Silla – Blockchef

Damals hieß es: BVG-​Buskarte.
Heut' zahl' ich die BMW-​Schlussrate.

Heut­zu­ta­ge erscheint ein Album nach dem ande­ren. Oft­mals wird sich nicht ein­mal mehr die Zeit genom­men, den künst­le­ri­schen Anspruch eines Werks wirk­lich zu wür­di­gen. Damit das eige­ne Schaf­fen nicht in Ver­ges­sen­heit gerät, ist es daher vor allem von Bedeu­tung, im Vor­feld der Ver­öf­fent­li­chung ordent­lich die Wer­be­trom­mel zu rüh­ren. Blöd nur, wenn die Pro­mo­pha­se der­ar­tig abstrus ver­läuft, dass man als Hörer nicht weiß, was eigent­lich im Vor­der­grund steht: die Musik oder der Wir­bel um die eige­ne Per­son und das pres­ti­ge­er­füll­te Leben. So gesche­hen bei Sil­la, "dem K-​K – ihr wisst schon".

Dass der Ber­li­ner wirk­lich rap­pen kann, gerät durch die BRAVO-​ähnliche Fotol­ove­sto­ry zwi­schen Mr. und Mrs. Sil­la trau­ri­ger­wei­se fast zur Neben­sa­che. Sein hand­werk­li­ches Kön­nen wird vor allem dann deut­lich, wenn der "Block­chef" Töne anstimmt, die wie auf "Blu­men­beet" oder "Supe­ri­or" in eine ver­meint­lich erns­te­re oder stra­ßen­poe­ti­sche Ker­be schla­gen. Wenn sich der Künst­ler jedoch an ande­ren Sti­len ver­sucht, hat man als Hörer stel­len­wei­se das Gefühl, dass das vor­han­de­ne Poten­zi­al nicht aus­ge­schöpft wird und die Musik hin­ter ihren Mög­lich­kei­ten zurück­bleibt. Ein­zel­ne Songs bil­den jedoch Aus­nah­men – so etwa "Bar­rio", wel­cher sich nicht zuletzt durch die makel­lo­sen Ein­la­gen von Pres­to und Juli­an Wil­liams pro­blem­los zu einem der Som­mer­hits des Jah­res mau­sern könn­te. Doch wo auf der einen Sei­te Gäs­te wie bei­spiels­wei­se Manu­ell­sen wirk­lich zu über­zeu­gen wis­sen, ent­täu­schen ande­re oder hal­ten rap­t­ech­nisch ein­fach nicht mit. Bei 13 Gast­bei­trä­gen ver­teilt auf 16 Songs wirkt das eigent­li­che Solo­al­bum dann auch eher wie ein Sam­pler.

"Block­chef" hin­ter­lässt einen durch­schnitt­li­chen Ein­druck mit einer Men­ge an posi­ti­ven Ten­den­zen. Wäre das Werk auf die Kern­kom­pe­ten­zen des Prot­ago­nis­ten her­un­ter­ge­bro­chen und – statt diver­ser Gäs­te – Sil­la selbst mehr in den Vor­der­grund gerückt wor­den, wäre das Ergeb­nis wohl noch über­zeu­gen­der gera­ten. Hin­ter der absur­den Pro­mo­pha­se muss sich "Block­chef" jedoch in kei­nem Fall ver­ste­cken.

(Lukas Mai­er)