Galv

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"Oh Mann, du blickst es in dei­ner Lebens­zeit nich': Wir und die Ster­ne bewe­gen uns gegen­sei­tig." – Galv hebt ger­ne mal ab. Dies zeigt er nicht nur mit Album- oder Track­ti­teln wie "Of the 3 Moonz" und "Mas­ter of the Uni­ver­se", son­dern auch durch sei­ne Ener­gie bei Auf­nah­men oder Live-​Shows. Dort prä­sen­tiert der Rap­per aus Rott­weil sei­ne mar­kan­te Stim­me in ein­präg­sa­mer Rap­t­ech­nik und tro­cke­nem Humor auf Oldschool-​Sounds. Obwohl er in die­sem eige­nen Stil bereits drei Alben ver­öf­fent­lich­te, fliegt Galv bei eini­gen Rap­hö­rern noch immer unter dem Radar. Im April die­ses Jah­res erschien die "50/50"-Kollaboration mit DJ Crypt, die einen Teil zur stei­gen­den Bekannt­heit des MCs bei­tra­gen konn­te. Doch nicht nur in sei­ner Musik zeigt sich Galvs Zuwen­dung zur alten Schu­le. Auch in sei­nen Vide­os fühlt man sich unter ande­rem dank der fun­ky Out­fits an den ver­spiel­ten Style der 70er und 80er Jah­re erin­nert. So konn­te man ihn bei­spiels­wei­se in der kürz­lich erschie­ne­nen Video­aus­kopp­lung "Aris­to­krat" dabei beob­ach­ten, wie er mit sei­ner auf­fäl­li­gen Erschei­nung in Stutt­gart für Auf­se­hen sorg­te. Mit uns sprach Galv unter ande­rem über sei­ne Vor­lie­be für aus­ge­fal­le­ne Dres­ses sowie die Schat­ten­sei­ten der Belei­di­gungs­kul­tur im deut­schen Batt­lerap und sei­ne Affi­ni­tät zu Live-​Auftritten.

MZEE​.com: Wenn ich dei­ne Musik höre, hab' ich den Ein­druck, du hast die Stimm­tech­ni­ken von Toni-​L und Mor­lockk Dilem­ma mit­ein­be­zo­gen und damit dei­nen ganz eige­nen Flow ent­wi­ckelt. Wür­dest du dem zustim­men?

Galv: (lacht) Es wäre natür­lich gelo­gen, zu sagen, dass ich mich bewusst auf zwei Rap­per kon­zen­triert und ver­sucht hät­te, deren Bes­tes zusam­men­zu­brin­gen …

MZEE​.com: So ist das natür­lich nicht gemeint, aber es klingt ein biss­chen so.

Galv: Klar. Das ist die Asso­zia­ti­on der meis­ten Leu­te, die mich zum ers­ten Mal hören. Ich glau­be, der Ver­gleich mit Toni rührt vom Rhyth­mus her. Also von der fun­ki­gen Sil­ben­set­zung, die aber auch er nicht erfun­den hat. Die geht wahr­schein­lich min­des­tens bis auf Kool Keiths Ultra­ma­gne­tic MCs zurück. Und dann hat er natür­lich auch die­se Kopf­stim­me, mit der er min­des­tens 'ne Okta­ve über sei­ner nor­ma­len Stimm­la­ge rappt. Das ist wahr­schein­lich auch bei Mor­lockk so – das haben wir auf jeden Fall gemein. Ich habe aber wohl schon viel frü­her damit ange­fan­gen, denn Mor­lockk habe ich erst rela­tiv spät ent­deckt. Das habe ich dann auch total gefei­ert und viel gehört – da kann auf jeden Fall etwas rüber­ge­schwappt sein. Es wäre aber über­trie­ben, zu sagen, dass es davon über­nom­men wäre. Ich den­ke, die Leu­te brau­chen auch immer etwas, um es zu ver­glei­chen und ein­zu­ord­nen. Im End­ef­fekt hab' ich die Musik von 1 000 Leu­ten kon­su­miert und gefei­ert – in ver­schie­de­nen Spra­chen. Und vor allem habe ich mir, was viel ein­fluss­rei­cher ist, auch ganz ande­re Musik­gen­res ein­ver­leibt. Die habe ich dann irgend­wie in das, was ich mache, ein­flie­ßen las­sen. Aber alles, was ich mache, ist intui­tiv und nichts davon an irgend­wel­chen Para­me­tern aus­ge­rich­tet.

MZEE​.com: Dein Sound ist sehr old­schoo­lig und dei­ne Out­fits grei­fen den Style der 80er und 90er Jah­re eben­falls wie­der auf. Klei­dungs­sti­le die­ser Ära sind im Moment wie­der über­all zu sehen – ist das ein ange­neh­mer Zufall?

Galv: Wirk­lich total! Ich hat­te als Jugend­li­cher nie die Muse, mich für dama­li­ge Ver­hält­nis­se tren­dig zu klei­den und muss­te immer nach Alter­na­ti­ven Aus­schau hal­ten. Das war auch eine kost­spie­li­ge Ange­le­gen­heit. (lacht) Ich habe vor zehn Jah­ren immer die­se fun­ki­gen Second Hand-​Dinger getra­gen. Ich hat­te auch lan­ges Haar und Bart und habe rich­tig krass Spott kas­siert, vor allem von mei­nem Bru­der. Er mein­te immer: "Du siehst aus wie der letz­te Pen­ner." Er ist dann nach Ber­lin gezo­gen. Ich war drei, vier Jah­re in der Welt unter­wegs, kam zurück und er hat­te mei­nen kom­plet­ten Klei­der­schrank über­nom­men. Selbst, als ich ange­fan­gen habe, mit Pierre Sona­li­ty zu arbei­ten und wir immer so fun­ki­ge Sachen getra­gen haben, war mir noch nicht bewusst, dass das tat­säch­lich wie­der modisch sein könn­te. Aber jetzt ist es ja tota­ler Stan­dard, vor allem auch im Hip­Hop. Es gibt mitt­ler­wei­le vie­le Vide­os, die unse­rem ers­ten krass ähneln. Und das ist auf jeden Fall Zufall gewe­sen – für mich defi­ni­tiv ein coo­ler Zufall.

MZEE​.com: Wäh­rend die Wir­kung von Out­fits auf einem Track nicht wirk­lich ver­mit­telt wird, kann man damit bei Live-​Auftritten ein High­light set­zen. Macht es das zusätz­lich reiz­vol­ler, live zu spie­len?

Galv: Die Büh­ne ist Reiz genug. Die­ses Live-​Ding ist das, wo ich her­kom­me und auch immer hin will. Das Stu­dio und alles ande­re ist eigent­lich ein Kom­pro­miss. Ich finan­zie­re mich natür­lich auch neben dem Stu­di­um mit den Live­auf­trit­ten und bin dar­an gebun­den. Aber ich habe auch davor sehr viel live gespielt, ohne dass irgend­was dabei her­um kam. Die Kla­mot­ten sind völ­lig neben­säch­lich. Manch­mal tra­ge ich etwas Fun­ki­ges, manch­mal aber auch nicht. Je nach­dem, was ich dabei habe, wo ich unter­wegs bin, wie mei­ne Lau­ne ist. Ich hab' bloß gemerkt, dass das Out­fit live auf gro­ßen Büh­nen einen kras­sen Effekt hat: Wenn du, wie ich, noch rela­tiv unbe­kannt bist, aber 'ne gute Show hin­le­gen kannst und dann noch einen fun­ky Hut trägst, ist die Chan­ce etwas grö­ßer, dass sich die Leu­te zumin­dest an den Hut von dem Typen erin­nern. Nicht, dass ich das berück­sich­ti­ge, aber zumin­dest funk­tio­niert es. (lacht)

MZEE​.com: Trin­ken und Fei­ern ist in dei­nen Tex­ten stän­dig prä­sent. Wenn man dazu dei­nen Inter­views folgt oder sich den EP-​Track "Red Cup" anhört, ent­steht der Ein­druck, dei­ne Künst­ler­con­nec­tions und Relea­ses sei­en Ergeb­nis­se sol­cher Zech­tou­ren …

Galv: (lacht) Ja, die EP auf jeden Fall. True Sto­ry! Das war defi­ni­tiv ein par­ty­t­räch­ti­ges Wochen­en­de, das ich auf "Red Cup" beschrei­be. Crypt ist ja auch – unter den Leu­ten, die ihn ken­nen – als Par­ty­ma­schi­ne und DJ bekannt. Natür­lich ist es nicht die Quel­le mei­ner Inspi­ra­ti­on. Aller­dings ist, wie schon zuvor gesagt, das Rap­pen an sich für mich 'ne Live­sa­che. Es geht viel um Impro­vi­sa­ti­on. Wenn Live Ses­si­ons statt­fin­den, dann oft in einem Par­ty­kon­text. Die ers­ten Rap­per waren ja nicht mehr als Part­y­ani­ma­teu­re. Ich lie­be Tanz und Musik, Sau­fen auch. Ich mach' aber auch immer wie­der mal 'ne Pau­se, weil das lei­der nichts ist, wofür wir als Men­schen gemacht sind. Es geht auch kom­plett ohne. Aber es ist gera­de in Deutsch­land dadurch ein­fa­cher, mit eini­gen Leu­ten auf einen Vibe zu kom­men. Woan­ders hab' ich die Erfah­rung gemacht, dass es kom­plett ohne Alko­hol geht, weil die Leu­te die Musik mehr ver­in­ner­licht haben. Hier fällt es den Leu­ten sehr schwer, ein­fach nur durch Musik und Bei­sam­men­sein aus sich raus­zu­kom­men und zu genie­ßen.

MZEE​.com: Dei­ne Skills und Ide­en sind auf jeden Fall so ela­bo­riert, dass man meint, dass da schon eine gan­ze Men­ge an Arbeit drin­steckt.

Galv: Ja, voll! Das hast du voll­kom­men rich­tig erkannt. Ich den­ke mal, ich bin einer der weni­gen Leu­te in dem klei­nen Kos­mos Deutschrap, die ihre Prio­ri­tä­ten immer beim Machen hat­ten und nicht dabei, das nach außen zu tra­gen und zu prä­sen­tie­ren. Ich hab' ein­fach schon eine Deka­de gerappt, gefree­styl­et und alles mög­li­che an Mucke gemacht, bevor ich über­haupt mal das Gefühl hat­te, das auf­neh­men und den Leu­ten mit­ge­ben zu wol­len. Und auch das ist nur pas­siert, weil ich von mei­ner Zeit im Aus­land zurück nach Deutsch­land kam und viel auf Büh­nen unter­wegs gewe­sen bin. Ab da war es immer so, dass Leu­te kamen, sich an den Kopf fass­ten und frag­ten, wie es denn sein kön­ne, dass sie noch nie was von mir gehört hät­ten, weil das qua­li­ta­ti­ve Level anschei­nend sehr hoch ist. Und das ist ein­fach der Grund dafür. Ich hab' schon unter schwie­rigs­ten Umstän­den die­ses Rap-​Ding gemacht, aber immer nur aus Lei­den­schaft und um es einen Moment lang mit ein paar Leu­ten zu tei­len. Es gibt so vie­le Leu­te, deren Skill-​Level nicht aus­ge­reift ist und die ande­ren ihren Scheiß auf­schwat­zen, wodurch man dann sofort her­aus­sticht, wenn man ein gutes Set­up hat. Ich wuss­te das auch immer. Aber es ist nicht wich­tig für mei­nen See­len­frie­den, zu wis­sen, dass Leu­te da drau­ßen wis­sen, dass es mich gibt und dass ich ein kras­ser Rap­per bin. Wich­tig ist für mich, dass etwas Kras­ses ent­steht, wenn ich Musik mit oder vor ande­ren Leu­ten mache. Ich befas­se mich erst seit Kur­zem damit, das in einem Stu­dio umzu­set­zen, um es dann für die Ewig­keit auf einen Ton­trä­ger zu ban­nen. Und das wie­der­um auch nur, weil es die Chan­ce erhöht, live zu spie­len.

MZEE​.com: Du hast gera­de ange­spro­chen, dass das Skill-​Level vie­ler Rap­per dei­ner Mei­nung nach nicht so aus­ge­reift ist. Dass dich sowas stört, arti­ku­lierst du durch ein­falls­rei­che Ide­en, statt offen zu belei­di­gen. Machst du das bewusst so?

Galv: Ja, ich sage den Leu­ten immer: Wenn ich anfan­gen müss­te, die Leu­te zu dis­sen, die ich nicht geil fin­de, wäre ich den gan­zen Tag mit nichts ande­rem beschäf­tigt. Auch wenn ich weiß, dass mir das in dem Moment zugu­te­kom­men könn­te. Das ist ja so ein Sure Shot, dass ande­re Leu­te sich das rein­zie­hen. Und ich bin tat­säch­lich bestürzt dar­über, was man­che Rap­per an Auf­merk­sam­keit bekom­men mit 'ner qua­li­ta­tiv frag­wür­di­gen Sache. Für mich gibt es eigent­lich nur zwei Sachen: Ent­we­der ich fei­er' etwas und dann ist es das Ein­fachs­te der Welt, Lie­be dafür zu haben und sie zu zei­gen – oder ich fei­er' etwas nicht. Dann liegt aber hier der ent­schei­den­de Unter­schied: Ich rege mich nicht dar­über auf, son­dern igno­rie­re, was mir nicht gefällt. Nicht falsch ver­ste­hen, ich respek­tie­re die Batt­le­sze­ne. Alles ande­re wäre Schwach­sinn, die DLTLLY Jungs Han­no & Jamie sind gute Freun­de von mir und natür­lich schaue ich mir auch Batt­les mit ihnen an. Es gibt auch den ein oder ande­ren Kan­di­da­ten, den ich wirk­lich cool fin­de, wie Zwetsch­ke und sei­nen Part­ner. Die flowen, haben lus­ti­ge Lines und sind on point. Aber wenn es anders aus­sieht, ist das halt der Grund, war­um ich nicht bei irgend­ei­ner Battle-​Plattform mit­ma­che. Auch wenn es abseh­bar funk­tio­nie­ren könn­te: Da müss­te ich mich mit Leu­ten aus­ein­an­der­set­zen, die gar nicht inspi­rie­rend für mich sind.

MZEE​.com: Du hast aber bei End of the Weak mit­ge­macht.

Galv: Ja, das ist aller­dings alles ande­re als ein Batt­le im ursprüng­li­chen Sin­ne. Das ist ein wirk­li­cher Wett­be­werb. Bei End of the Weak kannst du nicht mit­ma­chen, wenn du nicht ein kras­ses Reper­toire an Skills hast. Und du wirst dich dort nie­mals allein durch Nie­der­träch­tig­keit oder Aggres­si­vi­tät durch­set­zen kön­nen. Bei End of the Weak gibt es fünf Kate­go­ri­en, in denen du dich prä­sen­tie­ren musst, in denen du zeigst, dass du das Set­up für einen kom­plet­ten MC hast. Das ist die Com­pe­ti­ti­on, die 90 Pro­zent aller Batt­lerap­per nie­mals meis­tern könn­ten. Bei Batt­lerap musst du nicht flowen kön­nen, da musst du nicht mal Rhyth­mus haben. Du musst ein biss­chen mit Wor­ten umge­hen kön­nen und vor allem kein Pro­blem damit haben, hart belei­digt zu wer­den und ande­re Men­schen teil­wei­se wirk­lich per­sön­lich zu belei­di­gen. Es ist für mich scho­ckie­rend, dass die­se Leu­te sich gegen­sei­tig googeln und sich dann mit­un­ter nie­der­träch­tig über deren Leben aus­las­sen. Und dann zu sehen, was das für ein Momen­tum schafft. Ich hab' halt Batt­les mit­ge­macht, aber damit immer nega­ti­ve Erfah­run­gen gemacht. Auch wenn ich Batt­les gewon­nen habe oder ins Fina­le gekom­men bin, hab' ich mich am Ende immer rich­tig behin­dert gefühlt, weil ich gemerkt habe, dass es in Deutsch­land so ein­fach ist, Leu­te auf die­se Art und Wei­se zu ani­mie­ren. Und umge­kehrt: Wenn du mit einem nur posi­ti­ven Ansatz vor die Leu­te trittst, kann es manch­mal über Stun­den gehen, bis die Leu­te aus sich her­aus kom­men. Wenn du sie aller­dings so rich­tig Brot-​und-​Spiele-​mäßig bedienst, kannst du inner­halb von 'ner hal­ben oder Vier­tel­stun­de einen Raum zum Kochen brin­gen. Das scho­ckiert mich eher, als dass es mich anmacht. Ich muss dann sofort über die­se Nega­ti­vi­tät im Men­schen und Men­schen in der Grup­pe und so wei­ter nach­den­ken. Das ist schon krass und das mache ich nicht mehr. Dafür habe ich schon zu vie­le ande­re Inspi­ra­tio­nen und Din­ge gese­hen, als dass ich mich des­sen bedie­nen wür­de.

MZEE​.com: Du sag­test eben: "Ich rege mich nicht dar­über auf, son­dern igno­rie­re das, was mir nicht gefällt." Anhand dei­ner Tex­te gewinnt man von dir den Ein­druck eines dopen Typen in einer nicht so gei­len Welt. Siehst du letz­te­re grund­sätz­lich kri­tisch und eher pes­si­mis­tisch?

Galv: Das hast du rich­tig erkannt: Ich bin kein kom­plett posi­ti­ver Gut­mensch. Es gibt vie­le Din­ge, die mich beschäf­ti­gen, frus­trie­ren und bei denen ich nicht drum her­um­kom­me, das irgend­wie ein­flie­ßen zu las­sen. Ich bin per­sön­lich viel zu wenig invol­viert in die Ver­bes­se­rung die­ser Welt und der Gesell­schaft, als dass ich mir her­aus­neh­men wür­de, mich als wirk­lich poli­tisch zu bezeich­nen. Ich fin­de es näm­lich wich­tig, dass man die Din­ge auch lebt, bevor man etwas dar­über sagt. Wenn es jetzt nicht kom­plett öffent­li­che Par­odie ist. Aber ich kom­me nicht umhin, immer wie­der etwas ein­flie­ßen zu las­sen, weil es doch auch Sachen sind, mit denen ich mich beschäf­ti­ge.

MZEE​.com: Im Video zu "Venus" sind drei teils unbe­klei­de­te Frau­en prä­sent. War­um?

Galv: (lacht) Ich glau­be, das lässt sich ein­fach erklä­ren: Weil wir dar­auf Bock hat­ten. Wir haben auch schon bemerkt, dass das in der Außen­wir­kung für Ver­wir­rung gesorgt hat. Eigent­lich ist die Linie die­sel­be wie bei allen ande­ren Vide­os auch: Es ist alles sehr impro­vi­siert. Es kommt sehr pro­fes­sio­nell und geplant rüber, das war es aber nicht wirk­lich. In den ande­ren Vide­os sind kei­ne Frau­en, weil es kei­ne Frau­en gab. Wäre da eine Con­nec­tion gewe­sen, wären dort viel­leicht auch wel­che vor­ge­kom­men.

MZEE​.com: Sind das Frau­en, die ihr per­sön­lich kennt?

Galv: Ursprüng­lich war das der Plan. Wobei – Plan ist zu viel gesagt: Es war sehr impro­vi­siert – mit cir­ca zwei Wochen von der Idee bis zur Umset­zung. Eigent­lich soll­ten es Freun­din­nen machen. Es soll­te auch viel Art-​mäßiger rüber­kom­men, als es jetzt am Ende aus­sah. Die haben nun ein biss­chen Body­paint abbe­kom­men, aber eigent­lich war der Plan, sie kom­plett in Far­be zu tau­chen. Das hat aber logis­tisch nicht hin­ge­hau­en. Wir hat­ten weder Zeit und Raum noch Geld, um das so zu rea­li­sie­ren. Und im End­ef­fekt hat es nicht so geklappt, wie es soll­te und es sind auch kei­ne Freun­din­nen gewor­den. Ich glau­be, das ist das, was die Leu­te auch mer­ken, dass es eine künst­li­che Atmo­sphä­re ist.

MZEE​.com: Ja, das kann sein.

Galv: Das ist völ­lig in Ord­nung. Man muss ja damit rech­nen. Ich glau­be, ich gehö­re noch zu den Leu­ten, die unglaub­lich viel posi­ti­ves Feed­back krie­gen und kaum nega­ti­ve Kri­tik bis jetzt. Da war ich schon fast erleich­tert, mal die Gemü­ter zu spal­ten. Der End­kon­su­ment in Deutsch­land ist schon hart beschränkt in sei­ner Sicht auf ande­re Künst­ler. Ich wür­de nie irgend­ei­nen der Künst­ler, die ich mag, haten, wenn er irgend­et­was machen wür­de, was ich nicht fei­er'. Ich hab' dann nur gemerkt: "Ok, das spricht mich jetzt nicht so an." Aber anstatt sau­er zu sein, bin ich dank­bar für alles, was er gemacht hat, was mich ange­spro­chen hat und er soll doch machen, was er will. Das ist auf jeden Fall nicht die Grund­ein­stel­lung der meis­ten Leu­te. Ich habe von Anfang an fest damit gerech­net, dass das irgend­wann so kommt. Und mir ist es lie­ber, dass die Leu­te von Anfang an mer­ken, dass sie nicht irgend­was von mir erwar­ten kön­nen. Etwas, wor­auf sie sich ver­las­sen kön­nen. Etwas zu bedie­nen, ist nicht der Grund, war­um ich das mache.

MZEE​.com: Auf "Fun­key Space­par­ty" auf dem "Of the 3 Moonz"-Album rappst du: "Mein Rap schafft Raum wie ein luzi­der Traum. Alles ist mög­lich – so ist es nicht von Belang, zu wis­sen, was wirk­lich not­wen­dig ist." – Machst du rap­t­ech­nisch das, was du willst? Oder was mög­lich ist?

Galv: (lacht) Eine Mischung aus bei­dem. Also rein auf die Musik bezo­gen ist für mich das, was ich will, immer das, was Spaß macht. Egal, was am Ende dabei her­aus­kommt, wel­ches Gen­re oder wel­che Art von Rap – solan­ge ich Spaß dar­an hab', ist es für mich gerecht­fer­tigt. Das ist der Grund, war­um ich das mache. Wenn ich das nicht mehr erfül­le, dann darf ich es nicht wei­ter­ma­chen, oder ich muss anfan­gen, es wie einen Job zu sehen. Wenn ich ein­fach nur mei­ne Zeit ein­tau­sche für irgend­was, das eigent­lich nicht mei­ne Wunsch­ak­ti­vi­tät ist, um das nach­her am bes­ten in Form von Geld wie­der zu kom­pen­sie­ren. Aber natür­lich ist man limi­tiert. Wenn ich könn­te, wür­de ich viel­leicht man­che Din­ge noch etwas anders machen. Bes­tes Bei­spiel: Ich hab' vor dem "Of the 3 Moonz"-Album noch ein Album mit Live­band auf­ge­nom­men. Das heißt "Ehren­bürg Ses­si­ons" und ist zum Bei­spiel ein Pro­jekt, das ich unbe­dingt machen woll­te. Aller­dings hat­te ich nicht die Mög­lich­keit, das so zu machen, wie ich's gern gemacht hät­te. Könn­te ich das machen, wür­de ich bei jedem Album spä­tes­tens beim zwei­ten Ent­ste­hungs­schritt Musi­ker mit­ein­be­zie­hen. Und bei die­sem Album hat­te ich die Mög­lich­keit, da sind Musi­ker an mich her­an­ge­tre­ten und haben mir in Aus­sicht gestellt, sowas zu machen. Aller­dings ist es eine sehr kost­spie­li­ge Unter­neh­mung, 'ne kom­plet­te Band zu stem­men. Vor allem, wenn das wirk­lich pro­fes­sio­nel­le Musi­ker sind. Aber ich wür­de sagen: Der Haupt­an­trieb ist immer die Lust dar­an. Wenn etwas Spaß macht, macht es erst Sinn. Und natür­lich kann man nicht alle Sachen so machen, wie man ger­ne wür­de, aber man arbei­tet dar­auf hin.

MZEE​.com: Dein nächs­tes Album kommt Ende des Jah­res. Wel­che Kol­la­bo­ra­tio­nen sind dafür geplant und wie wird sich der Sound zum Vor­gän­ger ver­än­dern?

Galv: Ande­rer Pro­du­zent, ande­rer Sound. S. Fide­li­ty pro­du­ziert das Album. Wenn man wis­sen möch­te, wie das klingt, kann man sich sein Album "A safe place to be naked", das er im Mai gedroppt hat, anhö­ren. Das ist ein Instru­men­tal­al­bum mit ein paar Gäs­ten. Das sel­be Klang­feld hat auch unser Album. Kol­la­bo­ra­tio­nen waren zuerst gar kei­ne geplant, dann haben sich drei spon­tan erge­ben und eine ist letzt­end­lich auf dem Album gelan­det. Ufo361 war dabei, hat sei­nen Part aber spä­ter wie­der zurück­ge­zo­gen. Ein Track mit Negro­man war geplant, aber den haben wir lei­der nicht fer­tig gemacht. Wirk­lich drauf ist jetzt der Nussig­mil­de, was mich wirk­lich freut. Das ist ein Musik­ge­nie aus Stutt­gart. Ein Multi-​Instrumentalist und Rap­per, den man sich auf jeden Fall mal gön­nen kann. Der hat auch schon Alben allei­ne gemacht, auf denen er ein­fach alles selbst gemacht hat. Der spielt jedes Instru­ment, macht die Scrat­ches und die Raps – das ist etwas, was ich musi­ka­lisch ver­göt­te­re. Der kam vor­bei, hat die Hälf­te des Tracks schnell pro­du­ziert und fer­tig gemacht und ist des­we­gen auch ein­zi­ger und stol­zer Gast auf dem Album.

(Nina Weid­mann)
(Fotos von Click Boom Cli­que – Rebec­ca Kon­rad & Flo­ri­an Mey­er)