Massiv – BGB X

Ich bin ana­to­misch wie geschaf­fen für den Sprech­ge­sang!

Seit 2006 auf "Blut gegen Blut" der Mond ins Ghet­to gekracht ist, war es alles ande­re als ruhig um den aus Pir­ma­sens stam­men­den Rap­per Mas­siv. Ein Signing bei Sony BMG, eine Schuss­wun­de, das eige­ne Label, Schau­spiel­ver­su­che – und nicht zuletzt eini­ge Alben, unter ande­rem die Fort­set­zung der "Blut gegen Blut"-Reihe.

Mit "BGB X", dem vier­ten Teil der Serie, beschert uns Mas­siv ein Album, wel­ches für ihn nicht typi­scher sein könn­te. Vom ers­ten bis zum letz­ten Ton der Plat­te erwar­ten den Hörer knall­har­te, schep­pern­de Beats und ein fast schrei­en­der Mas­siv. In gewohnt tie­fer Stimm­la­ge rappt er über sei­ne Wahl­hei­mat Wed­ding sowie sein "voll­ver­chrom­tes Han­tel­set" und droppt hier und da poli­ti­sche State­ments über Waf­fen­ex­por­te in Kriegs­ge­bie­te. Zwar wird auf "BGB X" nicht mehr das kom­plet­te Sor­ti­ment ver­schie­de­ner Rüs­tungs­un­ter­neh­men auf­ge­lis­tet, doch auch hier beinhal­ten die Pun­ch­li­nes eine weni­ger posi­ti­ve Messa­ge. Man könn­te bei­na­he behaup­ten, dass man beim Wech­sel zwi­schen die­sem Release und sei­nen Vor­gän­gern nicht wirk­lich weiß, wel­ches man denn gera­de hört. Ob man nun fei­ert, dass Mas­siv sei­nen eige­nen Film immer wei­ter fährt, oder sich nach rund zehn Jah­ren eine Wei­ter­ent­wick­lung wün­schen wür­de, bleibt dabei wohl Geschmacks­sa­che. Ähn­lich ver­hält es sich mit dem mar­kan­ten Rap­stil. Mas­siv flowt hier – wie auch bei sei­nen vor­he­ri­gen Relea­ses – in lan­gen Anein­an­der­rei­hun­gen von Teil­sät­zen. Scha­de ist, dass durch eben­die­sen Rap­stil in Ver­bin­dung mit der tie­fen Stim­me, dem Schrei­en und den wuch­ti­gen Beats eini­ge Aus­sa­gen beim ers­ten Hören kaum ver­ständ­lich sind.

Für Freun­de der "Blut gegen Blut"-Alben ist "BGB X" defi­ni­tiv das, was sie sich wün­schen und erwar­ten. Jemand, der zuvor noch nie etwas von Mas­siv gehört hat, wird durch die­ses Release aber eher nicht zum gro­ßen Fan. Sound, Flow und Inhal­te sind dafür nicht zeit­ge­mäß genug. Doch wer weiß – viel­leicht war ja genau das das Kon­zept des Albums.

(Stef­fen Uphoff)