Kollegah & Farid Bang – Jung, brutal, gutaussehend 3

Eine Tri­lo­gie endet – doch eine Bru­der­schaft bleibt.

Eini­ges, für das deut­scher Rap noch heu­te steht, mag strai­ght out of the Stein­zeit sein. Den­noch befin­det sich die Sze­ne stets im Wan­del. Neue Trends kom­men auf, alte fla­chen ab und die jun­gen Wil­den rüt­teln kräf­tig am Thron der Eta­blier­ten. Farid Bang und Kol­le­gah gehör­ten einst auch zu jenen, die fri­schen Wind brach­ten und damit die Sze­ne vom Staub alter Tage befrei­ten. Seit dem Release von "Jung, bru­tal, gut­aus­se­hend" sind jetzt jedoch gute acht Jah­re ver­gan­gen – ist der drit­te Teil der Rei­he damit über­haupt noch zeit­ge­mäß?

Der unab­sicht­li­che Rol­len­tausch auf "JBG 3" spricht Bän­de. Nun sind es die bei­den Prot­ago­nis­ten, die sich an ihren Stüh­len fest­klam­mern und des­halb auf epo­chal wir­ken wol­len­den Beats gegen Trap, Autotune- und fran­ko­phi­le Ein­flüs­se der letz­ten Zeit schie­ßen. Die "Game­ch­an­ger" insze­nie­ren sich als letz­te Ver­blie­be­ne, die "Rap wie­der Rap" wer­den las­sen – ganz so wie die MCs, denen sie frü­her feh­len­den Zeit­geist vor­war­fen. Fest­ge­fah­ren auf dem Film von 2009 gibt es hier ansons­ten nicht viel Neu­es. Ange­kün­dig­te Kar­rie­re­en­den fal­len letzt­lich eher als bana­le Dis­ses aus und die immer glei­chen Namen wer­den auf ver­schie­de­ne Arten durch die Man­gel genom­men. Neben eini­gen weni­gen unter­halt­sa­men Sprü­chen besteht der Groß­teil der Angrif­fe aus über­zo­ge­nen Gewalt­fan­ta­si­en, frau­en­ver­ach­ten­der Prot­ze­rei und meh­re­ren frag­wür­di­gen Aus­sa­gen über Flücht­lin­ge. Rap- wie pro­duk­ti­ons­tech­nisch kann man dem Album zwar kei­ne wirk­li­chen Makel vor­wer­fen, für einen über­zeu­gen­den drit­ten Teil der Rei­he bräuch­te es aber eini­ges mehr – und von man­chem deut­lich weni­ger.

Abseits der YouTube-​Prank-​Mentalität und den Promo-​Kunststücken haben weder Kol­le­gah noch Farid Bang auf "JBG 3" viel vor­zu­wei­sen, was man nicht längst gewohnt war oder dem Album in sonst einer Wei­se Mehr­wert ver­lei­hen wür­de. So schlie­ßen die bei­den einst jun­gen, bru­ta­len und gut­aus­se­hen­den Rap­per ihre Tri­lo­gie geal­tert, weni­ger schlag­kräf­tig und im Gesamt­ein­druck kei­ne gute Figur machend ab.

(Dani­el Fersch)