Disarstar

Ich habe es bei MZEE immer auch als unse­re Auf­ga­be gese­hen, Rap­per nicht nur über Rap zu befra­gen. Nicht nur über den roten Faden des neu­en Albums oder dar­über, wie die letz­te Tour so war und ob Platz 3 in den Charts auch okay ist. Klar, kann man machen. Man kann aber auch über den Tel­ler­rand der Musik­in­dus­trie hin­aus­schau­en und bei­spiels­wei­se über Sozia­les spre­chen. Oder Poli­tik. Dabei fällt mir auf Anhieb – neben Mar­cus Stai­ger, der aller­dings nicht als Rap­per zu kate­go­ri­sie­ren ist – nie­mand ande­res ein, auf den die­se The­men so exakt wie die Faust aufs Auge pas­sen, als der Ham­bur­ger Rap­per Disar­star. Nicht nur, weil er offen­sicht­lich über ein sehr breit auf­ge­stell­tes poli­ti­sches Inter­es­se ver­fügt, son­dern auch, weil die­se The­men immer wie­der in sei­ner Musik Platz fin­den.

Ein Abend im Früh­ling 2018. Glei­cher Ort, glei­che Zeit wie vor exakt einem Jahr – weni­ge Minu­ten vor Mit­ter­nacht irgend­wo in Hes­sen. Kurz nach einem erfolg­reich absol­vier­ten Auf­tritt tref­fen wir Disar­star in einer Hotel-​Lobby. Wie­der ist er gut gelaunt, hell­wach und hat Rede­be­darf – springt von einem The­ma zum nächs­ten, schon bevor das Auf­nah­me­ge­rät über­haupt ange­schal­tet ist. Und so füh­ren wir nicht nur ein sehr lan­ges, son­dern auch ein sehr the­men­rei­ches Inter­view. In über 80 Minu­ten spre­chen wir über Deutschrap-​Themen wie die bes­ten MCs aller Zei­ten, den Unter­schied zwi­schen einem MC und einem Rap­per sowie Disar­stars rele­van­tes­te Plat­te und sein Signing bei War­ner BMG. Zwi­schen­drin gibt es einen kur­zen Exkurs über den musi­ka­li­schen Ein­fluss, den die Ham­bur­ger Rap­per BOZ und Chiss­mann auf ihn hat­ten – und immer noch haben. Und dann geht das Inter­view auch end­lich über zu poli­ti­schen The­men, die uns unter den Nägeln bren­nen: Wie war es eigent­lich als Ham­bur­ger beim G20-​Gipfel? Wie wur­de das The­ma in den Medi­en behan­delt und wie war es wirk­lich vor Ort? Was gibt es über Olaf Scholz' wei­te­ren Wer­de­gang zu sagen und wie steht es um die Gro­ße Koali­ti­on? Das nur als klei­ner Aus­zug der The­men, die im vor­lie­gen­den Inter­view alle auf­ge­grif­fen wur­den.

An die­ser Stel­le sei erwähnt, dass das Inter­view kurz vor dem ECHO-​Eklat geführt wur­de. Hät­ten wir uns danach zum Gespräch getrof­fen, wäre die­ses The­ma natür­lich eben­falls Teil des Inter­views gewor­den.

MZEE​.com: Ende 2009 haben Sze­ne­ken­ner die 20 bes­ten deut­schen MCs für die JUICE gewählt. Damals gab es eine umfas­sen­de Dis­kus­si­on dar­über, was einen MC aus­macht und von einem Rap­per unter­schei­det. Denkst du in Anbe­tracht der Ent­wick­lun­gen der letz­ten Jah­re auch, dass es die­se Dif­fe­ren­zie­rung gibt?

Disar­star: War­um war ich denn da nicht unter den bes­ten 20? Ich hab' mit 15 schon ver­dammt sta­bil gerappt. (lacht) Ich fin­de vie­les von dem, was heu­te so pas­siert, der­be schei­ße und kann damit nichts anfan­gen. Und trotz­dem ist es wich­tig, dass es pas­siert. Ich bin weder reak­tio­när noch kon­ser­va­tiv – vor dem Hin­ter­grund fin­de ich, dass Din­ge sich nach vor­ne ent­wi­ckeln müs­sen. Und dass man da nicht mehr sol­che Abstri­che machen kann. Was frü­her ein MC war, ist heu­te viel­leicht etwas ande­res, weil es sich wei­ter­ent­wi­ckelt hat. Aber ich wür­de da jetzt kei­nen Unter­schied sehen.

MZEE​.com: Vie­le wür­den ver­mut­lich sagen, dass ein MC ein skill­tech­nisch breit auf­ge­stell­ter Rap­per ist, der zum Bei­spiel free­sty­len kön­nen soll­te.

Disar­star: Ehr­lich gesagt hal­te ich es für eine tol­le Ent­wick­lung, dass Rap sich aus der Sze­ne herau­s­ent­wi­ckelt hat und mitt­ler­wei­le Main­stream ist. In Ame­ri­ka ist auf jedem Pop-​Song eine Rapstro­phe – das sind sehr posi­ti­ve Ent­wick­lun­gen. Und das "Ein MC oder Rap­per muss …" macht die Kunst halt ein biss­chen kaputt. Wenn man es über­ge­ord­net sieht, ist Rap Kunst – und Kunst muss gar nichts. Des­we­gen fin­de ich die­se Begriff­lich­kei­ten ver­al­tet und kon­ser­va­tiv. Aber ich respek­tie­re das sehr. Ich ver­su­che auch, nach­zu­voll­zie­hen, wo Rap her­kommt. Doch wenn man sich Geschich­te mal ganz all­ge­mein anguckt, ent­wi­ckelt sie sich dia­lek­tisch wei­ter. Und so auch Mucke und Rap. Natür­lich ist nichts mehr, wie es vor 20 Jah­ren war – das ist auch rich­tig und gut so.

MZEE​.com: Wel­che drei Rap­per wür­dest du spon­tan auf die JUICE-​Liste set­zen?

Disar­star: Aus die­ser MC-​Perspektive gese­hen Flipstar von Creutz­feld & Jakob. Sei­ne alten Parts von 1998 ste­hen Reim- und Flow-​technisch 2018 in nichts nach. (über­legt) BOZ gehört auch auf die Lis­te. Der Song "Letz­te Nacht in Ham­burg" vom letz­ten Mix­tape ist so hef­tig – jede Zei­le ist der­be on point.

MZEE​.com: Jetzt fehlt noch einer.

Disar­star: Das find' ich voll schwie­rig. Schlagt mal einen vor, den ich fei­ern könn­te.

MZEE​.com: Tua.

Disar­star: Für mich ist Tua irgend­wie oustan­ding. Ich hab' als ers­tes auch an ihn gedacht, aber ich fin­de, er passt da nicht rein. Er ist so ganz anders. (über­legt) Viel­leicht kann man Sido noch mit rein­neh­men, weil er von den "Alten" der ein­zi­ge ist, der sich immer wei­ter­ent­wi­ckelt hat. Das kann man haten, aber ich fand's bei ihm nie anor­ga­nisch. Ich kauf' ihm die Pop­songs nicht weni­ger ab, als ich ihm damals den "Arsch­fick­song" abge­kauft hab'. Schon ein beson­de­rer Künst­ler.

MZEE​.com: Da du BOZ ange­spro­chen hast: Warst du einer der­je­ni­gen, die Chiss­mann frü­her so gefei­ert haben?

Disar­star: Über­trie­ben – auch bis heu­te. Er ist ein­fach zu krass.

MZEE​.com: Er hat 2009 sein Album "Ganz nor­mal" mit einem Kollegah-​Feature raus­ge­bracht. Das wur­de über­all rauf- und run­ter­ge­hört.

Disar­star: Ja, die kann­ten sich alle aus der RBA. Chiss­mann ist ein­fach ein unglaub­li­cher Rap­per. Was vie­le Kon­su­men­ten mit Sicher­heit nicht che­cken: Es ist so spe­zi­ell, es ist welt­weit unver­gleich­lich, wie er rappt. Die­se Igno­ranz – eigent­lich ist er auf gewis­se Art und Wei­se Shin­dy und Co. sein Vater. Das Gei­le ist: Man hört ja bei einem Rap­per, ob er den Takt mit Absicht nicht trifft oder weil er es nicht anders kann. Das eine ist unäs­the­tisch, das ande­re der­be ästhe­tisch. Chiss­mann hat auf vie­len Songs einen Fick gege­ben, man hat aber gehört, dass er das mit Absicht macht. Und das macht sei­ne Mucke so spe­zi­ell. Wenn du mei­ne Mucke hörst, hörst du was von BOZ und Chiss­mann in jedem Song. Als ich ange­fan­gen habe zu rap­pen, hab' ich sie gehört und die­se Offbeat-​Flows sind in mei­nen Stil mit­ein­ge­flos­sen.

MZEE​.com: Es war auch beson­ders, dass Chiss­mann einer­seits etwas sehr Deepes und Pathe­ti­sches hat­te, ande­rer­seits aber auch …

Disar­star: … was über­trie­ben Aso­zia­les. So kern-​assi.

MZEE​.com: Die­se Gegen­sät­ze machen das Gan­ze noch inter­es­san­ter, solan­ge es nicht auf­ge­setzt ist.

Disar­star: Voll. Sehe ich auch so.

MZEE​.com: Kom­men wir auf dei­ne eige­ne Musik zu spre­chen: Wie weit bist du denn mit dei­ner neu­en Plat­te?

Disar­star: Ich hab' schon ganz viel, bin in vie­len Belan­gen aber auch noch unent­schlos­sen. Die Plat­te ist auf jeden Fall ein radi­ka­ler Schritt, den ich aber auch so machen woll­te. Es ist inhalt­lich und rap­t­ech­nisch eins zu eins Disar­star, aber es kriegt musi­ka­lisch ein ande­res Gewand. Irgend­wie war "Minus x Minus = Plus" nicht die logi­sche Kon­se­quenz nach "Kon­tras­te". "Kon­tras­te" hat­te ja manch­mal auch Pop-​Elemente. Ich bin dann in eine ande­re Rich­tung gegan­gen und hab' mit "Minus x Minus = Plus" eher an das "Sturm & Drang"-Mixtape ange­knüpft. Und das Album jetzt soll dann die logi­sche Wei­ter­ent­wick­lung zu "Kon­tras­te" sein. Ich kann heu­te auch nicht mehr nach­voll­zie­hen, war­um ich das nicht gemacht hab'. In unse­rem Inter­view vor einem Jahr hab' ich gesagt, ich mag "Kon­tras­te" nicht mehr. Das ist jetzt schon wie­der ganz anders. Ich hab' das Album gera­de das ers­te Mal nach zwei Jah­ren wie­der durch­ge­hört und ich fand's super. Das ist ein super Album! (lacht)

MZEE​.com: Du bist ja bei Mar­cus Stai­ger in der Edi­ti­on. Besteht noch der enge Kon­takt zwi­schen euch?

Disar­star: Ja, aber Stai­ger ist der grau­sams­te Ver­le­ger der Welt. Busi­ness­tech­nisch hat­te ich eigent­lich noch nie viel mit ihm zu tun. Ich mein': Ich bin bei ihm in der Edi­ti­on bei BMG und er erzählt in Inter­views, dass "Kon­tras­te" voll schei­ße ist. (lacht) Wo ich mir denk: "Dig­gi?!" Auf der einen Sei­te ehrt es ihn, weil es real ist. Auf der ande­ren Sei­te ist es aber auch der­be dumm. Ansons­ten tref­fen wir uns, wenn ich in Ber­lin bin, aber es geht dabei nur erstaun­lich wenig um Musik. Eher um Poli­tik und sowas.

MZEE​.com: Und wei­ter­hin bist du aber bei War­ner gesignt.

Disar­star: Ja. Und ich muss sagen: In Zei­ten, in denen gera­de beim Major jeder gedroppt wird, hat War­ner die drit­te Opti­on gezo­gen für das, was als nächs­tes kommt. Das ehrt mich natür­lich sehr. Ich weiß übri­gens noch gar nicht, ob es ein Album wird – viel­leicht wird es auch ein Mix­tape, das nur digi­tal erscheint. Ich mach' grad ein­fach nur Mucke. Und ich weiß, dass man im Rap eigent­lich jede Woche eine neue Sin­gle auf Spo­ti­fy brin­gen muss. Aber ich will mir trotz­dem Zeit las­sen, um mei­ne Mucke noch lie­be­vol­ler zu gestal­ten.

MZEE​.com: Es führt kein Weg dran vor­bei: Kom­men wir zur Poli­tik. Zuerst wür­de ich ger­ne wis­sen, wie du als Ham­bur­ger den G20-​Gipfel erlebt hast?

Disar­star: In mei­nem Vier­tel, vor mei­ner Haus­tür: loco. Vier ver­rück­te Tage voll Adre­na­lin, vier Tage Stress. Ich war von mor­gens bis abends drau­ßen unter­wegs. Und es war in allen Dimen­sio­nen ver­rückt.

MZEE​.com: Gab es dabei ein beson­ders ein­schnei­den­des Erleb­nis für dich?

Disar­star: (über­legt) Ich erzäh­le euch das jetzt ganz ehr­lich so, wie ich hier sit­ze. Ich war auf der "Wel­co­me to Hell"-Demo. Don­ners­tag­abend, bevor es los­ging. Wir sind vom Camp "Volks­park" los­ge­fah­ren. Waren alle schwarz ange­zo­gen, aber weder ver­mummt noch aggres­siv. Die Leu­te, mit denen ich unter­wegs bin, sind wirk­lich poli­tisch und wol­len eine poli­ti­sche Hal­tung durch­set­zen. Es macht kei­nen Sinn, von Anfang an Fla­schen und Stei­ne auf Poli­zis­ten zu schmei­ßen. So kannst du kei­ne Mei­nung trans­por­tie­ren – es ist klar, dass es dann eska­liert. Wir sind also da ange­kom­men. In den Medi­en hieß es, es wären "5 000 Ver­rück­te" gewe­sen. Es waren 100 000 Leu­te, der gan­ze Fisch­markt war voll. Ich war drei Tage spä­ter auch auf der bür­ger­li­chen Demo – da waren 5 000 Leu­te. Die Medi­en erzäh­len, das waren 100 000 und bei der gewalt­be­rei­ten 5 000. Aber es war genau umge­kehrt. Wir sind dann da über­trie­ben dumm gestan­den: Auf der rech­ten Sei­te ist ein Stein­deich und auf der lin­ken Sei­te kommt man auch nicht weg – man ist also gefan­gen. Ich war rela­tiv weit vor­ne im Block. Und bis zu einem gewis­sen Zeit­punkt gilt es, fried­lich zu sein. Wir ste­hen also da und war­ten 20 Minu­ten. Es waren 20 000 Bul­len im Ein­satz. Auf ein­mal stel­len die sich in Drei­er­rei­hen links von uns Spa­lier … Ich krieg' ne Gän­se­haut, wenn ich jetzt so drü­ber spre­che. Ich ken­ne die­se Demo-​Situation, seit­dem ich 15 bin, und hab' schon rich­tig ekli­ge Demos gehabt. Aber das an dem Tag war jen­seits von Gut und Böse. Wir war­ten eine hal­be Stun­de auf Durch­sa­gen vom Laut­spre­cher­wa­gen, die Cops las­sen die Demo nicht los­lau­fen. 50 Meter vor und 50 Meter hin­ter mir ver­ein­zelt Ver­mumm­te, aber rela­tiv weni­ge. Und weder Flaschen-, noch Stein­wür­fe – es war rela­tiv fried­lich. Gleich­zei­tig sehr ange­spannt, du hast Adre­na­lin bis zum Hals. Die Bul­len haben sich also in Drei­er­rei­hen auf­ge­stellt und rück­bli­ckend betrach­tet hät­te man da schon agie­ren müs­sen, anstatt zu war­ten, bis was pas­siert. Wir ste­hen da und auf ein­mal klop­pen die von der Sei­te in die gan­ze Demo, in 10 000 Men­schen rein. Und da ist die­se Mau­er, das heißt, du kommst nicht weg. Die kom­men von der Sei­te, drän­gen uns an die Mau­er und klop­pen da rein wie wild. Wenn du die­sen Poli­zis­ten in die Augen guckst: Die haben sowie­so Bock, jeman­dem eine rein­zu­hau­en. Du musst das ja erst mal übers Herz brin­gen, jeman­dem, der unbe­waff­net vor dir steht, einen Knüp­pel auf den Kopf zu hau­en. Bei so einem Erleb­nis wird man auch per­sön­lich rich­tig wütend. Und dann waren wir die gan­ze Nacht unter­wegs.

MZEE​.com: Wie war der Moment für dich, in dem Poli­zis­ten anfin­gen, sich neben der Demo auf­zu­stel­len?

Disar­star: Der schwar­ze Block ist so orga­ni­siert und sor­tiert, dass an den Sei­ten die erfah­re­ne­ren Leu­te lau­fen und in der Mit­te die uner­fah­re­nen. Und eigent­lich ist für jeden klar: "Willst du das machen oder willst du das nicht machen? Über­leg es dir gut." Spä­ter wur­den Leu­te dann unter wei­ßen Decken reani­miert – was in den Medi­en gar nicht statt­ge­fun­den hat. Aber man weiß, dass 500 Poli­zis­ten ver­letzt wur­den. Im Nach­hin­ein kam raus, dass nur sie­ben mehr als einen Tag dienst­un­fä­hig waren. 200 wur­den durch eige­nes Pfef­fer­spray ver­letzt. Und ich kann mir vor­stel­len, dass 250 zurecht am nächs­ten Tag gesagt haben: "Da hab' ich kei­nen Bock drauf!" Wäre ich ein Bul­le, dann wür­de ich mich nicht auf so eine men­schen­ver­ach­ten­de Schei­ße ein­las­sen. Es ist auch dem Bul­len gegen­über men­schen­ver­ach­tend, was ihn nicht davor schützt, dass er's macht. Auf jeden Fall: Es war ange­spannt, aber wir wis­sen, was da pas­siert. Und wenn man sich auf die Leu­te um sich her­um ver­las­sen kann, ist es auch nicht so dra­ma­tisch. Aber ich krieg' trotz­dem Gän­se­haut, wenn ich dran denk', weil man schon Todes­angst hat, wenn die da so aus­ras­ten. Und dar­um hab' ich auf Face­book auch so wütend geschrie­ben, weil Leu­te, die zu Hau­se waren, N24 und ARD geguckt haben, mir erzäh­len wol­len, wie die Demons­tra­ti­on ablief. Das hat mich über­trie­ben aggres­siv gemacht.

MZEE​.com: Wie haben die Medi­en das The­ma in dei­nen Augen behan­delt?

Disar­star: Nach der "Wel­co­me to Hell"-Demo war man nachts um eins zu Hau­se und es war medi­al gese­hen über­trie­ben viel los. Zuerst wur­de auch noch die Poli­zei­ge­walt the­ma­ti­siert. Da hat­te ich noch das Gefühl, dass die brei­te Öffent­lich­keit auf unse­rer Sei­te war – auch, weil es kei­ne Selek­ti­on auf Sei­ten der Bul­len gab. Die haben ja alles kurz und klein geprü­gelt. Leu­te, die ich ken­ne, wur­den schwer ver­letzt. Bein offen, gebro­chen. Wie auch immer ein Cop das hin­kriegt, ein Bein so zu bre­chen, dass der Schien­bein­kno­chen durch die Hose raus­guckt – völ­lig absurd. Auf jeden Fall war die Bericht­erstat­tung da noch realitäts-, aber auch Cops-​nah. Was der Staat und die Poli­zei macht, hin­ter­fragt man halt nicht kri­tisch, das hat immer sei­ne Rich­tig­keit. Die Poli­zei hat immer recht und die, die der Poli­zei gegen­über­ste­hen, immer unrecht. Aber ten­den­zi­ell war es da noch dif­fe­ren­ziert. Am nächs­ten Mor­gen kam dann die Elbchaussee-​Autokampagne. Da wur­den in der reichs­ten Stra­ße in Ham­burg eini­ge Autos in Brand gesteckt. Die­se Kam­pa­gne, die medi­al hoch­ge­kocht wur­de, war falsch und unnö­tig. Ich ken­ne nie­man­den, der dar­an betei­ligt war oder jeman­den kennt, der dar­an betei­ligt war. Es waren vie­le Leu­te aus ganz Euro­pa da und wir glau­ben, dass sie die Auto­kam­pa­gne gestar­tet haben. Denn von den Ham­bur­gern und Leu­ten aus Frank­furt und Stutt­gart, die ich schon lan­ge ken­ne, macht das eigent­lich kei­ner. Es ist klar, dass das schei­ße war. Ich wür­de nie ein Auto anzün­den, weil der Fer­ra­ri nicht zwin­gend einem Unter­neh­mer gehört, der Arbei­ter aus­beu­tet. Es kann auch ein Tisch­ler­ge­sel­le sein, der seit 20 Jah­ren drauf spart, sich so ein Auto zu kau­fen. Und das sieht man von außen halt nicht. Auf jeden Fall ist das Gan­ze damit medi­al kom­plett gekippt. Ich war vier Tage unter­wegs und hab' mich per­sön­lich davon rich­tig ange­grif­fen gefühlt. Es war ein ganz stran­ges Erleb­nis: Ich hat­te das Gefühl, die gan­ze Stadt ist gegen uns. Es gab die­ses "Uns"- und "Ihr"-Gefühl. Und ich glau­be, des­we­gen hat sich die Situa­ti­on in der Schan­ze auch so hoch­ge­schau­kelt. Die Leu­te sind ein­fach wütend dar­über gewor­den, dass ande­re so obrig­keits­hö­rig sind und sich vor­be­halt­los vor Poli­zei und Staat stel­len. Anstatt erst mal zu reflek­tie­ren.

MZEE​.com: Sind auch Leu­te auf die Stra­ße gegan­gen, die nor­ma­ler­wei­se eher nicht poli­tisch aktiv sind?

Disar­star: Enorm vie­le. In der Schan­ze war es Wahn­sinn. An dem Abend haben die Bul­len Pfef­fer­pa­tro­nen ver­schos­sen, was sie in Deutsch­land, glaub' ich, gar nicht dür­fen. In ganz St. Pau­li haben dei­ne Nase und dei­ne Lun­ge gebrannt, weil das Pfef­fer im gan­zen Vier­tel in der Luft hing. Alle hat­ten Trä­nen in den Augen und Atem­pro­ble­me. (über­legt) Ich rede da mit Euch gera­de das ers­te Mal so drü­ber, des­we­gen macht mich das auch so emo­tio­nal. Es war ein­fach ein über­trie­ben kras­ses Erleb­nis … Am 21. Dezem­ber 2013 woll­ten sie ja die Flo­ra dicht machen und die ESSO-​Häuser abrei­ßen, was sie am Ende auch geschafft haben. Was da pas­siert ist, war auch rich­tig hef­tig. Das heißt, ich war schon auf sehr hef­ti­gen Demons­tra­tio­nen und in sehr hef­ti­ge Aus­ein­an­der­set­zun­gen invol­viert. Aber das, was bei G20 statt­fand, hab' ich noch nie erlebt. Und ich glau­be, dass es das in Deutsch­land so auch noch nie gege­ben hat. Die Anwei­sun­gen, die die Poli­zei gekriegt hat, waren krank. Danach hat Scholz sich ja hin­ge­stellt und gesagt: "Poli­zei­ge­walt hat es nicht gege­ben." Aber geh ein­mal ins Inter­net – du fin­dest 45 Minu­ten lan­ge Zusam­men­schnit­te von G20, wo Leu­te von der Sei­te 'ne Faust oder 'nen Knüp­pel ins Gesicht krie­gen.

MZEE​.com: Was sagst du denn dazu, wie es jetzt mit Scholz wei­ter­geht?

Disar­star: Selbst aus einer bür­ger­li­chen Per­spek­ti­ve, wenn ich nicht auf den Demons­tra­tio­nen gewe­sen wäre, selbst wenn ich so ein Kon­ser­va­ti­ver wär', den das eigent­lich alles gar nichts angeht, selbst wenn ich das aus einer staat­li­chen, poli­zei­freund­li­chen Per­spek­ti­ve betrach­te: Dud­de, Gro­te und Scholz hät­ten alle ihren Job ver­lie­ren müs­sen. Sie hät­ten alle danach zurück­tre­ten müs­sen – und kei­ner von ihnen hat irgend­wel­che Kon­se­quen­zen tra­gen müs­sen. Selbst wenn du pro Poli­zei bist, musst du dir ja ein­ge­ste­hen, dass das gan­ze Ding kom­plett aus dem Ruder gelau­fen ist. Und kei­ner hat dafür Ver­ant­wor­tung getra­gen.

MZEE​.com: Wo wir schon bei Poli­tik sind, wür­de ich ger­ne noch über die Gro­ße Koali­ti­on spre­chen.

Disar­star: Ganz trau­rig. Ich fin­de, eine Min­der­heits­re­gie­rung ist die bes­te Form des Par­la­men­ta­ris­mus. Auch wenn ich den aus ande­ren Grün­den ja ein Stück weit für Käse hal­te. Hier in Deutsch­land, Gro­Ko, Über­müll. Es wird alles ein­fach genau­so wei­ter­ge­hen, wie es schon war. Eine Min­der­heits­re­gie­rung wär' ne tol­le Mög­lich­keit gewe­sen. Dass man sich für jedes The­ma neue Mehr­hei­ten suchen muss, anstatt dass es Koali­ti­ons­ab­spra­chen gibt. Zum The­ma "unse­re tol­le Demo­kra­tie" – es kam ja im Vor­feld auch wie­der raus, wie so ein Koali­ti­ons­zwang aus­sieht. Und dass dei­ne Par­tei­kar­rie­re schnell vor­bei ist oder du gar nicht die Mög­lich­keit hast, nach oben zu kom­men, wenn du nicht wie die füh­ren­den Kader stimmst. Das fin­de ich rich­tig trau­rig. Gro­Ko ist halt ein­fach lang­we­lig.

MZEE​.com: Es ist ja lei­der auch klar, dass sich die kom­men­den vier Jah­re nicht viel ändern wird.

Disar­star: Ja. Und "Gemein­sam erfolg­reich" ist auch ein­fach Käse, wenn man sich die Zah­len mal anguckt. Es heißt, wir hat­ten noch nie so weni­ge Arbeits­lo­se – das kann auch sein. Aber wir hat­ten auch noch nie so vie­le Leu­te, die von ihrem Job nicht mehr leben kön­nen. Wir hat­ten auch noch nie so vie­le Bett­ler und Pfand­samm­ler. Aber auch noch nie so vie­le Leu­te, die Sport­wa­gen fah­ren. Ich weiß nicht, von wem Mer­kel spricht, wenn sie von "Gemein­sam erfolg­reich" redet – aber von mir und mei­nen Freun­den spricht sie nicht. Und von den Leu­ten, die ich auf St. Pau­li in der Stra­ße seh', spricht sie auch nicht. Des­we­gen sind es jetzt ein­fach wie­der ver­schenk­te Jah­re. Das ist ja auch ein­fach Mer­kels Poli­tik. Die Frau regiert seit zwölf Jah­ren – nenn' mir mal eine Posi­ti­on, für die sie steht. Gut, sie hat gesagt: "Wir schaf­fen das!" Aber was ich bis heu­te auch nicht nach­voll­zie­hen kann: War­um sie das gemacht hat, was das wirt­schafts­po­li­ti­sche Motiv dahin­ter ist. So cool, wie Deutsch­land sich da bedingt ver­hal­ten hat, so schnell ist man dann auch zurück­ge­ru­dert, was öffent­lich aber gar nicht so wahr­ge­nom­men wur­de. Aber: Wofür steht die Frau? Wie kann eine Frau, die kei­ne poli­ti­sche Hal­tung hat, die noch nie Tache­les gespro­chen hat inner­halb von zwölf Jah­ren, immer wie­der­ge­wählt wer­den? Ich ver­steh' die Leu­te nicht.

MZEE​.com: Im Rah­men der letz­ten Bun­des­tags­wahl hast du am Hyperbole-​Format "Stra­ßen­wahl" teil­ge­nom­men und eine Dis­kus­si­on mit der FDP-​Politikerin Kat­ja Suding geführt.

Disar­star: (seufzt) Ein über­trie­be­ner Flop. Ich würd's nie wie­der machen.

MZEE​.com: Hast du dir das Gan­ze hin­ter­her noch mal ange­se­hen?

Disar­star: Ich hab's mir ange­guckt und mich über­trie­ben dar­über auf­ge­regt. Ich hab' mich am Tag vor dem Dreh sie­ben Stun­den hin­ge­setzt, das FDP-​Parteiprogramm aus­ein­an­der­ge­nom­men, Kat­ja Sudings Inter­net­sei­te aus­ein­an­der­ge­nom­men, Reden und Dis­kus­sio­nen von ihr ange­guckt, mir ihre Bio­gra­fie rein­ge­zo­gen – wie sie auf­ge­wach­sen ist, was ihre Eltern beruf­lich machen. Ich hab' mich echt sie­ben, acht Stun­den inten­siv dar­auf vor­be­rei­tet und man hat aus die­sen 80 genau die sie­ben, acht Minu­ten genom­men, in denen sie am bes­ten weg­kommt. Ich kann dir auch sagen, war­um: Weil sie das For­mat ja wei­ter­füh­ren möch­ten und Angst haben, dass, wenn Disar­star Kat­ja Suding 80 Minu­ten angreift, kein Poli­ti­ker da wie­der hin­geht. Das soll ja ein gemüt­li­ches For­mat sein. Aber ich hab' mich sehr ver­arscht gefühlt und war über­trie­ben unzu­frie­den. Ich hab' dann gesagt: "Komm, haut's raus", und hab' da nichts blo­ckiert. Aber ich würd's nie wie­der machen. Die Vor­be­rei­tung hät­te ich mir schen­ken kön­nen, wenn ich da zu 'nem gemüt­li­chen Plausch gehen soll. Denn genau das wird ja in die­sem Video ver­mit­telt: Dass es ein gemüt­li­cher Plausch war.

MZEE​.com: Ich hab' dich in dem For­mat ehr­lich gesagt auch nicht wie­der­erkannt.

Disar­star: Ja, voll nicht. Da wur­den teil­wei­se Fra­gen mit Ant­wor­ten zusam­men­ge­schnit­ten, die gar nicht zusam­men­ge­hö­ren. Ich fin­de, ich mach' da eine sehr schlech­te Figur und das hat mich dar­an so auf­ge­regt. Auch sol­che Sachen wie dass sie mit der Bahn kam. So nach dem Mot­to: "Ich bin eine von euch." Da war die ers­te Fra­ge, die ich gestellt habe: "Frau Suding, war­um sind Sie mit der Bahn gekom­men? Ist die Dienst-​Limousine kaputt?" All das fin­det in dem Video ja gar nicht statt. Aber die Leu­te haben dann ja auch in die YouTube-​Kommentare geschrie­ben: "Disar­star sagt, es ging 80 Minu­ten. Wann kommt das?" – Es ist also schon zu ihnen durch­ge­drun­gen. Also alles cool.

MZEE​.com: Kom­men wir auf ein poli­ti­sches Rap-​Thema zu spre­chen: Hast du mit­be­kom­men, dass sich in den letz­ten bei­den Jah­ren ein paar Rap­per poli­tisch frag­wür­dig geäu­ßert haben?

Disar­star: Jetzt bin ich mal gespannt – ich hab' davon näm­lich gar nichts mit­ge­kriegt.

MZEE​.com: Bei Absz­trakkt zum Bei­spiel begann das Gan­ze vor knapp zwei Jah­ren mit einem Track namens "Walt­her", in dem Sät­ze fal­len wie: "Die­ses Land kriegt jetzt end­lich wie­der Män­ner, die sich weh­ren". Und es mün­de­te kürz­lich in einem Track namens "Bluat" mit Aus­sa­gen wie: "Ma Bluat, mein Boden – das ein­zi­ge, das heil macht, ist Hei­mat, Fami­lie und Gemein­schaft".

Disar­star: Jetzt im Ernst?! Guck mal, das ist ein Spin­ner. Ich hab' den Typen ein­mal bei Visa Vie getrof­fen. Sie hat ja meis­tens zwei Leu­te hin­ter­ein­an­der in ihrer Radio­sen­dung und da kamen auch Absz­trakkt und Cr7z. Gegen Cr7z kann ich an sich nichts Schlech­tes sagen. Und ich weiß nicht, wie bei den bei­den heu­te noch die Con­nec­tion ist. Ansons­ten den­ke ich, ein Absz­trakkt wür­de alles sagen, wenn er glaubt, dass er damit Auf­merk­sam­keit bekommt. Aber: Der soll die Schnau­ze hal­ten. Und sich auch mal mit Real­po­li­tik aus­ein­an­der­set­zen.

MZEE​.com: Und dann kom­men wir zu JAW, von dem musi­ka­lisch gese­hen ja sehr vie­le Leu­te sehr viel hal­ten.

Disar­star: Ich auch. Ich ken­ne einen Song von ihm, "Ele­na" – super! Was hat er gesagt?

MZEE​.com: Er hat vor ein paar Wochen einen Track von Absz­trakkt auf Face­book gepos­tet und im Zuge einer dann auf­kom­men­den Dis­kus­si­on geschrie­ben, dass Leu­te, die Absz­trakkt rech­tes Gedan­ken­gut anhän­gen wol­len, Unsinn reden.

Disar­star: Ist das viel­leicht Sati­re, die ihr falsch ver­stan­den habt?

MZEE​.com: Nein. Du kannst dir ja mal die Bericht­erstat­tung dazu durch­le­sen. Es wur­de in den Bei­trags­kom­men­ta­ren eine Dis­kus­si­on mit ihm begon­nen, in der er immer frag­wür­di­ge­re Sachen geschrie­ben hat. Eini­ge Zeit spä­ter wur­de der Bei­trag dann gelöscht und es gab einen Entschuldigungs-​Post von ihm.

Disar­star: Ich hat­te neu­lich erst eine Debat­te dar­über und man kann das inhalt­lich kurz redu­zie­ren. Wenn du "Ich hab' Kopf­schmer­zen" goo­gelst, dann sind die ers­ten drei Tref­fer "Du hast einen Gehirn­tu­mor". Wenn du "Flücht­lin­ge" goo­gelst, dann sind die ers­ten drei Tref­fer "Ver­ge­wal­ti­gung" und sowas. Man muss nicht in über­trie­be­nen Anti-​Rassismus ver­fal­len und so tun, als wäre jeder Syrer cool. Dem ist natür­lich nicht so. Aber es ist genau­so absurd, zu sagen oder zu den­ken, dass jeder Syrer schlecht wäre. Ein Syrer hat nicht mehr oder weni­ger das Recht, ein Arsch­loch zu sein, als ein Deut­scher. Da fängt näm­lich Ras­sis­mus meis­tens an. Und die Leu­te, die sich nicht beneh­men kön­nen, sind ein­fach stark über­re­prä­sen­tiert. Weil die, die sich beneh­men kön­nen, im All­tag weder auf­fal­len noch wahr­ge­nom­men wer­den. Und dann ist natür­lich das grund­sätz­li­che Pro­blem, dass Kapi­ta­lis­mus sich Ras­sis­mus oder Faschis­mus seit jeher zunut­ze macht. Wenn es Leu­ten wirt­schaft­lich schlecht geht, gucken sie nicht nach oben. So sind wir alle kon­di­tio­niert und kon­sti­tu­iert gestrickt von klein auf. Sie den­ken sich nicht: "Viel­leicht gibt es hier ein Ver­tei­lungs­pro­blem zwi­schen unten und oben." Son­dern gucken nach links und rechts. Und so schlägt sich Arm und Arm den Kopf ein. Ich wür­de bei Absz­trakkt ver­mu­ten, dass er nicht reich ist. Und wenn er das Gefühl hat, sich in einer Mise­re zu befin­den, weil Flücht­lin­ge oder Leu­te aus dem Aus­land kom­men, die sich nicht ihm ent­spre­chend beneh­men, dann soll­te er sich viel­leicht mal über­le­gen, ob es nicht ganz ande­re Leu­te in die­ser Gesell­schaft gibt, die Unge­rech­tig­keit pro­du­zie­ren. Oder viel mehr Elend in sei­nem Leben ver­ur­sa­chen als der arme Flücht­ling, der von irgend­wo kommt. Man muss aber dazu sagen: Ich möch­te dem auch nicht über­to­le­rant begeg­nen. Es gab zum Bei­spiel eine Debat­te in einem Ham­bur­ger Flücht­lings­heim. Es hieß, dass da ein paar Jungs waren, die in der Kan­ti­ne nicht essen woll­ten, weil das Essen von einer Frau aus­ge­teilt wur­de. Da gibt es dann die Ober­hip­pies, die sagen: "Ja, dann muss das Essen halt von einem Mann aus­ge­teilt wer­den." Ich sag': "Wenn du das Essen nicht essen möch­test, weil es von einer Frau kommt, dann isst du es nicht. Ganz ein­fach." Man muss es auch nicht über­trei­ben. Aber man muss ver­ste­hen: Wer kommt? Und aus wel­chem Grund beneh­men sich Leu­te viel­leicht auch schlecht? Du bist 16, kommst nach Deutsch­land, kriegst kei­ne Arbeits­er­laub­nis, wirst in ein Flücht­lings­heim gepfercht mit einem Mini­mum an Geld … Wenn ich über­le­ge, wie ich mit 16 war: Da hat­te ich nur Schei­ße im Kopf. Wenn du mich in ein Flücht­lings­heim gesteckt hät­test, wäre ich nur auf dum­me Ide­en gekom­men. Das kann man jetzt immer wei­ter the­ma­ti­sie­ren. Aber: Rechts ist ideo­lo­gisch gese­hen ein­fach falsch. Es ist unre­flek­tiert, unhis­to­risch und unwis­sen­schaft­lich. Immer. Und die sol­len bei­de die Fres­se hal­ten. Man muss sich auch ein­fach über­le­gen, mit wem man sich soli­da­ri­siert. Mit wem stellt man sich in eine Rei­he? Und wenn du dich mit sol­chen Leu­ten in einer Rei­he siehst, dann bist du halt ein Schwein.

MZEE​.com: Wie fin­dest du, soll­te ein HipHop-​Magazin dar­auf reagie­ren, wenn Rap­per sich so poli­tisch äußern?

Disar­star: In Deutsch­land mache ich mir da gar kei­ne Hoff­nung. Das ist alles so lächer­lich: "HipHop-​Journalismus" ver­mit­telt ja schon, dass es ger­ne Jour­na­lis­mus wär'. Aber das ist bil­ligs­ter Klatsch. Da ist "red!" auf Pro­Sie­ben ja hoch­wer­ti­ger recher­chiert. Aber: Äch­ten und aus­schlie­ßen soll­ten sie die­se Leu­te.

MZEE​.com: Für die letz­te Fra­ge kom­men wir noch mal zurück zu dei­ner eige­nen Musik: Was ist rück­bli­ckend gese­hen die rele­van­tes­te Plat­te von dir selbst? Und wel­che wür­dest du Men­schen, die noch nie von dir gehört haben, am meis­ten ans Herz legen?

Disar­star: "Sturm und Drang". Punkt.

(Flo­rence Bader und Kris­tina Scheu­ner)