, böse und zugleich erfri­schend anders klingt, dass es Miksus Sta­tus als Spit­zen­pro­du­zent ein­mal mehr unter­mau­ert.

 

Moop Mama - Molo­tow (offi­ci­al video)

Line: Moop Mama – Molo­tow

Ich bin ein Cop und sie 'ne Chao­tin.
Wir sind ver­schie­den, die­se Lie­be ver­bo­ten.

Lie­be kann so schön sein und doch auch so unter­schied­lich. Die­se durch­aus aus­ge­lutsch­te Kühlschrankmagneten-​Poesie rückt Moop Mama mit "Molo­tow" in ein neu­es Licht. Die Deutschrap-​Band mit ver­schie­dens­ten musi­ka­li­schen Ein­flüs­sen erzählt von der unge­wöhn­li­chen Lie­be zwei­er Men­schen, die auf den ers­ten Blick so gar nicht zusam­men­pas­sen: sie eine poli­ti­sche Demons­tran­tin, er Poli­zist – klingt nach vor­pro­gram­mier­tem Ärger. Und doch fin­den die bei­den zuein­an­der, nicht nur dank "Lie­bes­brie­fen per Fla­schen­post". Die Ambi­va­lenz ihres Ver­hält­nis­ses bringt unse­re Line des Monats kurz und knapp auf den Punkt. Wäh­rend die Gefüh­le der unter­schied­li­chen Cha­rak­te­re gesell­schaft­lich so eini­ge Rah­men spren­gen dürf­ten, ist die Idee hin­ter der Lie­be bei­der Par­tei­en doch so schön, dass sie einem ein dickes Lächeln auf die Lip­pen zau­bert.

(Lukas Päck­ert, Stef­fen Uphoff, Jan Men­ger, Stef­fen Bau­er, Sven Aumil­ler)
(Gra­fik von Puf­fy Pun­ch­li­nes)