Tom Thaler & Basil

"Wer Hip­Hop macht, aber nur Hip­Hop hört, betreibt Inzest." – Das wuss­ten die Begin­ner schon Anfang des Jahr­tau­sends. Eine Zei­le, die nicht bes­ser auf Tom Tha­ler & Basil zuge­schnit­ten sein könn­te: Das Duo beweg­te sich lan­ge zwi­schen den Gen­res, Songs ord­ne­ten sich glei­cher­ma­ßen im Deep House-, Pop- und Rap-​Bereich ein. Ihre gemein­sa­me Debüt-​Platte "Malu" aller­dings steht nun unter einem ganz ande­ren Stern: Die HipHop-​Einflüsse kom­men deut­lich stär­ker her­aus als noch vor eini­gen Jah­ren. Wie es zu die­ser Neu­aus­rich­tung kam, was der Album-​Titel eigent­lich bedeu­tet und war­um aus­ge­rech­net "Sere­na Wil­liams" ihre eige­ne Hym­ne ver­dient hat, haben sie nun im MZEE Inter­view ver­ra­ten …

MZEE​.com​: Tom, in einem ande­ren Inter­view sag­test du mal: "Wir machen Rap­mu­sik auf elek­tro­ni­sche Beats zum Tan­zen." – Man hört Basils elek­tro­ni­sche Wur­zeln ja auch auf jeden Fall her­aus. Glaubt ihr, dass man mit die­sem Stil eine Nische in der aktu­el­len Rap­sze­ne fül­len kann?

Tom Tha­ler: Ich weiß gar nicht genau, von wann das Zitat stammt. Die­ser Ansatz, tat­säch­lich Tanz­mu­sik zu machen, ist eigent­lich über die Jah­re hin­weg immer mehr in den Hin­ter­grund gerückt. Wir woll­ten uns auch von die­sen Deep House-​Anfängen weg­be­we­gen, haben statt­des­sen mehr Funk- und HipHop-​Elemente rein­ge­bracht. Unse­re eige­ne Nische fül­len wir eher dadurch, dass wir mit einer selbst­iro­ni­sche­ren Hal­tung als ande­re Rap­per an die Musik gehen.

MZEE​.com​: Auf eurem neu­en Album "Malu" erkennt man nun auch raplas­ti­ge­re Ansät­ze – war die­se Sti­län­de­rung ein bewuss­ter Schritt oder eher das Resul­tat eines ste­ti­gen Ent­wick­lungs­pro­zes­ses?

Tom Tha­ler: Wir woll­ten halt nicht die­se Deep House-​Richtung auf Alb­um­län­ge pro­du­zie­ren, das wäre uns auch zu lang­wei­lig. Wir haben zwar eini­ges in die­ser Rich­tung pro­biert, dann aber gemerkt, dass uns der Sound zu ein­di­men­sio­nal war. "Malu" ist jetzt auf jeden Fall viel­schich­ti­ger als das, was man vor­her von uns gewohnt war. Die­ses Neu­erfin­den hat aber natür­lich sei­ne Zeit gebraucht. Es war eben nur schnell klar, dass die­se im Radio tot­ge­spiel­te Electro-​Richtung nichts mehr für uns ist.

Basil: Das war uns eben auch wich­tig. Die Plat­te soll­te tren­d­un­ab­hän­gi­ger wer­den als unse­re vor­he­ri­gen Releases, in irgend­ei­ner Wei­se auch "zeit­lo­ser". Wobei der Begriff sehr schwie­rig ist – ob uns das gelun­gen ist, sehen wir erst in eini­gen Jah­ren …

MZEE​.com​: Bis­her seid ihr in der Öffent­lich­keit fast immer gemein­sam auf­ge­tre­ten und habt künst­le­ri­sche Ent­schei­dun­gen zusam­men getrof­fen. Kann sich denn einer von euch vor­stel­len, künf­tig auch solo Musik zu machen?

Basil: Wir machen teil­wei­se sogar bereits Mucke getrennt von­ein­an­der. Also zumin­dest für mich ist das durch­aus vor­stell­bar, wenn …

Tom Tha­ler: (unter­bricht) Was?!

Basil: (lacht) Ja, dreist hin­ter sei­nem Rücken qua­si. Aber klar ist auch, dass die Zusam­men­ar­beit mit Tom immer noch am bes­ten funk­tio­niert, weil wir bei­de immer etwas Neu­es kre­ieren wol­len. Die­se enge Kom­bi­na­ti­on von Rap­per und Pro­du­cer gibt es ja sel­ten und sie ergibt eben ein extrem eige­nes Sound­bild. Gene­rell bin ich aber auch in ande­ren Gen­res solo unter­wegs, hab' zuletzt ein rocki­ge­res Pro­jekt releaset.

MZEE​.com​: Was ist denn der größ­te Unter­schied zwi­schen der Arbeit an Solo-​Projekten und im Ver­bund mit Tom?

Tom Tha­ler: (ruft rein) Bei dem einen hat er Spaß, bei der Arbeit mit mir halt nicht. (lacht)

Basil: Nein, das ist ein­fach total schwer zu benen­nen. Tom war ja der ers­te Rap­per, mit dem ich zusam­men Musik gemacht habe. Er hat mich in dem Sin­ne zum Hip­Hop gebracht, er hat mir die ers­ten kras­sen Alben aus dem Bereich gezeigt. Daher kenn' ich eben auch nur die Arbeit mit ihm und habe kei­ne gro­ßen Ver­gleichs­wer­te. Es ist sehr schön, dass er mich musi­ka­lisch ver­steht und mir wert­vol­len Input lie­fert. Solo habe ich das nicht und bei ande­ren Rap­pern har­mo­niert das viel­leicht auch nicht so gut.

MZEE​.com​: Jetzt ist mit "Malu" euer ers­tes gemein­sa­mes Album erschie­nen – wofür steht der Begriff denn über­haupt?

Tom Tha­ler: Lus­ti­ger­wei­se gibt es zwei Bedeu­tun­gen dafür. Ursprüng­lich kommt das Wort aus dem Indo­ne­si­schen und bedeu­tet so viel wie "Demut". Das ist dort eine Form der Höf­lich­keit, aller­dings auch der Respekts­be­kun­dung. Um das zu ver­deut­li­chen: Jemand betritt eine Bar und unter­hält mit sei­nen Talen­ten sofort die gan­ze Knei­pe. Da bist du natür­lich beein­druckt. Im ers­ten Moment bist du viel­leicht sogar etwas nei­disch, wenn man es nega­ti­ver betrach­ten will. In ers­ter Linie ist es aller­dings die­ses Gefühl, nicht der Platz­hirsch sein zu müs­sen und ihm sei­nen Raum zu geben. Das ist die Defi­ni­ti­on von "Malu". "Über­treib nicht dei­ne Rol­le" passt im Deut­schen wahr­schein­lich am bes­ten dazu. Die viel simp­le­re Erklä­rung ist uns erst spä­ter auf­ge­fal­len: die Abkür­zung von Mannheim-​Ludwigshafen, die Regi­on, in der wir frü­her gewohnt haben und unser Kel­ler­stu­dio hat­ten. Aber dar­auf sind wir erst gekom­men, als wir den Namen schon hat­ten.

MZEE​.com​: Und die­ses Gefühl der Demut soll eure Plat­te trans­por­tie­ren?

Tom Tha­ler: Genau, teil­wei­se schon. Aus die­sem Grund haben wir auch "Coo­ler als ich" als ers­te Sin­gle gewählt. Das beschreibt den Vibe ganz gut, dass es eben Leu­te gibt, die man­che Sachen bes­ser kön­nen als man selbst – was aber nicht heißt, dass man nicht trotz­dem mit sich im Rei­nen sein kann. Das ist kei­ne Hal­tung, die für Rap son­der­lich typisch ist, aber für uns war die­ses "Hap­py Loser"-Verhalten zumin­dest auf dem Album der rote Faden. Dass die Songs sich logisch ins Gesamt­ge­we­be fügen, dar­auf hat Mari­us (Anm. d. Red.: Basil) beson­ders geach­tet, auch text­lich.

MZEE​.com​: Wart ihr denn die gan­ze Zeit gemein­sam im Stu­dio und habt sozu­sa­gen immer ein prü­fen­des Auge auf den ande­ren gewor­fen?

Tom Tha­ler: Über ein hal­bes Jahr hin­weg waren wir schon jeden Tag zusam­men im Ber­li­ner Stu­dio, ja. Meis­tens habe ich aber in einem Neben­raum oder in der WG geschrie­ben, wir sind dann aller­dings gemein­sam noch mal über alle Skiz­zen gegan­gen. Da sind tief-​psychologische Gesprä­che her­aus­ge­kom­men, genau­so häu­fig wie ewig lan­ge Streits über irgend­wel­che Ent­schei­dun­gen. Ich wür­de aber schon sagen, dass Basil am Ende immer ein biss­chen das Mas­ter­mind hin­ter dem Pro­jekt ist, er hat das gro­ße Gan­ze bes­ser im Blick und ist der Per­fek­tio­nist von uns bei­den.

MZEE​.com​: Ihr habt vor­hin schon den Song "Coo­ler als ich" erwähnt, den ihr bei einer "Train­so­me Ses­si­on" in einer Akus­tik­ver­si­on gespielt habt. Erklärt doch ein­mal, wor­um es dabei geht und wie ihr auf die Idee dazu kamt.

Tom Tha­ler: Das war eigent­lich eine ein­ma­li­ge Sache bis dato, auch nicht von uns direkt ins Leben geru­fen. Wir haben bis­her sel­ten Akus­tik­ses­si­ons gespielt, fan­den die Idee aber ganz wit­zig und der Song ist sowie­so auf der Gitar­re ent­stan­den. Der Beat kam erst danach, "Coo­ler als ich" war dahin­ge­hend prä­de­sti­niert für die Akti­on. Einen Tag vor­her haben wir noch eine Sän­ge­rin gefun­den und kurz­fris­tig mit ihr geprobt. Orga­ni­siert hat das Gan­ze unser Label gemein­sam mit der Bahn.

MZEE​.com​: Ein ande­rer Track auf "Malu" heißt "Fuchs­bau". Hier sprecht ihr von einem ima­gi­nä­ren Rück­zugs­ort, abge­schnit­ten vom übli­chen Wahn­sinn der rest­li­chen Welt. Wo liegt denn euer ganz per­sön­li­cher Fuchs­bau?

Tom Tha­ler: Wir haben mit den Jungs einen Stamm­tisch am Mitt­woch, das ist für mich ein kras­ser Rück­zugs­ort. Da hast du ein­fach zwei Stun­den lang Qua­li­ty Time mit der gan­zen Ban­de, wir sind dann auch nur am Bier trin­ken und Kar­ten zocken. So kann man die Welt um sich her­um kom­plett ver­ges­sen. Ansons­ten fällt mir die Basketball-​Halle ein. Sport und Sau­fen, per­fekt. (lacht)

Basil: Für mich ist die­ser "Fuchs­bau" gar nicht so auf eine Räum­lich­keit bezo­gen. Mein per­sön­li­cher Rück­zugs­ort ist die Musik sel­ber, dar­in bin ich eben so ver­tieft, dass ich alles um mich her­um ver­ges­se. Dann kann ich den Kopf kom­plett aus­schal­ten, die Welt aus­blen­den und mich da rein­ver­set­zen.

MZEE​.com​: Trotz des Bas­ket­ball Courts als "Fuchs­bau" hat eine Ten­nis­spie­le­rin ein Lied von euch gewid­met bekom­men – "Sere­na" scheint eine Art Lie­bes­er­klä­rung an Sere­na Wil­liams zu sein. Seid ihr gene­rell Ten­nis­fans oder woher kommt die Begeis­te­rung für sie?

Tom Tha­ler: Die Idee dahin­ter war total sim­pel: Ich habe an jenem Mor­gen ein Beyoncé-​Video gese­hen, in dem Sere­na Wil­liams im Hin­ter­grund twerkt. Das war zu der Zeit, als sie mit Dra­ke viel zu tun hat­te. Sie war da auf dem bes­ten Weg zu so einem HipHop-​Celebrity und eigent­lich war die Idee nur wit­zig. Dann waren wir im Stu­dio aber mit einer Sän­ge­rin und haben den Song ein­fach gemacht. Wir fan­den den Song schon immer ein biss­chen däm­lich, aber er ist auch total lus­tig und macht Spaß.

MZEE​.com​: Das merkt man sehr. Es war nur ver­wir­rend, dass aus­ge­rech­net Sere­na Wil­liams den Track bekom­men hat.

Tom Tha­ler: (lacht) Den nächs­ten Song bekommt Stef­fi Graf.

Basil: Ganz ehr­lich: Sie ver­dient den Song schon auch hart! Wobei, die Schwes­ter Venus eigent­lich ja genau­so … Nee, aber Sere­na hat das Ruder bestimmt in der Hand in der Fami­ly.

Tom Tha­ler: Als nächs­tes machen wir viel­leicht ein­fach eine "Williams"-EP über die gesam­te Fami­lie. Viel­leicht auch noch einen Song für Juli­an Wil­liams, den darf man dann nicht außen vor las­sen. (lacht)

MZEE​.com​: Ob nun "Sere­na", "Coo­ler als ich" oder der kürz­lich auf eurer Facebook-​Seite ver­öf­fent­lich­te Clip in Retrogame-​Optik: Eure Vide­os sind stets ziem­lich krea­tiv und aus­ge­fal­len. Ist euch der opti­sche Aspekt eurer Kunst genau­so wich­tig wie die Musik selbst oder stel­len­wei­se sogar wich­ti­ger?

Basil: Auf jeden Fall sehr schön, dass du das so siehst, freut mich sehr.

Tom Tha­ler: Das ist auch der Ansatz, den wir ver­fol­gen: Wir wol­len Vide­os machen, die im Rap­kos­mos ein­fach ein ande­res Bild zeich­nen und ein­zig­ar­tig sind. Das ist uns äußerst wich­tig, aber nicht wich­ti­ger als die Musik, das wür­de ich nicht sagen.

MZEE​.com​: Küm­mert ihr euch sel­ber um die Clips? Wie ent­ste­hen die Kon­zep­te eurer Vide­os?

Tom Tha­ler: Wir lie­fern die Ide­en. Wir sind lei­der nicht die kras­sen Gra­fi­ker, die es so umset­zen kön­nen, wie wir uns das vor­stel­len, dafür haben wir fähi­ge Leu­te im Hin­ter­grund. Wir wol­len mit Leu­ten bei­sam­men sein, die uns ken­nen und wis­sen, was wir wol­len, wenn eine Idee im Kopf her­um­schwirrt. Des­halb arbei­ten wir mög­lichst immer mit den­sel­ben Leu­ten zusam­men, die uns da ver­ste­hen. Bas­ti Mow­ka unter­stützt uns da zum Bei­spiel sehr viel. Basil ist auch ein kras­ser Film­nerd, zwei­ter Traum­be­ruf Regis­seur eigent­lich.

MZEE​.com​: Wie lan­ge dau­ert solch eine Kon­zep­ti­on bei euch?

Tom Tha­ler: Unter­schied­lich. Bei "Coo­ler als ich" saßen wir bestimmt vier Aben­de bei­ein­an­der und haben Ide­en umher­ge­wälzt, ehe Basil den ent­schei­den­den Gedan­ken hat­te, den wir dann umge­setzt haben.

MZEE​.com​: Ich moch­te ja die­sen Retrogame-​Clip noch lie­ber.

Basil: (lacht) Das ist tat­säch­lich nur ein Teaser-​Video zum "Tauchen"-Clip. Da haben wir nur einen Green­screen auf­ge­stellt.

Tom Tha­ler: Du bist einer der weni­gen, denen das gefal­len hat. Da haben wir ordent­lich Hate für bekom­men. Ich habe auch mit mei­nem Dad ges­tern dar­über gere­det, der hat gar nicht gecheckt, was wir da gemacht haben. (alle lachen)

MZEE​.com​: Was hat ihn denn gestört?

Tom Tha­ler: Er hat es ein­fach über­haupt nicht ver­stan­den. Und über­haupt hat er sich gefragt, ob das nicht recht­li­che Pro­ble­me nach sich zieht. Er fand das auch so gar nicht wit­zig. Und dabei haben wir voll den Spaß mit dem Mate­ri­al gehabt.

MZEE​.com​: Wie geht ihr mit sol­chem Feed­back um? Zwei­felt ihr nach­träg­lich doch an der Idee, dreht ihr nach oder pocht ihr dar­auf, dass die Leu­te schon ver­ste­hen wer­den, wie ihr das meint?  

Tom Tha­ler: Von Fall zu Fall unter­schied­lich. Bei die­sem Clip jetzt? Ich mei­ne, der Track sel­ber ist ein zwei Jah­re altes Demo und war uns nicht son­der­lich wich­tig. Das Video war eben­falls ein abso­lu­ter Schnell­schuss, dem­entspre­chend egal war es mir. Hät­ten wir uns da mona­te­lang den Kopf zer­bro­chen, wäre es bestimmt anders gewe­sen. Dann fin­de ich es natür­lich ziem­lich scha­de, wenn das Feed­back nicht stimmt.

Basil: Ich will vie­les davon gar nicht ernst neh­men. Wenn wir das tun wür­den, gera­de im Hip­Hop, dann wür­den wir ja abso­lut ver­rückt wer­den.

MZEE​.com​: War die­se Retrogame-​Optik eigent­lich ein Stil­mit­tel oder zockt ihr tat­säch­lich auch selbst?

Basil: Also, "FIFA" haben wir bei­de gespielt. (bei­de lachen)

Tom Tha­ler: "FIFA 97", damals noch mit Hallenturnier-​Modus. Und "Did­dy Kong Racing". Das waren die ers­ten bei­den Spie­le, die ich je beses­sen habe und die habe ich kaputt gezockt.

MZEE​.com​: Der "FIFA"-Hallenturnier-Modus war aber auch ein­fach die Königs­dis­zi­plin.

Tom Tha­ler: Alter, das muss ja sowas von wie­der zurück­kom­men. Ich war­te jedes Jahr dar­auf, dass sie ihn end­lich wie­der zurück­brin­gen.

Basil: Ja, Mann! Ein­fach das nor­ma­le "FIFA" ver­öf­fent­li­chen, aber den Hallen-​Modus als Extra-​Gadget. Das war viel zu geil: Ich hab' den Ball immer gegen die Ban­de gebal­lert, dann Vol­ley genom­men und der war ein­fach jedes Mal drin. (lacht)

Tom Tha­ler: Was ich immer wie­der geil fin­de, sind die Menü-​Soundtracks da. Die Songs aus den Spie­len lösen bei mir immer total nost­al­gi­sche Gefüh­le aus. Wobei, nicht nur bei "FIFA" … Der "Did­dy Kong"-Jingle geht mir auch nie wie­der im Leben aus dem Kopf. (summt vor) Sobald ich das höre, bin ich wie­der sechs Jah­re alt und habe Bock, das Game zu zocken.

MZEE​.com​: Wenn wir schon dabei sind: Wel­cher Song von "Malu" wür­de per­fekt in die Menü-​Playlist von "FIFA 18" pas­sen?

Tom Tha­ler: Boah, gute Fra­ge. Vom Vibe her wäre "Sere­na" per­fekt, aber der spielt in der fal­schen Sport­art … (über­legt wei­ter) Das Pro­blem ist, der Sound­track darf ja nie zu for­dernd sein, eher läs­sig. Viel­leicht auch "Skip­pen".

Basil: "Lotus Flair" viel­leicht.

Tom Tha­ler: Nee, gar nicht. Den musst du schon laut hören, damit er bal­lert.

Basil: Na ja, da waren immer schon auch wil­de Sachen in den bis­he­ri­gen Sound­tracks. (über­legt wei­ter) Boah, wir schrei­ben ein­fach einen Song nur für "FIFA".

Tom Tha­ler: (lacht) Das ist aber auch eine schwie­ri­ge Ent­schei­dung.

MZEE​.com​: Die­se zu tref­fen scheint dir im All­tag ja immer wie­der Pro­ble­me zu berei­ten, wie du zumin­dest auf "100 Jah­re" erzählst. Inwie­weit beein­träch­tigt die­se klei­ne Schwä­che dein musi­ka­li­sches Schaf­fen?  

Tom Tha­ler: (über­legt) Ich wür­de sagen, ich gebe mich schnel­ler zufrie­den und will dann schon das nächs­te Pro­jekt angrei­fen.

Basil: Oder direkt gar keins mehr.

Tom Tha­ler: (lacht) Manch­mal auch das. Nein, Basil ist da ein­fach der grö­ße­re Per­fek­tio­nist. Wenn ein Text wochen­lang braucht, liegt das nicht dar­an, dass er beson­ders ver­kopft ist, son­dern dass ich mir mehr Zeit las­se. Ich bin sonst eigent­lich immer rela­tiv schnell mit dem Schrei­ben – aber nur beim ers­ten Part. Dann gibt es auch ganz schnell eine Hook, einen Beat – und alles ist geil. Aber dann fällt mir ein, dass der Track noch einen zwei­ten Part braucht. Und der braucht dann wirk­lich ewig. Weil du merkst, dass du in den vor­he­ri­gen 16 Zei­len schon alles gesagt hast und hap­py damit bist. Dann brauchst du eben die Moti­va­ti­on, etwas zu schrei­ben, was nicht repe­ti­tiv wirkt. Das kön­nen mir auch ganz vie­le ande­re Künst­ler so bestä­tig­ten.

MZEE​.com​: Haft­be­fehl zum Bei­spiel hat­te für das Pro­blem frü­her die Lösung, dass er es ein­fach dabei belas­sen hat: ein Part, eine Hook und dann war der Track fer­tig. Kein zwei­ter Part, mit dem man nicht voll­ends zufrie­den ist. Hast du dir das eben­falls schon mal über­legt?

Tom Tha­ler: Das kann schon eine Lösung dar­stel­len, ich glau­be auch nicht, dass jeder Track fünf Minu­ten lang sein muss. Im End­ef­fekt sind wir aber auch Rap­per. Unser Job ist es, zu schrei­ben und zu rap­pen. Wenn wir nach 16 Zei­len schon damit auf­hö­ren, haben wir irgend­wo den Anspruch ver­fehlt.

MZEE​.com​: Zum Abschluss will ich noch über "Dei­ne Mama" reden. Die­ser ziem­lich unüb­li­che Song über Müt­ter ist aus­schließ­lich gefüllt mit sinn­lo­sen Bin­sen­weis­hei­ten, die wir alle ken­nen und nur zu ger­ne igno­rie­ren. Gibt es aber viel­leicht einen müt­ter­li­chen Rat­schlag, dem ihr bis heu­te folgt und den ihr euch ein­ge­prägt habt?

Basil: Mei­ne Mama hat immer gesagt: "Don't judge a book by its cover." Der ist schön! Das hat sie mir auf jeden Fall mit auf den Weg gege­ben.

Tom Tha­ler: Puh, schwie­rig … "Was du nicht willst, das man dir tu, das füg auch kei­nem andern zu." Den habe ich auf jeden Fall ver­dammt oft gehört. (lacht) Obwohl ich heu­te auch ein sehr respekt­vol­ler Mensch gewor­den bin, offen­sicht­lich hat es also was gebracht.

(Sven Aumil­ler)
(Fotos von Bas­ti Mow­ka)