Trettmann – #DIY

Friede dem Wellblech, Krieg den Palästen.

Mit einer kleinen Releaseflut in Form der KitschKrieg-EP-Trilogie konnte sich Reggae- und Dancehall-Veteran Trettmann jüngst in das Herz der aktuellen Rapgeneration stylen. Nach und nach erschloss sich der Sachse eine immer größere Hörerschaft und durfte sogar auf dem Platinalbum "Palmen aus Plastik" von Bonez MC und RAF Camora mit mehreren Verses glänzen. Nun steht sein nächstes großes Solo-Release "#DIY" in den Startlöchern. Denn am besten wird es, wenn man es selber macht – oder?

Im Grunde knüpft die neue Platte da an, wo die letzte EP aufgehört hat. Tretti trällert in seiner unverkennbaren Autotune-Stimme stylish-melodische Parts, wirkungsvoll unterlegt mit Brettern des KitschKrieg-Produzententeams. Dieser gelungene Soundcocktail versprüht wie eh und je einen ganz eigenen Vibe. Hinzu kommt, dass der sonnenbebrillte MC textlich eine ganz eigene, bildhafte Sprache für sich entwickelt, die er thematisch abwechslungsreich einsetzt. Wenn er mit Bonez MC und RAF über ihre Erfolge sinniert oder von seiner Vergangenheit im "grauen Beton" und dem Abhängen mit der "Baggage" erzählt, geschieht das immer plastisch und mitreißend. Trettmanns Stil ist dabei so ansteckend, dass die hochkarätigen Gäste sich seinem Klangkostüm unterordnen. So darf man hier einen überraschend stimmigen Gzuz auf Autotune erleben und auch Marterias Part auf "Fast Forward" lebt von der Trettmannschen Reggae-Energie. Genau an den richtigen Stellen wird wiederum Abwechslung zur leierhaften Gesangsstimme des Leipzigers geboten. Dann wütet etwa eine dampfwalzenartige Haiyti den Partysong "Nur noch einen" in Grund und Boden. Eintönigkeit sucht man auf diesem Album jedenfalls vergeblich.

Genau das macht "#DIY" so rund. Trettmann und KitschKrieg haben ein funktionierendes Soundkonzept entwickelt, bauen dieses jedoch immer weiter aus. Verbunden mit Trettis authentischem Songwriting schlagen sie so eine eigene kreative Kerbe in die deutsche Raplandschaft.

(Florian Peking)