Hugo Nameless – Ich kenn schöne Mädchen

War­um ich noch kei­ne Ket­te kauf'?
Weil ich pure Joints auf Ket­te rauch'.

Mit "Wie kann man sich nur so hart gön­nen" gelang Frucht­max und Hugo Nameless ein ein­gän­gi­ger vira­ler Hit, des­sen Hook­li­ne sich nach­hal­tig im Sprach­ge­brauch der Twit­tersphä­re fest­set­zen konn­te. Vie­le Mona­te spä­ter ver­öf­fent­licht Letzt­ge­nann­ter nun sein Debüt "Ich kenn schö­ne Mäd­chen". Kann er damit bewei­sen, dass er mehr als ein One-​Hit-​Wonder im schnell­le­bi­gen Zeit­al­ter des Inter­nets ist?

Was auf "Wie kann man sich nur so hart gön­nen" schon funk­tio­niert hat, wird hier fort­ge­führt. Stumpf ein­gän­gi­ge Refrains bil­den das Herz­stück von nahe­zu jedem Song der Plat­te. Wie zu erwar­ten war, domi­nie­ren dazu inhalt­lich die The­men Par­ty und Dro­gen­kon­sum. Hugo Nameless' Inspi­ra­ti­ons­quel­le, der momen­tan vor­herr­schen­de US-​Rap, ist dabei unüber­hör­bar. Trotz­dem setzt der Rap­per häu­fig eige­ne krea­ti­ve Akzen­te und vari­iert sei­ne tie­fe Stim­me über­ra­schend viel­fäl­tig. Dar­aus resul­tiert, dass sich auf der Plat­te gechill­te Vibes – etwa auf "Blau­wal" oder "Fat­ty" – eben­so fin­den las­sen wie bru­ta­le Ban­ger. Zu letz­te­ren gehört auch der Song "Stra­ße brennt", auf dem pas­sen­der­wei­se Frau­en­arzt als Gast gela­den ist. Des­sen typisch kom­pro­miss­lo­se Manier unter­streicht adäquat die Ener­gie des Songs. Auf "5 Gramm" hin­ge­gen stellt Hugo sei­ne Schrei­stim­me unter Beweis und erin­nert dabei an eine Mischung aus Tony D und Future. Der expe­ri­men­tier­freu­di­ge Sound sowie die all­ge­gen­wär­ti­ge Ver­rückt­heit des Prot­ago­nis­ten sind durch­aus unter­halt­sam. Aller­dings sorgt der wenig erns­te musi­ka­li­sche Ansatz auch dafür, dass tief­grün­di­ge­re Songs wie "Schlan­gen im Gebüsch" nicht wirk­lich zün­den kön­nen.

So bleibt text­lich neben den ein­gän­gi­gen Wie­der­ho­lun­gen in den Hooks ins­ge­samt rela­tiv wenig hän­gen. Doch viel­leicht ist das auch nicht nötig. Denn letzt­lich ist "Ich kenn schö­ne Mäd­chen" wie der exzes­si­ve Life­style, den Hugo Nameless für sich selbst pro­kla­miert: Solan­ge man es erlebt, macht es Spaß. Danach kann man sich aber nur noch an wenig erin­nern und braucht erst ein­mal Ruhe.

(Flo­ri­an Peking)