Last but released: 06 /​ 18 – mit MistahNice, Sylabil Spill & Kollision

Monat für Monat bringt die deut­sche Rap­sze­ne mehr Releases her­vor, als ein ein­zel­ner Mensch über­haupt hören kann. Auch uns als Redak­ti­on geht es da nicht anders. So fal­len bei der Flut an Neu­erschei­nun­gen immer wie­der Wer­ke unter den Tisch, denen man lie­bend gern noch sei­ne Auf­merk­sam­keit geschenkt hät­te. Letz­te­res möch­ten wir hier­mit machen und Euch genau die Plat­ten näher­brin­gen, die ansons­ten viel­leicht nicht so sehr im Fokus ste­hen. Kurz und knapp vor­ge­stellt am Ende jedes Monats, sind die­se Wer­ke "Last but released".

 

MistahNi­ce – dich­ter & dan­ker

Als dich­ter Dich­ter zeigt MistahNi­ce auf "dich­ter & dan­ker", dass er mehr sein kann als nur der Side­kick von Lak­mann oder Al Kare­em. Sein neu­es­tes Werk knüpft dabei naht­los an den gewohn­ten Wit­te­ner Style an und ist dem glei­chen klas­si­schen Sound zuzu­ord­nen. Auf größ­ten­teils ruhi­gen Oldschool-​Beats gibt es rou­ti­nier­ten Rap zu hören, wobei MistahNi­ce eine Vor­lie­be für Ket­ten­rei­me zu haben scheint. Eben die­se ist es auch, die das Werk auf Dau­er etwas ein­tö­nig wer­den lässt. The­ma­tisch beschäf­tigt sich der Rap­per auf der EP mit dem Erhalt kon­ser­va­ti­ver Wer­te im Gen­re und natür­lich mit dem guten alten Gras. Dabei fehlt es aber lei­der an jeg­li­chen High­lights, text­lich wie sti­lis­tisch. Am Ende bil­det "dich­ter & dan­ker" damit eine mit sechs Tracks bestück­te Plat­te, die Fans von Rap der alten Schu­le ab und an mal einen Kopf­ni­cker ent­lo­cken kann. Zu viel mehr reicht es dann aber nicht.

 

Syla­bil Spill – Drauf sein

Lan­ge hat es Syla­bil Spill bei Kopf­ti­cker Records nicht aus­ge­hal­ten. Wenn man sich sei­ne bei­den aktu­el­len EPs anhört, hät­te er aber so oder so nicht mehr ganz dazu gepasst. Denn auch auf "Drauf sein" fährt der Bon­ner wie­der voll und ganz das Kon­zept "Grime auf Deutsch". Dabei büßt er zwar enorm von sei­ner lyri­schen Fines­se ein, die man von frü­he­ren Alben gewohnt ist, aber das macht der Sound wie­der wett. Denn Chou­kri und Pau­lin­ger zau­bern Instru­men­tals, die sich sehr stark an dem Sub­gen­re von der Insel ori­en­tie­ren, ohne dabei wie ein Pla­gi­at zu klin­gen. Ins­ge­samt ist "Drauf sein" am Ende zwar auf­grund feh­len­der Inno­va­tio­nen noch nicht die gro­ße Erleuch­tung, aber Syla­bil bringt defi­ni­tiv alles Nöti­ge mit, um Grime in Zukunft auch auf Deutsch eta­blie­ren zu kön­nen.

 

Kol­li­si­on – Oxy­mo­ron

Wenn wohl auch noch nicht jedem bekannt, uner­fah­re­ne No-​Names sind Kol­li­si­on aus Mün­chen nicht. Schließ­lich for­mier­te sich das Duo schon im Jahr 2006 und befasst sich seit damals mal mehr, mal weni­ger inten­siv mit der Aus­ar­bei­tung der gemein­sa­men Dis­ko­gra­fie. "Oxy­mo­ron" bil­det nun den nächs­ten Ein­trag in die Lis­te ihrer Releases und gestal­tet sich gewohnt unbe­quem – im posi­ti­ven Sin­ne. Die bei­den gehen wei­ter­hin ihren ganz eige­nen Weg und blei­ben sich sound­tech­nisch wie text­lich durch­weg treu. Zwi­schen old­schoo­li­gem Boom bap und ent­spann­ten, sphä­ri­schen Klän­gen rappt man mal ruhi­ge, fast medi­ta­ti­ve Inhal­te, dann wie­der scho­nungs­los kri­ti­sche Batt­ler­ap­zei­len. So ist der Sound selbst letzt­lich eine Art Kol­li­si­on, deren gelun­ge­ner, ein­gän­gi­ger Klang aber nicht von der Hand zu wei­sen ist. Wo der Crew­ti­tel so gut zur Musik passt und sich dar­aus so groß­ar­ti­ger Rap ergibt, dürf­te es kei­ner­lei Pro­ble­me geben, sich 2018 end­lich einen Namen in der Sze­ne zu machen.

(Jan Men­ger, Lukas Päck­ert, Dani­el Fersch)